Corona-Tagebuch 201

8. Januar 2021

Um auch mal etwas Positives zu schreiben, ich habe das Wäschewaschen deutlich eingeschränkt. Klimawandel, nimm das! Eigentlich behalte ich die ganze Woche über die gleichen Klamotten an. Ist ja egal, sieht ja keiner. Meiner Tocher gegenüber prahle ich direkt mit dem Zahnpastafleck auf meinem Pullover. „Guck mal, der ist immer noch drauf. Ich könnte ihn natürlich mit warmem Wasser weg machen, aber warum?“ Lektüre im Moment, ‚Stern 111‘ von Lutz Seiler, ausgeliehen bekommen vom Freund und Kollegen Michael Bittner. Muss sagen, hätte der den Roman nicht so gelobt, das Buch wäre längst zur Seite geflogen. Verstehe einfach nicht, wie man selbst eine interessante Zeit wie die Anfang der 90’er Jahre so langweilig beschreiben kann. Ständig fallen mir beim Lesen die Augen zu. Na, vielleicht passiert ja noch was. Als erster bedeutender deutscher Politiker fordert der Thüringer Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) die Wirtschaft hierzulande herunterzufahren: „Wir müssen jetzt einfach einmal komplett eine Pause machen.“, sagte er im MDR, „Der Fehler, den wir in ganz Deutschland gemacht haben, war, dass wir den Dezember nicht genutzt haben, um tatsächlich auch die allgemeine Wirtschaft in eine Pause zu schicken.“ Allein Gastronomie, Einzelhandel und Kulturschaffende hätten die Last des Lockdowns getragen. Ramelow gestand ein, er selbst habe zu lange geglaubt, leichtere Methoden würden helfen, das jedoch habe nur zur Verlängerung der Beschränkungen geführt. Israel schließt heute fast alle Schulen und Kindergärten und sämtliche Betriebe und Unternehmen aus nicht lebensnotwendigen Bereichen. Lettland verlängert seine Beschränkungen bis 25.01., Ungarn die seinen bis 1. Februar. Die B.1.1.7.-Variante ist bei einer weiteren Person in Bayern und einer Person in Sachsen nachgewiesen worden. Frankreich lässt wegen der mutierten Variante seine Grenze zu Großbritannien für Reisende geschlossen. Zwei „gefährliche Cluster“ der Mutation mit insgesamt 19 Fällen wurden inzwischen in den Regionen Bretagne und Ile-de-France entdeckt, außerdem gäbe es 3 Fälle mit der in Südafrika entdeckten 501.V2-Variante. Der britische Verkehrsminister Grant Shapps erklärte im Fernsehen, es gebe Zweifel, ob die vorhandenen Impfstoffe auch bei letzterer Variante wirksam seien. Ein Forscher von Pfizer hingegen beruhigt: „Wir haben jetzt 16 verschiedene Mutationen getestet, von denen keine wirklich signifikante Auswirkungen hatte. Das sind die guten Nachrichten.“ Und weiter: „Das heißt aber nicht, dass die 17. keine Auswirkungen haben wird.“ Erstmalig wurde die B.1.1.7.-Variante in Australien nachgewiesen, die Stadt Brisbane geht deshalb in einen dreitägigen Lockdown, nur in Ausnahmefällen darf die Wohnung verlassen werden. Japan hat für Tokio und drei Nachbarregionen den Notstand ausgerufen. Restaurants und Bars dürfen ab 19 Uhr kein Alkohol mehr ausschenken und müssen 20 Uhr schließen. Bei Zuwiderhandlung sind allerdings keine Strafen vorgesehen. Wenn es funktioniert? Im Internet kursiert derzeit eine Kampagne mit dem Titel „Wir machen auf“, in der deutsche Händler, Gastronomen und Dienstleister ankündigen trotz Verbotes am Montag die Geschäfte zu öffnen. Unterstützung signalisierten Querdenker und die AfD. Mit 1.188 Covid-19-Toten verzeichnet dieses Land einen neuen täglichen Höchststand, in den USA starben sogar 4.033 heute an der Seuche, auch das ein neuer Höchstwert. Einen Rekord an Neuinfektionen meldet Estland, 1.104 am Tag. Über 200 Covid-19-Tote (insgesamt) in Malawi, über 8.000 in Bulgarien und Ägypten, über 9.000 in Schweden, über 45.000 in Kolumbien, über 60.000 in Russland, über 130.000 in Mexiko, über 200.000 in Brasilien, über 365.000 in den USA. Wie die WHO mitteilte, sollen die ärmsten Länder der Welt ihre ersten Dosen Corona-Impfstoff zwischen Ende Januar und Mitte Februar erhalten. Die Außenminister aus 13 EU-Staaten haben ihre Union aufgefordert die östlichen Nachbarländer der Staatengemeinschaft bei der Beschaffung von Impfstoffen zu unterstützen: „Wir denken, dass unsere Grenzen nicht sicher sein werden, wenn wir unsere Unterstützung nicht auf unsere direkten Nachbarn ausweiten“ heißt es in der Erklärung. Und die direkten Nachbarn der direkten Nachbarn? Und die direkten Nachbarn der direkten Nachbarn der direkten Nachbarn? Und so weiter? Klingelt es langsam mal bei den Verantwortlichen? Nicht nur in Bezug auf Corona? Ach, Deutschland befand sich leider nicht unter den fordernden Nationen. Dafür jedoch steigt der Aktienindex hierzulande von einem Rekordhoch zum nächsten.

Tipp für heute: Geh’n sie mit der Konjunktur.

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