Die wilde Mitte

18. Juni 2011

‚Langer Tag der Stadtnatur‘ und wir natürlich Brot, Kuchen und Wein für die Großmutter ins Körbchen und ab, im Laufschritt, zur Anlegestelle der Reederei Riedel und dort hinein in den nächsten bereitliegenden Dampfer. Hauen und Stechen natürlich um die begehrten Fensterplätze, logisch. „Lasst doch ma den Mann mit ’n Rollstuhl durch.“ „Wat denn, der soll sich jefällichst anstelln, so wie ick mir ooch anjestellt hab.“ Da schmunzelt der Berliner und der Rest wundert sich. ‚Schiffstour durch die wilde Mitte‘, so hieß die Dampfertour von (als hätten wir ’s geahnt) Mitte nach Charlottenburg und der Superstar der ‚Stiftung Naturschutz‘ Derk Ehlert himself begeisterte sie wieder allesamt durch die Bank weg. Trotz Regen, Wind und Kälte bevölkerten seine Fans das Oberdeck, hörten gebannt zu und starrten aufmerksam durch ihre Ferngläser in den trüben Abendhimmel der Hauptstadt der Nachtigallen. Mit etwas Glück, so hatten sie in der Broschüre geschrieben, würde man einige, der vielen wilden Tierarten der Stadt, vom Wasser aus beobachten können. Und tatsächlich, schon kurz nach dem Ablegen, als seien sie vom Veranstalter persönlich bezahlt worden, flatterten ein paar Spatzen umher. Direkt danach „Kräh, kräh“ ließ sich eine Nebelkrähe deutlich vernehmen und eine Entenmutter schwamm, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt, in kaum 5 Meter Entfernung an unserem stolzen Kutter vorbei. Mein Sohn ist heute ja mit seiner Klasse zu einer Fahrt nach Spanien aufgebrochen, der Unglückspilz, hätte er geahnt, was er dadurch verpasst, er hätte die Reise doch sicherlich sausen lassen. Wir, auf jeden Fall, kommen nächstes Jahr wieder.

Tipp für heute: Sich das Wappenzeichen von Hasenfelde auf den Rücken tätowieren lassen.

Allgemein | Kommentare

8 Kommentare zu “Die wilde Mitte”

  1. 01

    Hasenwappen, großartig!

    dresch am 18. Juni 2011 um 23:52
  2. 02

    Home is where the heart is!!

    dresch am 19. Juni 2011 um 00:07
  3. 03

    statt der spatzen waren es bei uns die fledermäuse…
    „da! (begeistert wie nur was..) jetzt! oben! da oben, ist wieder eine!! und und habt ihr sie gehört?“
    ..wo denn oben? (oben ist groß..) was denn gehört??
    und irgendwie hatten wir anscheinend überlesen, dass in charlottenburg rausschmiss war… so mussten wir den ganzen weg wieder zurück, durch den wilden, gefährlichen stadtdschungel, wo es nur so wimmelt von waschbären, pinguinen und goldelsen…

    ichstinker am 19. Juni 2011 um 01:49
  4. 04

    Nicht zu vergessen Bullen, Hornochsen, Rindviechern, Affen, Schweinen, Drecksäuen, Spinatwachteln…

    Ahne am 19. Juni 2011 um 16:24
  5. 05

    oja! jetzt ist die aufzählung komplett. danke ;)

    ichstinker am 19. Juni 2011 um 22:33
  6. 06

    Da mir zu Ohren gekommen ist, man könnte den Beitrag hier auch so verstehen, dass es langweilig gewesen war, dem ist absolut nicht so. Es war eine wirklich interessante Schiffstour wo ich sehr viel Neues über die heimischen Tiere lernte, zum Beispiel, dass es 50 Jahre dauert, bis eine Tierart, die von irgendwoher eingeschleppt wurde und seitdem sich hier vermehrt, als heimisch anerkannt wird. In Berlin betrifft das zum Beispiel den Schwan, den Waschbär und seit jüngstem die Mandarinente.

    Ahne am 20. Juni 2011 um 13:13
  7. 07

    Ach Riedel ,die Rheinpfalz war unser Hochzeitsboot 1990,durch Mitte wurden wir geschifft,am Palast der Republik vorbei ,an mehr ainner ick mia aba nich mehr.Doch eens noch,den meißten Schnaps trank die Besatzung.

    Alex am 20. Juni 2011 um 13:35
  8. 08

    was? oh…, nein, aber nein, langweilig wars überhaupt nicht, uns hats voll dolle spaß gemacht. kommt immer drauf an wie man drauf ist. stellt euch vor, wir haben wasserfledermäuschen in berlin! kannte ich gar nicht…

    ichstinker am 20. Juni 2011 um 14:39

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