Rheinsberger Tagebuch (7)

3. August 2017

Deutschland scheint im Moment der Diesel zu bewegen. Irgend etwas muss da sein. Am laufenden Meter jedenfalls werden zum Diesel Überschriften produziert. Kann es sein, dass sämtliche Menschen, die immer noch ein mit solchem Kraftstoff betriebenes Automobil führen, dass diese ab dem 1. September erschossen werden? Glaube ich zwar nicht, aber möglich wäre es natürlich, oder es ist eben ein Sommerloch-Thema. Zur Zeit werde ich hier über und über beschenkt, das grenzt schon fast an Korruption. Gestern früh stand der Hausmeister vor dem Fenster mit einer riesigen Ladung Pfifferlingen, die hierzulande Pfefferlinge genannt werden. Hatte er gefunden, als er mit dem Hund eine Runde spazieren war und selbstverständlich wusste er keine Verwendung dafür. Bei Elektro-Lemke waren wir neulich Viererkarten für die Reformbühne Heim & Welt ausdrucken und dann sagte der Herr mit einem freundlichen Lächeln: „Ach, lasst mal, das bisschen Tinte“ und schnitt uns die Karten sogar noch in mundgerechte Stücke zurecht. Vielen herzlichen Dank! Aber ich weiß nicht, irgendwann wird wahrscheinlich die Rechnung fällig. Dann soll ich mal bitteschön was zu jenem Thema schreiben und möglichst, äh, nicht unbedingt dies da erwähnen, oder man schlägt mir einen Titel für mein Jahrtausendwerk vor, welchen ich schlecht nur ausschlagen kann, weil: „Nun ja, Sie wissen ja, und das wollen Sie doch bestimmt auf gar keinen Fall, Sie haben schließlich Kinder“. Gut, vielleicht male ich den Teufel auch bloß an die Wand. Vielleicht sind sie hier einfach von Natur aus nett. Habe gestern trotzdem mal vorgesorgt. Nachdem ich zwei Karten für die Oper ‚Carmen‘ geschenkt bekam und es dann kurz vor Beginn der Freiluftveranstaltung etwas tröpfelte, zog ich aus meiner Hosentasche das allerfeinste Stofftaschentuch und rieb damit die Sitzfläche des Stuhles vom stellvertretenden Bürgermeister trocken. Keine Ahnung, ob mir das mal Pluspunkte bringt, oder ich als schmieriger Bückling in die Geschichte von Rheinsberg eingehe, das wird sich noch herausstellen.

Tipp für heute: Immer schön mit dem Arsch an der Wand bleiben.

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