Corona-Tagebuch 215

22. Januar 2021

Ich habe es getan. Zwei Gäste empfangen, mit ihnen gegessen, getrunken, geredet und Musik gehört, als gebe es keine Infektionsgefahr. Wir hatten richtig viel Spaß. Dabei befürworte ich die Regeln zur Eindämmung der Pandemie. Bin ein Beispiel, für den Zwiespalt zwischen allgemeinem Verständnis und persönlichem Verhalten. Bereue ich es? Ja, würde ich antworten, folgte ich meinem naturwissenschaftlichem Bewusstsein. Doch das Ego sagt: „Nein“. Ich fühle mich wesentlich besser heute, trotz der Nebenwirkungen des Alkohols. In der Küche stehen zwanzig leere Bierflaschen, oder fünfzig, oder ich übertreibe. Frankreichs Präsident Macron geht nach eigenem Bekunden ein Stückweit auf kürzlich demonstrierende Studenten zu und bietet ihnen künftig zwei Mahlzeiten pro Tag zum Preis von jeweils 1 € an. Außerdem dürfen sie einen Tag pro Woche zum Präsenzunterricht an der Uni zurück kehren, sofern sie das möchten. Französische Wissenschaftler dagegen warnen vor einem erneuten Anstieg der Fallzahlen und fordern härtere Maßnahmen. In Bulgarien werden Mittelschulen und Gymnasien vom 4.2. an wieder für den Präsenzunterricht geöffnet. Portugal schließt seine Schulen und Universitäten für mindestens 15 Tage, auch digitaler Ersatzunterricht findet nicht statt. Mittlerweile sind 20 % der portugiesischen Neuinfektionen auf die mutierte B.1.1.7.-Variante zurückzuführen. Bei einem Massentest im Schweizer Nobelkurort Sankt Moritz entdeckte man 53 Infektionen, 31 davon gehörten zur B.1.1.7.-Variante. Laut dem US-amerikanischen Regierungsberater Anthony Fauci, ist jene Variante bereits in über 20 US-Bundesstaaten angekommen. Lettland verlängert seinen Shutdown bis zum 7. Februar. Nordirland verlängert seinen Shutdown bis zum 5. März. Der Libanon verlängert die strikte Ausgangssperre (ganztägig!) um 14 Tage, auch Lebensmittelläden dürfen nur Bringedienste anbieten. Die Niederlande verhängen das erste Mal seit dem 2. Weltkrieg eine landesweite Ausgangssperre zwischen 21 und 4:30 Uhr. Rekorde an Neuinfektionen melden Mexiko, 22.339 und Spanien, 44.357. Sri Lanka lässt den Astrazeneca-Impfstoff zu. Ungarn lässt den russischen ‚Sputnik-V‘-Impfstoff zu. China will seinem Nachbarland Pakistan eine halbe Million Impfdosen spenden. Indien spendet seinem Nachbarland Nepal eine Million Impfdosen. In jüngster Vergangenheit hatte Indien Nepal vorgeworfen eine zu große Nähe zu China zu haben. Aber, was sollen sie tun? Sich ein anderes Territorium suchen? Wo ist denn noch was frei? Das Königreich Bhutan zögert den Impfbeginn hinaus, es fehle genügend Impfstoff und ein glücksbringendes Datum. Der Zeitraum zwischen dem 14.02. und dem 13.03. sei definitiv nicht geeignet, heißt es, man wolle noch abwarten. Mexiko meldet einen Höchststand täglicher Covid-19-Opfer, 1.803. In dem Land starben 2020 knapp 275.000 Menschen mehr, als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2018. Über 100 Covid-19-Tote verzeichnet Botswana, über 900 Simbabwe, über 3.000 Myanmar und Georgien, über 15.000 Tschechien, über 55.000 Spanien, über 145.000 Mexiko, über 410.000 die USA. Der Abgeordnete und Vorsitzende der ultrarechten tschechischen Bewegung ‚Die Einigen – Alternative von Patrioten‘ (was für ein bescheuerter Name!) Lubomir Volny (der Name klingt doch eigentlich ganz schön), dem nach persönlichen Beleidigungen bei einer Parlamentsdebatte über die Verlängerung des Corona-Notstandes das Mikrophon abgeschaltet worden war, hat sich eine handgreifliche Auseinandersetzung mit Sitzungspräsident Tomas Hanzel geliefert und als diesem einige Parlamentarier zu Hilfe eilten, mit Prügel gedroht und geschrien: „So bringt ihr mich nicht zum Schweigen!“ Die Sitzung wurde live im Fernsehen übertragen.

Tipp für heute: Immer darauf achten, ob das Fernsehprogramm auch wirklich altersgerecht ist, falls Kinder zugucken.

 

 

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