Höhepunkte meines Lebens – Neukölln
13. Oktober 2026
Auch in einem Schriftstellerleben passiert ab und zu was Lustiges, doch, doch. Mal stolperst du, fällst hin, weil du den Schnürsenkel nicht zugebunden hast. Oder es kleckert dir Eis auf den Pullover, in der S-Bahn, alle sehen es. Na ja, neulich erreichte mich eine Anfrage, ob ich bei einem Theaterstück mitwirken könne, eine Rolle einlesen. Ich freute mich, denn mit der Schreiberin hatte ich bereits zusammengearbeitet, ein Hörspiel gestaltet und ein Kinderbuch. Zudem war sie mehrfach bei unserer Lesebühne. Ich schrieb, dass ich dabei wäre, wir vereinbarten einen Termin und ich forderte das Manuskript an, um es studieren zu können. Am Termin erschien ich pünktlich in der Neuköllner Emser Straße und wartete. ‚Sie verspätet sich‘, dachte ich, als neben mir zwei junge Typen und eine Frau vom Rad stiegen. „Ah, da bist du ja“ meinte der eine. „Ja, da bin ich“, antwortete ich, „wollt ihr auch was für das Theaterstück einsprechen?“ „Na ja, ich bin der, der das Theaterstück geschrieben hat.“ Es stellte sich dann heraus, er habe sich gewundert, warum ich ihn in unseren Mails dauernd mit Frauennamen anredete, es jedoch unter verrücktes Künstlergehabe eingestuft. Eine Verwechslung, die darauf beruhte, dass der Stückeschreiber denselben Nachnamen nutzt, den die Autorin für ihr künstlerisches Werk verwendet. Er fragte, ob ich nun nicht mehr mitmachen wolle und ich schmiss empört die ausgedruckten Zettel vor seine Füße, mit dem Rollentext. Nein, so was traue ich mich nicht. Ich kletterte mit ihnen in den vierten Stock, sprach den Text ein und heute ist Premiere und ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, weil ich sonst gar nichts von dem Stück kenne.
Tipp für heute: Berlin, Ackerstadtpalast, 20 Uhr: Premiere von ‚Roter Engel – Der Rahmen deiner Welt‘ von der Gruppe YA! Alfred Adiel Francis
Kommentar schreiben