Die andere Antwort
15. Februar 2011
Während alle Welt auf die Freiheitsbewegungen in Nordafrika und Arabien schaut, beginnt sich mitten in Europa ein kleiner Taliban-Staat zu mausern. Nach dem, schon für Wirbel sorgenden, Medienzensurgesetz soll nun in Ungarn eine neue Verfassung installiert werden und die kann, dank einer Zweidrittelmehrheit der regierenden nationalkonservativen Fidesz-Partei, ohne Verwässerung störender oppositioneller Kräfte, durchs Parlament gewunken werden. Der erste Satz in ihr: „Oh Gott, schütze die Ungarn“ ist dabei Programm. Das Land bekennt sich „zum Christentum und zur heiligen Krone“. Schließt damit schon mal pro Forma alle Nichtgläubigen sowie Angehörige anderer Religionen aus. Merkwürdig dürfte auch anmuten, dass eine Republik die Insignie einer Monarchie als einigendes Symbol wählt. Geradzu skurril wirkt dagegen, wenn, im Jahre 2011 ein mitteleuropäisches Land in seiner Verfassung verankert, die Ehe sei lediglich zwischen Mann und Frau statthaft. Homophobie per Verfassungsdekret. Vorerst nicht aufgenommen wurden zum Glück Artikel über ein Onanierverbot, zum Scheidungsverbot, zum Verhütungsverbot und darüber, dass die Frau des Mannes Untertan sei. Kommt aber bestimmt noch.
Tipp für heute: ‚Das Unerfreuliche zuerst‘ von Sibylle Berg lesen.
3 Kommentare zu “Die andere Antwort”
01
Schlimm aber auch ziemlich dumm,das setzten auf mittelalterische-rektionäre „Werte“. Mal sehen wie lange die Ungarn sich das bieten lassen.Aber wer weiss,vielleicht wollen sie ja auch wieder ein Österreich-Ungarn;ist da eigentlich das Internet offen?
02
Sibylle Berg kann nicht schreiben und hat eine uninteressante Weltsicht.
03
@ jochen: Ach so. Na, dann finde ich sie ab jetzt auch nicht mehr gut.
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