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Corona-Tagebuch 114

8. Juli 2020

Corona-Ausweich-Sommer-Live-Lesung gestern bei ‚L.S.D. – Liebe statt Drogen‘ in einem Hofdurchgang der Ziegelstraße vor 4 anwesenden Zuschauern. Ein Kormoran flog über uns hinweg. Einer dieser schwarzen Vögel, die vorne lang und hinten kurz sind. Ein Zeichen? Gegen Ende der Lesung begann es zu tröpfeln und Bier gab es auch, hätte mir gar keins mitbringen müssen. Hoffnungsvoll stimmt mich die Vorankündigung der befreundeten Action-Lesebühne ‚Tiere streicheln Menschen‘: „Tiere streicheln Menschen – Das Sommerprogramm, in der Freilichtbühne Weißensee, wie immer mit neuem Programm“. Los geht es am 15. August. Allerdings 2021. Nach deutlicher Zunahme von Neuinfektionen tritt ab übermorgen in Serbien erneut eine Ausgangssperre in Kraft. Sofort gab es Proteste mit Ausschreitungen. Eine Gruppe Demonstranten versuchte das Parlamentsgebäude zu stürmen. Im Westjordanland wird der Lockdown um fünf Tage verlängert. Katalonien will eine strenge Maskenpflicht auch im Freien einführen. Nordrhein/Westfalen verbietet große Festveranstaltungen bis zum 31.10., darunter fallen Volks-, Stadt-, Dorf-, Straßen-, Schützen- und Weinfeste. Also lieber ein Bierfest organisieren. Die kolumbianische Guerilla-Gruppe ‚Nationale Befreiungsarmee‘ (ELN) hat der Regierung des Landes einen 90-tägigen Waffenstillstand wegen der Corona-Pandemie angeboten. In Brasilien wurde Präsident Jair ‚kleine Grippe‘ Bolsonaro positiv auf das Virus getestet. Na endlich! Hat er ’s also geschafft! Jetzt gibt er im Fernsehen damit an, dass er Pillen schlucken kann, lächelnd. Applaus! Erneute Rekordzahl an Neuinfizierten meldet die USA, 60.209 am Tag. Über 1.000 Covid-19-Tote in Guatemala, über 2.000 in Saudi-Arabien. Deutschland hat in den letzten Monaten 13% weniger Speiseeis importiert. Fast zwei Drittel davon kamen aus den Nachbarstaaten Belgien, Frankreich und, ja, Polen. Was ist mit Italien? Italien ist natürlich kein Nachbarstaat.

Tipp für heute: Danke auf Polnisch heißt: Dziekuje (die beiden Strichelchen unter den e’s müsste man sich dazu denken).

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Corona-Tagebuch 113

7. Juli 2020

Finanzminister Scholz sieht den Tiefpunkt der Wirtschaftskrise in Deutschland überwunden. Dem Nachrichtenportal ‚The Pioneer‘ sagte er: „Der Wumms ist schon spürbar.“ Ich tötete gestern mehrere Lebewesen. Vier Mehlmotten fielen meiner Mordlust zum Opfer. Schneider zu früheren Zeiten durften noch stolz sein, auf solche Jagderfolge, präsentierten die Zahl der Leichen auf Gürteln oder stickten sie in Taschentücher, ich dagegen muss mich zuhause rechtfertigen. Mir wird vorgeworfen, ich lebe niederste Instinkte aus. Tue ich ja vielleicht auch. Aber ich mache das doch für uns alle! Damit wir was zu essen haben! Schon am Montag wurden die Corona-Einschränkungen im Kreis Gütersloh nach einem Gerichtsbeschluss wieder aufgehoben, passend dazu sanken heute die Infektionszahlen dort unter die kritische Marke. In der australischen Millionenstadt Melbourne erlässt die Regierung ab Donnerstag sechswöchige Ausgangsbeschränkungen, wie wir sie hierzulande aus dem April kennen. Bei der muslimischen Hadsch 2020 am 28. oder 29.07. nach Mekka können nur wenige Tausend Menschen (2019: fast 2,5 Millionen) teilnehmen, die sich bereits in Saudi-Arabien befinden, sie müssen unter 65 Jahre alt sein, 1,5 m Mindestabstand wahren, Maske tragen und dürfen das würfelförmige Gebäude der Kaaba nicht berühren. Spanien verlängert das Verbot des Anlegens von Kreuzfahrtschiffen bis zum Ende der Corona-Krise. Nehmt das, Kreuzfahrer! Nach zwei Wochen ohne Corona-Neuinfektionen sind in Griechenland wieder positive Fälle gemeldet worden, 43, darunter allein 20 eingereiste Serben. Seit Montagmorgen hält Griechenland seine Grenze für Reisende von dort geschlossen. Über 20.000 Covid-19-Tote meldet Indien, über 65.000 Brasilien, über 130.000 die USA. Ein französischer Busfahrer ist nach Streit mit einer Gruppe, die im Bus keine Maske tragen wollten, so stark verprügelt worden, dass er gestern für hirntot erklärt wurde. Viele Kollegen meldeten sich daraufhin krank, so dass der Busverkehr in der Region fast zum Erliegen kam. Gelangen solche Opfer eigentlich auch in die Statistik der Pandemie?

Heute: Berlin, Durchgang und Hof der Ziegelstraße 5, 20 Uhr: L.S.D. – Liebe statt Drogen mit Uli Hannemann, Tube, Eva Mirasol und Ivo Lotion, sowie den Gästen Mandana und mich

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Corona-Tagebuch 112

6. Juli 2020

Mehr als ein Drittel der Deutschen trinken in der Corona-Krise mehr oder viel mehr Alkohol, so melden es heute diverse Nachrichten-Agenturen. Laut einer Umfrage des Zentralinstitutes für seelische Gesundheit (ZI) aus Mannheim, in Kooperation mit dem Klinikum Nürnberg, gaben 35,5% mehrerer Tausend Befragter an, sie würden häufiger zur Flasche greifen. Alarm, Alarm! Frage mich nur, was die restlichen 64,5% aussagten. Könnte es sein, dass mehr als 35,5% weniger Alkohol trinken als zuvor? Macht sich natürlich nicht gut als Schlagzeile. Deutschland diskutiert nicht nur über die Wiedereinführung der Wehrpflicht, sondern auch über die Abschaffung der Maskenpflicht. Beides schlugen Mitglieder der Regierungsparteien CDU und SPD vor und die einzige Partei, die geschlossen hinter beiden Vorschlägen steht, ist die AfD. In Melbourne befinden sich wegen lokalem Corona-Geschehens 3.000 Menschen im „harten Lockdown“. Aus neun betroffenen Wohnhochhäusern darf niemand mehr hinein oder heraus. Außerdem schließt Australien nach Rekordanstieg an Neuinfizierten (127) die Grenze zwischen den Bundesstaaten New South Wales und Victoria. Auch Israel verschärft seine Maßnahmen. In Gebetshäusern, Festhallen, Bars und Clubs dürfen nur noch bis zu 50 Menschen zusammen kommen, vorher 250. Rekordzahl von Covid-19-Todesopfern meldet der Iran, 163 am Tag. In Spanien ordnen die Behörden die Abriegelung von 14 galizischen Ortschaften im Gebiet La Marina für mindestens 5 Tage an. Italien prüft die Zwangseinweisung von Covid-19-Patienten, welche durch falsches Verhalten neue Ansteckungen auslösen könnten. Über 2.000 Corona-Todesopfer in Bangladesch. Aus Angst vor dem Virus haben mexikanische Einwohner des Grenzortes Sonoyta die Straße nach Arizona (USA) mit Autos blockiert. Bürgermeister Jose Ramos Arzate schrieb, er lade „US-Touristen ein, Mexiko nicht zu besuchen“. Seit heute müssen sich Reisende aus 29 Risiko-Ländern, welche die Schweiz besuchen wollen, in eine 10-tägige Quarantäne begeben, unter anderem aus Russland, Serbien, Schweden und den USA. Dort steigen die Höchststände bei den täglichen Neuinfektionen weiter. Präsident Trump: „Unsere Strategie kommt gut voran.“

Tipp für heute: Hauptsache man weiß, wohin eine Strategie führen soll.

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Corona-Tagebuch 111

5. Juli 2020

‚GRM – Brainfuck‘ von Sibylle Berg ausgelesen. Ob es ein Happy End gibt, verrate ich lieber nicht, will euch ja die Spannung nicht nehmen. Auf jeden Fall wieder mal ein sehr gutes Buch einer Autorin, die bleiben wird, auch wenn ihr Körper längst zerfallen ist. Man kann es natürlich auch anders sehen, wie dieser TAZ-Kommentator beweist: „Es wäre schön, wenn die Dame sich ein Lebensziel sucht, weil ihr Buch eine Anleitung zum Unglücklichsein darstellt.“ Anleitung zum Unglücklichsein? War da nicht was? Sollte Sibylle Berg etwa bei Paul Watzlawick abgeschrieben haben? 700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Krankenhäusern und dem Pflegebereich in Nikaragua fordern die Regierung dazu auf, endlich Maßnahmen gegen die Pandemie zu ergreifen. „Die Regierung ist quasi nicht existent. Wir leben hier nach dem Motto – rette sich wer kann. (…) Die Bevölkerung hat selbst angefangen sich zu schützen.“, sagt Fernando Lazcano, Arzt und Experte für öffentliche Gesundheitssysteme dem nikaraguanischen Online-Medium ‚El Confidencial‘. Offiziell gibt es 2.500 Infizierte und 83 Menschen starben an dem Virus. Unabhängigen Gruppen zufolge sind allerdings fast 1.900 Menschen bereits an Covid-19 dort gestorben. In Deutschland fand gestern das Pokalfinale der Damen und Herren im Fußball statt. Wer gewonnen hat, habe ich bereits wieder vergessen. Im Unterschied zum deutschen Pokalfinale, durften in Dänemark auch Zuschauer dabei sein. Genau 1.750, von denen sich 40 nicht an die vorgegebenen Abstandsregeln hielten und nach mehrmaliger Aufforderung durch den Stadionsprecher schließlich von der Polizei hinaus eskortiert und erschossen.., nein, in einem Bus weg gefahren wurden. Dadurch verpassten sie den erstmaligen Pokalgewinn von Sönderjyske gegen Aalborg BK, 2:0. Rekordwerte an Neuinfektionen melden das Westjordanland (501), Indien (22.771) und die Welt (212.326). Über 3.000 Covid-19-Tote in Südafrika, über 4.000 in Kolumbien, über 30.000 in Mexiko. Die Schweiz verhängt eine Maskenpflicht für den ÖPNV, Toronto eine Maskenpflicht für öffentliche Gebäude, der Iran ab heute eine Maskenpflicht an allen überdachten öffentlichen Plätzen. Arbeiter und Angestellte, die ohne Maske zur Schicht erscheinen, sollen im Iran wieder nach Hause geschickt werden. Ach, wie oft ich meine Maske vergessen würde.

Heute: Berlin, Schankwirtschaft Baiz, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Falko Hennig, Technik-Held Frank Sorge, Gott und mich, einer Anneliese-Hülschrath-Gedächtnis-Kolumne per Video aus Steglitz von Jürgen Witte, sowie den unerschrockenen Superstargästen Michael-Andre Werner (Mitinhaber des Friedensnobelpreises) und Lutz Steinbrück (Indie-Pop für Intelligente) Reservierung unter reservierung-reformbuehne@web.de, für Kurzentschlossene, wenn ihr 19:45 Uhr da seid, müsste es noch was mit einem Sitzplatz werden, für Menschen von außerhalb oder Risikoscheue, wir senden zum vorletzten Mal per Livestream

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Corona-Tagebuch 110

4. Juli 2020

Ich spiele jetzt. Unfreiwillig, aber gespannt bin ich doch. In dem Ristorante, wo wir gestern einen Geburtstag nach alter Tradition mit Königsberger Klopsen begingen, musste man nicht nur Namen, Adresse und Telefonnummer notieren, wegen Corona, sondern den Zettel auch noch in eine Box werfen, aus welcher nach Auskunft des Wirtes am Ende jeder Woche ein/e Gewinner/in gezogen wird, die/der ein Getränk ihrer/seiner Wahl beim nächsten Besuch erhalte. Tombola, hurra! Sämtliche Überredungskünste meinerseits an die Geburtstagsgäste doch bitte ebenfalls mitzumachen, wodurch unsere Chancen auf einen Gewinn erheblich steigen würden, fruchteten nichts, mein Name schwimmt als einziger von uns in der Box. Cola, wenn ich gewinne, nehme ich Cola. China will wegen der Pandemie den Verkauf von lebendem Geflügel auf Märkten verbieten. Zählen eigentlich Fledermäuse zum Geflügel dazu? Aus Botswana wird ein massenhaftes Elefantensterben gemeldet. 275 Kadaver seien bereits gefunden worden. Wilderei, Zyankali-Vergiftung und Milzbrand, infolge der Trockenheit, werden ausgeschlossen. Tierschützer befürchten eine bisher unbekannte Seuche. Die Elefanten sterben plötzlich. Viele kippen nach vorne auf Brust und Gesicht. Noch lebende Tiere stolpern lethargisch im Kreis herum. Kegelrobben in der Nordsee vermehren sich hingegen prächtig. Die Population sei um mindestens 30% gestiegen. Experten vermuten als Grund den Rückgang menschlicher Aktivitäten durch die Pandemiemaßnahmen. Hunde, Katzen und Goldhamster, die sich mit Covid-19 infiziert haben, müssen künftig den deutschen Behörden gemeldet werden. Wie erkenne ich denn eine mögliche Infektion bei meinem Goldhamster? Trockener Husten? Die zweite Nacht infolge gibt es in Santiago de Chile Unruhen mit Barrikaden, Tränengas und Wasserwerfereinsatz wegen der Corona-Ausgangssperren, auch ein Bus ging in Flammen auf. Serbien führt nach starkem Anstieg der Infektionszahlen in der Hauptstadt Belgrad eine Maskenpflicht in Geschäften und Ämtern sowie im ÖPNV ein. Gaststätten, Clubs und Cafes müssen spätestens 23 Uhr schließen. Eine Maskenpflicht gilt künftig auch in Brasilien auf Straßen und im ÖPNV, nach Veto von Jair „kleine Grippe“ Bolsonaro allerdings nicht in Geschäften, Schulen, Kirchen und Produktionshallen. Umgekehrte Welt. Man nimmt dort die Maske ab, falls man einen Laden betritt. Über 3.000 Covid-19-Tote in Indonesien, über 6.000 in Chile, über 10.000 in Peru und in Russland. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht keinerlei Anzeichen für eine zweite Corona-Welle. „Was wir jetzt in vielen Ländern erleben ist ein zweiter Höhepunkt der ersten Welle“, so ein Sprecher.

Tipp für heute: Den Goldhamster testen lassen.

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Corona-Tagebuch 109

2. Juli 2020

2 Tage Erholung liegen hinter mir. Oder 3? Ich habe einen stinkenden Teich von seiner Stinke befreit. Dachte ich wenigstens, nachdem ich ungefähr 6 Tonnen Morast da raus schippte und kescherte. Scheinbar aber will dieser Teich stinken. Die Luft um ihn roch jedenfalls am nächsten Morgen eher noch etwas strenger, um nicht zu sagen pupsiger, als vorher, weshalb das Frühstück am Teich lediglich mit zugehaltener Nase eingenommen werden konnte. Käse, es gab Käse. Hier im Brandenburgischen ist Corona ebenfalls präsent. Im ‚Storchenblick‘, einer Gaststätte, die alle nur ‚Storch‘ nennen, liegen auf den Tischen weder Tischdecken, noch Speisekarten, es gibt auch keine Salzstreuer, Bierdeckel oder Aschenbecher. Man versucht das Risiko einer Ansteckung zu minimieren, jeder Gegenstand ein potentieller Infektionsherd. Ein Wunder, dass noch Stühle da sind und Tische. Das Essen aber schmeckte. Hering, es gab Hering. Wissenschaftler aus China warnen übrigens vor einem neuen Grippevirus bei Schweinen, welches für den Menschen zunehmend ansteckend sei und das Potenzial einer Pandemie berge. Sein Name: G4. Ein G4-Stamm zumindest des als Schweinegrippe bekannten Virus H1N1. Allerdings bestehe keine unmittelbare Gefahr. Beruhigend. Peking hat die Ausgangssperren in einigen Vierteln wieder aufgehoben. Spanien und Portugal öffnen ihre bilaterale Grenze. Die Dominikanische Republik, die Bahamas und der westindische Staat Goa öffneten bereits gestern ihre Grenzen für Touristen. Deutschland lockert die Einreisebeschränkungen für 11 Länder außerhalb der EU, unter anderem für Montenegro. Österreich hingegen warnt wegen steigender Infektionszahlen vor Reisen in Länder des Westbalkans, unter anderem nach Montenegro. Rekordanstiege bei Infektionszahlen der letzten 24 Stunden melden Israel (868), Südafrika (8.124) und die USA (52.898). Kalifornien schließt Innenbereiche von Gaststätten, Kinos, Weingüter, Museen und Zoos in 19 stark betroffenen Gebieten, darunter Los Angeles County für mindestens 3 Wochen, in Teilen Michigans müssen Innenbereiche von Bars wieder schließen, Pennsylvania führt die Maskenpflicht ein. Präsident Trump seinerseits plant zum Unabhängigkeitstag am Sonnabend „das größte Feuerwerk in der jüngsten Erinnerung“, mit 10.000 Raketen. Beim Thema Mund-Nasen-Schutz erfährt man Überraschendes vom Chef im Weißen Haus: „Ich bin ganz und gar für Masken. Ich denke, Masken sind gut.“ Meint er den Karneval? Über 2.000 Covid-19-Tote im Irak, über 3.000 in Ägypten, über 9.000 in Deutschland, über 60.000 in Brasilien. Während in den Niederlanden nach Wiedereröffnung der Rotlichtdistrikte keinerlei Empfehlungen für sichere Stellungen gegeben wurden, schlägt Österreich Sexarbeitern vor auf Speichelaustausch zu verzichten und beim Geschlechtsverkehr Positionen zu wählen, wo man Kunden nicht von Angesicht zu Angesicht begegne. Abstandsregeln müssen in beiden Ländern nicht beachtet werden.

Tipp für heute: Man kann ja auch einfach nur reden.

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Corona-Tagebuch 108

29. Juni 2020

Habe spontan entschieden ins Brandenburgische aufzubrechen und mich dort zu verstecken, also vor dem Internetz. Es gibt dort nämlich noch Gebiete, wo es kein Internetz gibt. Ja! Das sind dieselben Gebiete, wo sich auch Pfau und Wellensittich ‚Guten Appetit‘ wünschen, oder wie das heißt. Erstmalig wird damit, nach 108 Ausgaben, das Corona-Tagebuch hier unterbrochen. „Nimm das, Corona!“ Zumindest das elektronische Corona-Tagebuch wird unterbrochen, heimlich schreibe ich nämlich weiter, auf Pergament, mit Tintenkiel und eigenem Blut. Davon besitze ich genug. Also Blut. Noch. Hoffe, ihr könnt mit dieser Leere jetzt leben. Ist ja nicht für lange. Mal sehen, ob das Virus überhaupt noch existiert, wenn ich zurück kehre. Pünktlich zu meiner Flucht jedenfalls hat es noch mal alles gegeben und zwei wichtige Marken geknackt. Über 10 Millionen Menschen sind mittlerweile infiziert oder infiziert gewesen, weltweit, über 500.000 Menschen an Covid-19 gestorben. Keine Ahnung, ob die Johns-Hopkins-Universität mein Verschwinden verkraftet. Die werden sich schon wundern, warum ich nicht mehr vorbei schaue, täglich, stündlich, mehrmals stündlich. Vielleicht schreibe ich ihnen schnell noch einen Brief, einen persönlichen, bevor mein Zug fährt. Sende ihnen ein paar liebe Worte. Auf Englisch. „I’m offline. Sorry. Dear Ahne“.

Tipp für heute: Früh eine Fremdsprache erlernen, dann kann man sich überall verständigen, zumindest überall da, wo diese Fremdsprache verstanden wird.

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Corona-Tagebuch 107

28. Juni 2020

Mit voller Wucht ist gestern meine Allergie losgebrochen, obwohl ich das Wort losbrechen nicht besonders mag. Ausbrechen ja, aber losbrechen? Doch losbrechen beschreibt die Allergie besser. Nein, kotzen muss ich nicht. Niesattacken. In der Straßenbahn zum Weißen See konnte ich sie mir noch irgendwie verdrücken, mit Maske ist es da übrigens ganz schön anstrengend, jetzt, bei 35°C, als ich aber ausstieg ging es los, 10, 15 mal hintereinander. Und in die Armbeuge wäre ein Witz gewesen. So große Armbeugen gibt es einfach nicht. Einige Menschen schauten skeptisch. Eine Frau lief einen großen Bogen um mich rum. Kann ich verstehen. Müsste eine Fahne mit mir führen, auf welcher stünde ‚Keine Angst, nur Allergie!‘. Oder ein T-Shirt? Aber T-Shirt-Aussagen nimmt ja keiner mehr ernst. Laut Techniker-Krankenkasse haben sich im Mai so wenige Arbeitende krank gemeldet wie in keinem anderen Mai der letzten zehn Jahre. TK-Chef Jens Baas führt das unter anderem auf weniger Sport-, Schul- und Wegeunfälle zurück. Dabei heißt es doch in einem uralten Spruch: „Die meisten Unfälle passieren im Haushalt“. Scheint nicht mehr zu gelten. Rekord an Neuinfektionen melden die USA, Freitag 45.255 Fälle in 24 Stunden. Im nordöstlichen indischen Bundesstaat Assam verhängten die Behörden eine zweiwöchige Ausgangssperre für die Hauptstadt Guwahati. Gesundheitsminister Himanta Biswa Sarma rief die Einwohner auf Lebensmittel zu lagern und deutete einen möglichen strengeren Lockdown an. Positiv getestet auf Corona wurde der serbische VerteidigungsministerAleksandar Vulin ebenso wie die serbische Parlamentspräsidentin Maja Gojkovic. Ägypten lockert. Cafes, Clubs, Theater, Moscheen, Kirchen und Fitnessstudios dürfen öffnen. Freitagsgebete finden jedoch weiterhin nicht statt. Über 9.000 Covid-19-Tote in Peru. Passend zum Überschreiten der Marke verkündete die Regierung gestern die Beendigung der Ausgangssperre am kommenden Dienstag, nach mehr als 100 Tagen, jedenfalls für 18 der 25 Provinzen. Kinder unter 15 Jahre, Alte über 65 Jahre und Menschen mit Vorerkrankungen müssen weiterhin zu Hause bleiben. Fällt mir auf, Menschen mit Vorerkrankungen? War nicht jeder schon mal krank? Müssten dann nicht alle zuhause bleiben?

Heute: Berlin, Schankwirtschaft Baiz, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Falko Hennig, Spider, Roman Israel, Gott und Ahne, einer Anneliese-Hülschrath-Gedächtnis-Kolumne von unserem live aus Steglitz zugeschalteten Außenreporter Jürgen Witte, sowie den beiden quietschfidelen Superstargästen Robert Rescue (Weddinger Wirbelwind) und Marco Euent (Chansons zu kosmisch relevanten Themen, zum Beispiel Alltag) Karten reservieren unter reservierung-reformbuehne@web.de, außerdem Livestream-Übertragung (noch 3 mal)

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Corona-Tagebuch 106

27. Juni 2020

Meiner Hamburger Besucherin ist aufgefallen, dass es keine großen Meldungen darüber gibt, wie viele Kaufhallenkassiererinnen und -kassierer eigentlich von Covid-19 betroffen waren oder sind. Musste ich ihr zustimmen. Meine Internetrecherche ergab keinen einzigen Treffer. Dabei sind Kaufhallenkassiererinnen doch eigentlich prädestiniert für eine Ansteckung, oder? Der ständige Kontakt zu den vielen Einkaufenden? Die künstliche Belüftung? Beim Pflegepersonal weiß man Bescheid, beim Krankenhauspersonal, erst recht bei den Erntehelfern und Fleischzertrümmerern, aber bei unseren Kaufhallenkassiererinnen? Hat sich da etwa nie jemand angesteckt? Sind die von Anfang an immun gewesen? Könnte man aus ihnen das so heftig begehrte Impfserum gewinnen? Oder liegt es lediglich daran, dass ich den falschen Begriff wählte? Westdeutsch heißt es ja Supermarktkassiererinnen. Da jedoch weigere ich mich diesen Begriff einzugeben, weil ich das Wort Supermarkt so hässlich finde. Supermarkt, Supermarkt, Supermarkt! Lustig. Beginne langsam mich an den Begriff zu gewöhnen. Bald sage ich bestimmt auch ‚Plastik‘ und meine damit keine behauene Figur. Oder ich fange an ‚in 2020‘ zu schreiben, ‚an Weihnachten‘, ‚wegen dem‘ oder ‚wie ich da gesessen bin‘. Ankommen durch Corona. Danke, Corona! In der italienischen Kleinstadt Mondragone ist es zu Zusammenstößen zwischen einheimischer Bevölkerung und bulgarischen Landarbeitern gekommen, die demonstrierend durch den Ort zogen, weil sie nicht länger unter Quarantäne stehen, sondern Geld verdienen wollten, auf dem Feld. 43 von ihnen waren zuvor positiv getestet worden. Autoscheiben der Bulgaren gingen zu Bruch, ein Fahrzeug wurde in Brand gesetzt. Der perfekte Nährboden für Nationalismus. Florida verbietet den Alkoholverkauf in Bars. Texas schließt sämtliche Bars, nur Außer-Haus-Verkauf noch erlaubt. In Buenos Aires werden die Corona-Maßnahmen wegen steigender Infektionszahlen wieder verschärft. Mexiko-Stadt hingegen lockert, trotz hoher Infektionszahlen. Ab kommender Woche dürfen dort Geschäfte, Märkte, Restaurants, Hotels und Schönheitssalons wieder öffnen. Geschlossen bleiben Kinos, Kirchen, Schulen, Kneipen und Fitnessstudios. Die Karibik-Insel Barbados erklärt sich offiziell für corona-frei, ab kommendem Mittwoch werden die Ausgangsbeschränkungen dort aufgehoben. Über 4.000 Covid-19-Tote in Pakistan, über 5.000 in Chile, über 55.000 in Brasilien, über 125.000 in den USA. Die Vereinten Nationen rechnen wegen der Corona-Krise mit einer Zunahme des weltweiten Drogenkonsums. Könnte mir auch das Gegenteil vorstellen. Koks beispielsweise ist doch ganz schön teuer.

Tipp für heute: Cola knallt auch, wenn man lange keine Cola getrunken hat.

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Corona-Tagebuch 105

26. Juni 2020

Hunderte tote Heringe wurden an mehreren Orten der Nordseeküste angeschwemmt aufgefunden. Die Ursache für das Massensterben ist noch unklar. Corona kann angeblich ausgeschlossen werden. Neben Heringen sind auch Stinte, Finten, Aale, Schweinswale und Störe betroffen, meldeten Umweltschützer. Von Stinten und Finten habe ich noch nie gehört, also Finten kenne ich schon, jedoch in einem anderen Zusammenhang. Im österreichischen Skiort Ischgl, wo die Hüttengaudi zuhause ist, haben laut einer umfassenden Studie der Universität Innsbruck 42,4% der Bevölkerung Antikörper gegen das Virus gebildet, sind also aller Wahrscheinlichkeit nach infiziert gewesen. Das ist der höchste Wert, der weltweit jemals gemessen wurde. Heißt das dann auch, dass es dort am sichersten sei? Mal besser trotzdem ein Kondom verwenden. Tunesien öffnet die Grenzen für Urlauber einiger  Staaten, darunter Deutschland, ab Sonnabend. Israel verlängert dagegen das Einreiseverbot für Ausländer um 4 Wochen bis 1. August. Rekordanstiege bei Neuinfizierten in Indien, 16.922 Fälle am Tag, und den USA, 39.818 Fälle am Tag. Trump dazu: „Wenn wir nicht testen würden, hätten wir keine Fälle.“ Hinzu fügen könnte man den schlauen Satz: Wenn wir nicht sehen könnten, gäbe es nichts. Wegen steigender Infektionszahlen müssen weite Teile Lissabons ab 1. Juli wieder in den Lockdown. Bewohner von 19 Gemeinden dürfen dann zwei Wochen lang nur noch aus dem Haus um Einkäufe zu erledigen, zur Arbeit zu gehen oder eine Ärztin aufzusuchen. Über 10.000 Covid-19-Tote im Iran, über 15.000 in Indien, über 25.000 in Mexiko. Dort hat sich auch der Finanzminister angesteckt. Unklar ist, ob, wie und wann er kürzlich engen Kontakt zum Präsidenten Andres Manuel Lopez Obrador unterhielt, der zur Zeit durch Mexiko reist und das Tragen einer Gesichtsmaske verweigert. Trotz wochenlanger Schulschließungen haben übrigens Berliner Schülerinnen und Schüler das beste Abitur seit langem abgelegt. Der Durchschnitt der Noten verbesserte sich nach 9 Jahren mit 2,4 auf 2,3. Sagt das nun etwas Gutes oder etwas Schlechtes über die Berliner Gymnasien aus? Oder gar nichts?

Tipp für heute: Es gibt noch Karten für die sonntägliche Reformbühne unter reservierung-reformbuehne@web.de.

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