Wider das Klischee

21. September 2014

Häufig wird ja geschimpft über die Jugend, sie sei zu angepasst, zu oberflächlich, bieder, langweilig, bla, bla, bla. Als ich gestern früh von einer krassen Sause aus Potsdam zurückfuhr, mit der S-Bahn, stiegen Bahnhof Zoo sechs Stricher, Junkies junge Menschen in den Zug und verhielten sich erst einmal so, wie es das Klischee vorgab. Sie trällerten vergnügt Melodien, die Helene Fischer, einer Ikone der heutigen Jugendkultur, zugeschrieben werden und zwei von ihnen unterhielten sich über eine Freundin, die es ekligerweise schon mal mit mehreren Männern getrieben hätte, ob nacheinander oder zeitgleich, weiß ich nicht mehr. So weit, so schlecht. Plötzlich aber wendete sich der Eine von ihnen mir zu und fragte ob er mich stören würde, weil ich ja ein Buch in den Händen halte. Ich antwortete, nein, er könne gerne mit mir kommunizieren, ich sei interessiert am Austausch zwischen den Generationen. Sodann begann er loszulegen, er finde ja, dass viel mehr gelesen werden solle, es viel zu viel Schund gäbe, er gerade sich mit Nietzsche beschäftige und ein großer Fan von Kafka sei, dass er überdies ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviere, beim Deutschen Bundestag und nebenher Französisch erlerne und es doch gar nicht so wichtig wäre ob jemand Abitur habe oder nicht, Hauptsache man täte sich engagieren, er wolle demnächst nach Südamerika und dort mit Jugendlichen gegen …, keine Ahnung mehr. Irgendwann wurde es mir einfach zu viel, ich konnte nicht weiter folgen, war auch ziemlich besoffen und wollte doch eigentlich nur … Spaß.

Heute: Berlin, Haus Berlin-Panorama Lounge, 20:15 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Jakob Hein, Heiko Werning, Uli Hannemann, Falko Hennig, Jürgen Witte und mich, sowie unseren weitgereisten Stargästen Bernd Gieseking (Ostwestfalen/Finnland) und Christian Y. Schmidt (Ostwestfalen/China)

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