Corona-Tagebuch 204

11. Januar 2021

Zwei großgewachsene Männer liefen gestern durch die U-Bahn. Der Hintere der Beiden hatte seine Maske noch in der Hosentasche und rief dem Anderen zu: „Warte mal, muss erst was aufsetzen.“ Dessen Reaktion: „Ist doch egal, wir sind doch nicht ansteckend.“ Beruhigend. Unterscheiden tue ich ja drei Typen von Nicht-Maske-Tragenden im Öffentlichen Personennahverkehr. Da sind zum Einen die Rebellen, die sich stolz ohne Maske in den Zug setzen und dich provokativ oder mitleidig angucken, zum Zweiten jene, die einfach nicht dran denken oder denen es gerade zu lästig ist eine Maske zu tragen, häufig Jugendliche oder ins Gespräch vertiefte Erwachsene und zum Dritten die, welche denken, sie würden alles richtig machen, den Mundnasenschutz beispielsweise aber nicht über der Nase tragen, ihn zum Essen in der Bahn unterm Kinn baumeln lassen oder, besonders „lustig“, ihn kurz herunter ziehen, weil sie mal niesen müssen. Etwa 30 Querdenker demonstrierten am gestrigen Sonntagmorgen vor dem Privatgrundstück des sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU) gegen die Corona-Maßnahmen. Dieser sprach mit den Protestierern etwa 30 Minuten lang am Gartenzaun. Boris Palmer (Grüne) fordert ein Ende des Shutdowns Anfang Februar: „Es reicht jetzt“, so der Tübinger Oberbürgermeister, „der Innenstadthandel ist schon auf der Intensivstation, der fällt bald ins Koma. Die Insolvenzen werden anrollen. Ich meine, wir halten das nicht durch.“ Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke): „Wir müssen einfach der Tatsache ins Auge sehen, dass das Virus jetzt erst anfängt, richtig Fahrt aufzunehmen.“ Der Gastronom Hans Becker, welcher heute aus Protest gegen den Shutdown sein Bistro am Tegernsee öffnen wollte, tut dies nun doch nicht, da er sich distanzieren möchte von der Unterstützung durch die rechte Szene. Mit solchen Leuten und anderen „unterirdischen Protestakteuren“ wolle er sich nie solidarisieren, so Becker. Respekt! Der Schweizer Hotel- und Gastronomieverband ‚Gastrosuisse‘ warnt davor, dass ohne sofortige und massive Finanzhilfe fast der Hälfte der Gastronomiebetriebe bis Ende März die Insolvenz drohe. Der britische Unternehmensverband ‚Federation of Small Businesses‘ gab an, mindestens 250.000 Firmen seien in Großbritannien von der Schließung bedroht. In Deutschland nahmen die Insolvenzen im Dezember um 18% im Vergleich zum Vormonat zu. Etwa 3.000 Demonstranten haben in Prag mit Plakaten auf denen Aufschriften wie „Stopp dem Corona-Terror“ oder „Wir sind keine Schafe“ standen, gegen den Shutdown protestiert, darunter Ex-Präsident Vaclav Klaus, ein Schlagersänger und mindestens ein Schauspieler. Nach einer Studie der ETH-Zürich haben sich Schulschließungen als eine der effektivsten Maßnahmen gegen die Epidemie erwiesen, neben dem Verbot des Treffens von mehr als 5 Personen und der Schließung von Bars, Restaurants und Geschäften. In vielen Regionen Italiens können Bars und Restaurants seit heute wieder öffnen, von 5 (!) bis 18 Uhr. Nachgewiesen wurde die B.1.1.7.-Variante jetzt auch in Mexiko und Russland. Bei 4 aus Brasilien eingereisten Menschen hat man in Japan eine neue Variante, die nicht mit der B.1.1.7.- oder der 502.YV2-Variante identisch ist, festgestellt. Seinen ersten Corona-Infektionsfall überhaupt meldete der pazifische Inselstaat Mikronesien. Über 500 Covid-19-Tote verzeichnet Simbabwe, über 3.000 die Slowakei, über 5.000 Guatemala. Vor genau einem Jahr, am 11. Januar 2020, wurde in China der erste Covid-19-Todesfall gemeldet. Damals gaben die Behörden bekannt, ein 61-jähriger Mann sei an einer mysteriösen Lungenkrankheit gestorben. Erst vier Tage zuvor war der heute als Sars-CoV-2-Erreger bekannt gewordene Verursacher der Krankheit identifiziert worden.

Tipp für heute: Aus dem Fenster gucken.

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