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Rheinsberger Tagebuch (9)

16. August 2017

Durch langsames Gewöhnen des Körpers an Bewegungen ist es mir gelungen die Rückenschmerzen halbwegs in den Griff zu bekommen. Ich kann jetzt wieder eine Kaffeetasse halten, ohne laut aufzuschreien vor Schmerz. Auch rückwärts laufen geht, zumindest fünf Schritte. Habe jetzt eine Idee, für ein Essay. Da soll der phillipinische Präsident Duterte eine gewisse Rolle spielen und seine Geliebte, die afghanische Prinzessin Kunigunde, eine Blaublütige aus gutem Hause, die leider ein wenig abhängig ist, von Schokoriegeln. Könnte was werden, einer Verfilmung würde ich mich jedenfalls nicht in den Weg stellen. Vom Perseidensternschnuppenhagel ist hier in Rheinsberg bisher leider noch kaum etwas zu bemerken, lediglich eine Krähenfeder rieselte kürzlich in den Hof meiner Stadtschreiberbehausung. Ich habe mittlerweile eine erkleckliche Sammlung Vogelfedern im Regal zu liegen. Die meisten sind grau. Tauben? Doch eine hat auch so weiße Punkte, stammt möglicherweise von einem Greif. Gestern lag ich im Bett und dachte, wie es wohl wäre, wenn ich eine richtig fette Erbschaft erhalten würde, von einem Onkel aus Amerika. Das wäre irgendwie cool, obwohl man ja auch Erbschaftsteuer dann zahlen müsste und da weiß man ja nie, für was das Geld anschließend verwendet wird. Rüstung? Vielleicht doch eher nicht so cool.

Tipp für heute: Den Blick immer gen Boden gerichtet lassen, manchmal liegt das Geld ja auf der Straße.

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Rheinsberger Tagebuch (8)

8. August 2017

Ich habe es doch gewusst, da nimmt man sich einmal frei, löst sich ein einziges Mal nur von seinem Schreibtisch, von seinem Bürosessel, in welchen man vorher quasi ununterbrochen hinein gepupst, Quatsch, Zeile für Zeile seines Jahrtausendwerkes ersonnen und anschließend mit der Feder in Stein gemei.., oder so ähnlich und schon passiert es. Ich bin querschnittsgelähmt. Also, fast. Ein einziges Mal nur gab ich dem Verlangen nach, Freizeit haben zu wollen, bin hinaus, an die frische Luft und habe mir dort ein Fahrrad ausgeliehen. Ich! Ein Fahrrad! Ich wollte von Rheinsberg nach Menz radeln, durch den Wald, hin zu Jan Koch, dem bekannten Liedermacher, der in Menz gemeinsam mit seiner Frau ein französisches Cafe betreibt. Ja, ihr ahnt sicher, das konnte nicht gut gehen. Ging es auch nicht. Wie Täve Schur wollte ich aus dem Sattel steigen, auf eine Anhöhe klettern, reckte mich und streckte mich und grrrick, dies ist genau jenes Wort, welches passt, sprang da irgend etwas aus seiner dafür vorgesehenen Verankerung, irgend etwas riss oder verrenkte sich oder ein Nerv verrutschte und glitt zwischen zwei Wirbel, weiß der Fuchs, auf jeden Fall kann ich seitdem höchstens noch auf Knien rutschen und auch das nur mit höllischen Schmerzen. Bandscheibenvorfall oder Hexenschuss nennen es verharmlosend die Altvorderen. Ich würde es als Körperapokalypse bezeichnen. Wenn ihr mal in der Nähe seid, die Schreie die ihr hört, das bin ich, der Stadtschreiber von Rheinsberg und diese Schreie, sie sollten euch stets daran erinnern, die Pflicht niemals zu vernachlässigen, den süßen Freuden der Freizeit zu widerstehen, Prioritäten zu setzen. Oder aber ihr sagt euch, ach was, besucht Jan Koch und seine Frau und verbringt einen schönen Nachmittag dort. Das Bier ist erschwinglich und der Kuchen schmeckt. Bric a Brac heißt es und hat sogar eine Adresse im Netz: www.cafe-bric-a-brac.de. Macht, was ihr wollt. Ohne mich könnt ihr ’s schaffen.

Tipp für heute: Schlemmen, so lange noch was da ist.

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Rheinsberger Tagebuch (7)

3. August 2017

Deutschland scheint im Moment der Diesel zu bewegen. Irgend etwas muss da sein. Am laufenden Meter jedenfalls werden zum Diesel Überschriften produziert. Kann es sein, dass sämtliche Menschen, die immer noch ein mit solchem Kraftstoff betriebenes Automobil führen, dass diese ab dem 1. September erschossen werden? Glaube ich zwar nicht, aber möglich wäre es natürlich, oder es ist eben ein Sommerloch-Thema. Zur Zeit werde ich hier über und über beschenkt, das grenzt schon fast an Korruption. Gestern früh stand der Hausmeister vor dem Fenster mit einer riesigen Ladung Pfifferlingen, die hierzulande Pfefferlinge genannt werden. Hatte er gefunden, als er mit dem Hund eine Runde spazieren war und selbstverständlich wusste er keine Verwendung dafür. Bei Elektro-Lemke waren wir neulich Viererkarten für die Reformbühne Heim & Welt ausdrucken und dann sagte der Herr mit einem freundlichen Lächeln: „Ach, lasst mal, das bisschen Tinte“ und schnitt uns die Karten sogar noch in mundgerechte Stücke zurecht. Vielen herzlichen Dank! Aber ich weiß nicht, irgendwann wird wahrscheinlich die Rechnung fällig. Dann soll ich mal bitteschön was zu jenem Thema schreiben und möglichst, äh, nicht unbedingt dies da erwähnen, oder man schlägt mir einen Titel für mein Jahrtausendwerk vor, welchen ich schlecht nur ausschlagen kann, weil: „Nun ja, Sie wissen ja, und das wollen Sie doch bestimmt auf gar keinen Fall, Sie haben schließlich Kinder“. Gut, vielleicht male ich den Teufel auch bloß an die Wand. Vielleicht sind sie hier einfach von Natur aus nett. Habe gestern trotzdem mal vorgesorgt. Nachdem ich zwei Karten für die Oper ‚Carmen‘ geschenkt bekam und es dann kurz vor Beginn der Freiluftveranstaltung etwas tröpfelte, zog ich aus meiner Hosentasche das allerfeinste Stofftaschentuch und rieb damit die Sitzfläche des Stuhles vom stellvertretenden Bürgermeister trocken. Keine Ahnung, ob mir das mal Pluspunkte bringt, oder ich als schmieriger Bückling in die Geschichte von Rheinsberg eingehe, das wird sich noch herausstellen.

Tipp für heute: Immer schön mit dem Arsch an der Wand bleiben.

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Rheinsberger Tagebuch (6)

1. August 2017

Habe heute meinen Antrittsbesuch in der Rheinsberger Stadtbibliothek absolviert. Ich sei erst der dritte Stadtschreiber, der dies getan habe, wurde mir von den sehr eifrigen, hilfsbereiten und freundlichen Frauen, die dort arbeiten, berichtet. Die Bibliothek ist gut bestückt, wir fanden sofort, was wir suchten, nämlich den zweiten Band von Bartimäus, Bartimäus – Das Auge des Golem. Cooler Stoff, gerade für 11-jährige. Ich habe jetzt einen Bibliotheksausweis, mit dem ich jederzeit in die Bibliothek kann, Montag 10-14 Uhr, Dienstag 14-18 Uhr, Mittwoch geschlossen, Rest weiß ich nicht mehr. Ich kann mir alles ausleihen, was das Herz begehrt, Bücher, Hörspielkassetten, DVD’s.., okay, Zeitschriften, so wurde mir geklagt, Zeitschriften bekämen sie nicht mehr rein, kein Geld. Das wird das nächste Ding werden, wofür ich mich einsetze. Erst den Schwerlastverkehr mit LKW’s durch den Ort beenden, der Schlimmeres anrichtet als der Zweite Weltkrieg, so stand es zumindest auf einem Protestplakat geschrieben, dann die Rückkehr der Zeitschriften in die Stadtbibliothek organisieren. Und wann schreibe ich eigentlich mein Jahrhundertwerk? Das gestaltet sich in der Tat etwas schwieriger als zunächst gehofft. Der Western sagte mir irgendwie nicht mehr zu. Gestern nun habe ich das Vorwort zu einem Arztroman verfasst. Mal sehen.

Tipp für heute: Den Tornados trotzen, in dem man sich eine schwere Eisenkugel an den Knöchel schmiedet.

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Verb der Woche

30. Juli 2017

schmilzen

Heute: Berlin, Jägerklause, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Falko Hennig und mich, sowie den bezaubernd guten Superstargästen Jana Berwig (die Goldene Stimme von Neukölln) & Masataka Koduka (der verrückte Japaner), Roman Israel (Humorist der Herzen) sowie Michael Bittner (Kolumnist der Sächsischen Zeitung)

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Rheinsberger Tagebuch (5)

27. Juli 2017

Auf dem Marktplatz stehen sie wieder. Die Zeugen Jehovas. Jeden Donnerstag findet nämlich auf dem Marktplatz von Rheinsberg der ‚Markt der religiösen Angebote‘ statt. Außer den Zeugen Jehovas beteiligt sich leider aber niemand. Nicht mal die Salafisten sind am Start. Und dann gibt es auch noch alles umsonst. Man kann nicht mal handeln. Was hat das denn noch mit einem Markt zu tun? Na ja. Wenn man mit seinem Beutel kommt, wird man in den Rheinsberger Bäckern übrigens gefragt, ob die Schrippen direkt dort hinein können. Man bekommt keine Plastetüte automatisch dazu gemüllt. Das finde ich sehr angenehm. Bravo, Rheinsberger Bäcker! Zu regnen hat es auch hier aufgehört. Alles heile geblieben, niemand wird vermisst. Gestern war ich in der Oper gewesen. Das erste Mal in meinem Leben freiwillig. Ich hatte ein wenig Angst. Bin immerhin der Stadtschreiber hier, bekomme die Karten, von Steuergeldern finanziert, geschenkt! Wie sähe es da aus, wenn ich gähnte und schnarchte und mir die Spuckefäden aus den Mundwinkeln rännen? Dann würde hier wahrscheinlich bald der Volkszorn kochen und nur zurecht! Ich glaub, ich hab mich aber ganz wacker geschlagen, wenn man mal davon absieht, dass ich Löcher in den Strümpfen hatte, aber sah ja keiner, zum Glück, weil ich Schuhe trug. Die Oper war ganz gut. Jedenfalls mussten die Protagonisten dreimal wieder auf die Bühne kommen, weil immer noch applaudiert worden ist. Ein anstrengender Beruf. Mit meinen Romanprojekten ist das so eine Sache. Ich habe jetzt einfach mal einen Western begonnen, als Schreibübung, zwischendurch.

Tipp für heute: Beige ist die Farbe der Saison.

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Auf los, geht ’s los

23. Juli 2017

Einen Rekordversuch will ich heute wagen. Nein, es geht nicht darum, den Stillen Ozean zu durchschwimmen, als erster Mensch ohne Badehose, oder so langsam wie möglich die 100 m zu rennen, ich werde heute versuchen viermal an einem einzigen Tage aufzutreten. Ich weiß, das haben der Zauberer Luigi Fontanelli und die Striptease-Ikone Eva Müller-Grothenbach auch schon geschafft, is mir aber egal. Ich breche heute meinen persönlichen Rekord. Dreimal hatte ich ja bereits, auf der Leipziger Buchmesse, nun jedoch.., man, ich bin dermaßen aufgeregt, drückt mir mal die Daumen. Bitte!

Heute: Berlin, IGA (Blumentheater), 11 Uhr und 13 Uhr und 15 Uhr: ‚Unkraut versteht sich‘ (Ahne liest, singt und trinkt dreimal eine halbe Stunde)

und danach

Berlin, Jägerklause, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Jakob Hein, Falko Hennig und mich, sowie den an Körper und Geist nahezu ebenbürtigen Superstargästen Insa Kohler (Rakete 2000), Roman Israel (Sax Royal) und Doc Schoko (Rock ’n Roll)

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Rheinsberger Tagebuch (4)

19. Juli 2017

Es ist so gemein, was sie den armen Elefanten antun! Die müssen da schwere Stämme aus dem Regenwald ziehen, gehen dazu in die Knie, stützen sich mit ihrem Rüssel vorne ab, so dass sie anschließend gar keine Kraft zur Fortpflanzung mehr haben. Ich bin richtig wütend. Wenn ich jetzt in Laos wäre, ja, …, ach, das schreibe ich hier lieber nicht, sonst wird das noch zensiert, oder ich gerate ins Visier der NSA. Statt Laos befinde ich mich bekanntermaßen in Rheinsberg. Hier gibt es keine Elefanten, zumindest zeigen sie sich nicht. Nur Elefanten-Dokus, die gibt es, im Fernsehen. Und deshalb bleibt der Fernseher ab jetzt aus, basta! Und damit ich mich auch dran halte, habe ich in ihn Senfsauce (von Eier mit Senfsauce) gekippt, so lange, bis es drinnen brizzelte und bruzzelte und kleine Blitzchen hinaus zuckten. Ach so, interne Mitteilung für den Verlag: Habe noch mal hin und her überlegt und bin mir doch wieder unsicher. Vielleicht schreibe ich jetzt doch diesen Science-Fiction-Roman.

Tipp für heute: Eier mit Senfsauce.

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Rheinsberger Tagebuch (3)

18. Juli 2017

Die dritte Woche meiner Stadtschreibertätigkeit ist angebrochen. Die Arbeit geht zügig voran. Gestern Waldmeister im Stadtforst gepflückt, der Stadtschreiber ist dazu mehr als berechtigt, und daheim Waldmeistersekt zubereitet. Danach Pediküre und Konversation. Heute die kleinen Vögelchen im Park beobachtet. Sie sind so süß! Vielleicht schreibe ich mal eine Trilogie über kleine Vögelchen, oder gar eine Tirilogie? Hihi, bin schon wieder so lustig. Waldmeistersekt sehr gut. Morgen will ich mir mal die Sparkasse ankucken. Die sollen einen neuen Geldautomaten da haben. Ich liebe neue Geldautomaten! „Wer hat uns nie verraten? Neue Geldautomaten!“ Und jetzt noch eine Nachricht speziell für meinen Verlag: Ich habe mich entschieden die begonnenen Romanprojekte zu stoppen und stattdessen eine Bedienungsanleitung für Geldautomaten zu verfassen. Wie gesagt, diese Nachricht ist ausschließlich für meinen Verlag bestimmt.

Tipp für heute: Sein Geld mal richtig anlegen und sich einen Geldautomaten zulegen.

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Angeber

16. Juli 2017

Heute fünf Würfel übereinander auf einem platten Stäbchen, welches man im Mund halten musste, circa 10 m weit durch die Gegend bugsiert. Na bitte, wer sagt ’s denn? Irgend etwas kann jeder.

Heute: Berlin, Jägerklause, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Heiko Werning, Jakob Hein, Falko Hennig und mich, sowie den begabtesten Superstargästen des mittleren Ostens Andreas ‚Spider‘ Krenzke (L.S.D. – Liebe statt Drogen), Roman Israel (Sax Royal) und Manfred Maurenbrecher (musikalischer Herzensbrecher)

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