Corona-Tagebuch 566
10. Februar 2022
Die Straßenblockierer von ‚Essen retten – Leben retten‘ erzürnen momentan die Volksseele. Tag für Tag setzen sie sich auf Zubringerstraßen zur Berliner Stadtautobahn, fordern ein Gesetz gegen Lebensmittelverschwendung und produzieren Staus. Ein Lehrbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte. Die Rechten lachen sich ins Fäustchen, müssen gar nichts tun, von ganz allein werden „Bürger“ aus der Mitte der Gesellschaft handgreiflich, fordern im Netz hohe Strafen für die „linken Chaoten“ und stoßen überwiegend auf Verständnis. Eine Aktivistin äußerte im Interview, so käme man eher in die Nachrichten, die ansonsten nur von Corona dominiert würden. Mag sein. Falls die Frau eine Karriere in der Reklame-Industrie anstrebt, hat sie sicher gute Chancen. Auch in Kanada wird weiter blockiert, neben der Innenstadt von Ottawa nun ein Teil der Grenze zur USA, von LKW-Fahrern, die gegen Corona-Maßnahmen protestieren. Ihr Vorgehen stößt auch in Europa auf Interesse. Tausende Maßnahmen-Kritiker schrieben in Online-Netzwerken nach Paris fahren zu wollen. Gestern starteten in Nizza, Bayonne und Perpignon bereits ‚Konvois für die Freiheit‘. Die französische Polizei kündigte ein entschlossenes Vorgehen gegen Blockaden an. Stelle mir gerade vor, wie so ein ‚Konvoi für die Freiheit‘ von ‚Essen retten – Leben retten‘-Aktivisten gestoppt wird. Nun ja. Begonnen hat die neuseeländische Polizei damit ein Camp von Gegnern der Impfpflicht vor dem Parlament zu räumen, 120 Teilnehmer wurden festgenommen. In Deutschland rücken weitere Politiker von der allgemeinen Impfpflicht ab, oder wollen die Entscheidung darüber verschieben. Tschechien hebt fast überall die 2G-Regel auf. Ministerpräsident Petr Fiala außerdem: „Wir haben die Perspektive, dass wir vom 1. März an die meisten Beschränkungen loswerden können.“ Immer mehr US-Bundesstaaten schaffen, trotz hoher Infektions- und Todeszahlen, die Maskenpflicht in Geschäften und der Gastronomie ab, nach New York nun auch das ebenfalls demokratisch regierte Illinois. In Großbritannien will der wegen Feier-Eskapaden politisch angeschlagene Premierminister Boris Johnson selbst die Pflicht zur Quarantäne für Corona-Infizierte aufheben. Infektiologe Tim Spector vom King’s College London nennt das unverantwortlich: „Den Eindruck zu erwecken, dass das Vereinigte Königreich Covid besiegt hat, ist der völlig falsche Weg.“ Einen Rekord an Neuinfektionen meldet Neuseeland, 334. Über 100 Covid-19-Tote verzeichnet Saint Vincent und die Grenadinen, über 35.000 Kanada, über 95.000 Spanien, über 310.000 Mexiko, über 330.000 Russland, über 635.000 Brasilien, über 910.000 die USA. Das allererste Corona-Todesopfer überhaupt beklagt der Südseestaat Kiribati. „Ich habe mal ausgerechnet, wie viele Menschen derzeit mit der Strategie Israels sterben würden, wenn wir ähnlich vorgehen“, so Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) im ZDF, „dann kommt man auf eine Quote von vielleicht 400, 500 Menschen, die in Deutschland sterben würden, wenn wir diese Öffnungen so machen würden. Bei uns sterben aber derzeit zwischen 100 oder 150 Menschen am Tag (an oder mit Corona d.A.), immer noch zu viel.“
Tipp für heute: Brot von gestern ist nicht hart, gar kein Brot, das ist hart.
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