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Corona-Tagebuch 244

20. Februar 2021

Francoise Cactus ist tot. Sie starb bereits am Mittwoch. Erfuhr es erst gestern. Habe ihr zu Ehren gemeinsam mit Andreas Gläser ein paar Nüsschen geknabbert, Bier getrunken und ‚Stereo Total‘ gehört. ‚Für immer 16‘. Tolle Frau! Und wieder einmal bewahrte mich meine Passivität vor einer großen Dummheit. Denn Donnerstag war ich nahe daran Brezel Göring zu schreiben oder ihn anzurufen, um zu fragen, ob ‚Stereo Total‘ nicht per Livestream bei der Reformbühne auftreten möchten. Geht nun nicht mehr und wäre auch vorgestern schon nicht mehr gegangen. Bin froh, dass ich Faulpelz Abstand davon nahm, in meinen Zetteln zu wühlen, um die Telefonnummer oder E-Mailadresse Brezel Görings zu finden. Wünsche ihm alles Gute und allen anderen, die Francoise nicht nur als Künstlerin vermissen. Kollege T.C. Boyle denkt, die Corona-Pandemie verändere die Mobilität von uns Menschen dauerhaft. Er habe nicht damit gerechnet Interviews mal virtuell führen zu müssen: „Aber da wir das nun alle gelernt haben, wird niemand mit klarem Verstand jemals wieder ein Flugzeug besteigen, egal zu welchem Grund.“ Ganz schön optimistisch. Ich allerdings würde gern auch leibhaftig noch mal nach Amerika oder Australien und dies per Schiff zu bewerkstelligen? Gut, Greta Thunberg hat es ja auch geschafft. Nordrhein/Westfalen lockert. Freizeitsportler dürfen wieder Tennis spielen, Einzelunterricht in Musikschulen für Kinder bis Grundschulalter wird erlaubt, Hundeschulen können Veranstaltungen im Freien anbieten, Bau- und Gartenmärkte wieder Gemüsepflanzen und Saatgut verkaufen. Klingt witzig, ist aber ernst gemeint. Ab Montag muss in Geschäften, Verkehrsmitteln und öffentlichen Gebäuden Tschechiens eine „partikelfiltrierende Atemschutzmaske oder eine Nano-Schutzmaske“ getragen werden. Gesundheitsminister Jan Blatny empfiehlt die FFP-2-Maske oder die FFP-3-Maske oder zwei OP-Masken übereinander, das sei auch erlaubt. Flensburg meldet fast nur noch Neuinfektionen mit der B.1.1.7.-Variante. Dänemark schließt deshalb 13 Grenzübergänge nach Deutschland. In der Slowakei liegt der Anteil jener Variante mittlerweile bei 72%. Erstmals wurde die B.1.351-Variante in Polen, die B.1.1.28-Variante erstmals in Portugal nachgewiesen. Luxemburg verlängert seine Maßnahmen bis 14. März. San Marino lässt den russischen Impfstoff ‚Sputnik V‘ zu. Russland gibt mit ‚KoviVac‘ seinen dritten Impfstoff frei. Das internationale Bündnis zur Impfstoffforschung (Cepi) hat die globale Entwicklung eines Universalimpfstoffes gegen alle Coronaviren angekündigt. Cepi-Chef, Richard Hatchett, zur Zeitung ‚Die Welt‘: „Cepi beginnt in Kürze mit der Entwicklung von Pan-Coronavirus-Impfstoffen, die gegen alle Coronaviren schützen, nicht nur gegen Covid-19.“ Könnten sie doch auch gleich, wenn es so gut von der Hand geht, den Universal-Impfstoff noch gegen HIV, Krebs und Herzkreislaufkrankheiten ausrichten. Oder? Stelle ich mir das zu einfach vor? Über 1.000 Covid-19-Tote meldet Sambia, über 95.000 Italien, über 120.000 Großbritannien, über 495.000 die USA. Tansanias Präsident John Magufuli ruft seine Landsleute zu dreitägigen Gebeten gegen „Atemwegsleiden“ auf. Vielleicht habe das Volk sich versündigt, orakelte er bei einer Beerdigungsfeier für einen verstorbenen Staatssekretär. Magufuli hatte zuvor wiederholt behauptet, das Virus sei in Tansania mit Gottes Hilfe bezwungen worden.

Tipp für heute: ‚Liebe zu dritt‘.

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Corona-Tagebuch 243

19. Februar 2021

Schlechte Laune. Bin gereizt. Gucke zu viel Fernsehen. In meinem Zimmer steht ein Riesenstapel Kisten mit alten Büchern. Meinen alten Büchern. Der Verlag musste ausmisten. Jetzt lagern die Dinger hier, bei mir. Habe blickdichten Stoff drüber gehängt. Nicht mal die Rechnungen für den Transport aus den Kisten geholt. Warte auf die erste Mahnung. Die kommt. Spätestens in drei Monaten. Ich habe Zweifel. Auch an diesem Tagebuch hier. Ist die Pandemie erst vorbei, will doch sowieso niemand mehr was davon wissen. War es beim Zweiten Weltkrieg anders? Die Nazizeit wurde über zwanzig Jahre später begonnen aufzuarbeiten. Du meine Güte, jetzt vergleiche ich die Nazizeit schon mit Covid-19. Mutiere ich langsam zum Querdenker? Aber Vergleiche sind wichtig. Man muss alles miteinander vergleichen dürfen und sei es um festzustellen, dass es nicht viel miteinander zu tun hat. Der Virologe Hendrik Streeck empfiehlt: „Man sollte jetzt testweise Restaurants öffnen und diverse Hygienemaßnahmen von der Distanz zwischen den Tischen über die Lüftung bis hin zur Kontaktnachverfolgung auf den Prüfstand stellen.“ Logistik- und Einzelhandelsverbände warnen vor den Folgen der rigiden Grenzkontrollen. „Es ist in keinster Weise nachvollziehbar, warum die Bundesregierung nicht analog zur ersten Corona-Welle dem Güterverkehr freie Fahrt lässt, sondern uns in den Versorgungskollaps steuert.“, so Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Versorgungskollaps? Heilige Scheiße! Nudeln horten? Schon wieder? Katharina Witt, ehemalige Volkskammerabgeordnete der FDJ und jetzige Betreiberin eines Sportstudios in Potsdam setzt bei ‚Maybritt Illner‘ im ZDF noch einen drauf. Zur Situation ihrer Branche sagt sie: „Es geht ums nackte Überleben.“ Nicht vielleicht ein bisschen übertrieben, Frau Schönstes-Gesicht-des-Sozialismus? Laut einer Untersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sterben die meisten Menschen nicht mit sondern an Covid-19. In 84% der Fälle, oder bei 618 von 735 Untersuchten, war das Virus Todesursache, in 7% der Fälle die Verstorbenen zwar infiziert, die Todesursache jedoch eine andere. Die Zahl gemeldeter Neuinfektionen innerhalb einer Woche sank in Europa erstmals seit September 2020 wieder unter eine Million, gab die WHO bekannt, seit drei Wochen sinke auch die Zahl der Todesfälle. In Afrika dagegen steigen sowohl Infektions- wie Todeszahlen, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau. Simbabwe und Neuseeland haben begonnen zu impfen. China spendet Algerien 200.000 Impfdosen. Der Vatikan droht Impfverweigerern unter seinen Beschäftigten mit Kündigung. In Frankreich beträgt mittlerweile der Anteil der B.1.1.7.-Variante an den Neuinfektionen 36%, in Deutschland liegt dieser bei 22%. Israel verlängert die Schließung seiner Grenzen bis 6. März, Nordirland den Lockdown bis 1. April, lediglich die untersten Klassen dürfen dort zum Präsenzunterricht ab 8. März zurückkehren. Eine Online-Umfrage zur Aufhebung von Corona-Einschränkungen hat die ungarische Regierung gestartet. Und wann folgt die Online-Umfrage zur Aufhebung der Maßnahmen gegen freien Journalismus, Herr Orban? Über 300 Covid-19-Tote meldet Malta, über 3.000 die Dominikanische Republik und Paraguay. Der stellvertretende Bundestagspräsident Wolfgang Kubicki (FDP): „Die Wut wird irgendwann in Gewalttätigkeit umschlagen, befürchte ich.“ Aber tut sie das nicht immer? Gegen andere? Gegen sich selbst? Irgendwann?

Tipp für heute: Einen Sandsack im Zimmer aufhängen, der zur Tapete passt.

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Corona-Tagebuch 242

18. Februar 2021

Gestern auf dem Gehweg der Zehdenicker Straße ein buntes Bild entdeckt, welches dort hingeklebt worden war. Darauf zu sehen die Umrisse eines Menschen, der auf einer Parkbank sitzt, daneben Häuser, darüber Wolken. In krakeliger Kinderschrift mit grünem Filzer dazu geschrieben: „Helft den Obdachlosen“. Gefiel mir. Etwas kleiner stand dann noch: „Es ist zu kalt.“ Ließ die Sache gleich in einem anderen Licht erscheinen. Wächst da etwa ein Befürworter des Klimawandels heran? Am Sonntag sollen es 15°C in Berlin werden, in Köln gar 20°C. Gab es das schon mal, dass die Gewässer von einer tragenden Eisschicht bedeckt sind und die Lufttemperaturen eher zum baden gehen einladen? Laut UN-Generalsekretär Antonio Guterres haben 10 Länder bisher 75% aller verfügbaren Impfstoff-Dosen verimpft, während 130 Länder noch keine einzige Dosis erhalten hätten. Er nennt das „eine völlig unausgewogene und unfaire“ Verteilung. Ich nenne das systemimmanent, aber auch dumm, denn je ungleichmäßiger auf unserer Welt geimpft wird, desto blöder auch für jene reichen Länder, die damit am weitesten fortgeschritten sind. Der Impfschutz hält schließlich nicht ewig, aller Voraussicht nach, und nationale Grenzen existieren nur für uns Menschen, die interessiert solch ein Virus nicht. Man kann natürlich versuchen sich komplett abzuschotten, beflügelnd für die Phantasie, in der Realität jedoch lächerlich. Auch die Slowakei hat ihre Grenzkontrollen verschärft, weniger stark genutzte Übergänge wurden geschlossen, vorerst. Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babis appelliert an die EU, auf Deutschland einzuwirken: „Was an den deutschen Grenzen passiert, ist natürlich ein Verstoß gegen den Binnenmarkt und ein großes Problem für uns alle.“ In grenznahen deutschen Gegenden klagen Unternehmen darüber, dass ihnen teilweise über 30% der Arbeitskräfte fehlen. Was das für betroffene Tschechen bedeutet, kann man nur ahnen. Südafrika begann gestern mit dem Impfen des Johnson & Johnson-Vakzins, Venezuela beginnt heute mit dem Impfen von ‚Sputnik V‘. Auckland hebt den Lockdown wieder auf. Die USA nehmen die Zahlungen an die WHO wieder auf. In Großbritannien sollen zu Forschungszwecken 90 Freiwillige zwischen 18 und 30 Jahren in einer „sicheren und kontrollierten Umgebung“ mit Corona infiziert werden. Das Projekt, von dem das Wirtschaftministerium beteuert: „Die Sicherheit der Freiwilligen hat Vorrang“, werde in den kommenden Wochen starten. Medizinethiker Joerg Hasford hält die gezielte Infizierung Freiwilliger mit dem Coronavirus in moralischer Hinsicht für nicht vertretbar. Bis heute kenne man keine Gruppe, bei der es kein Risiko von tödlichen Verläufen oder beunruhigenden Spätfolgen von Covid-19 gebe. Zudem könne man es Ärzten nicht zumuten, Menschen gezielt zu infizieren, ohne die Folgen abschätzen zu können, das widerspreche auch dem Hippokratischen Eid. Ein uralter Konflikt, denke ich. Tierschützer könnten sich zu recht empören, wir legten selbige Maßstäbe bei Ratten oder Affen nicht an den Tag und die haben sich nicht freiwillig gemeldet. Schwierig. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, schlägt in der ‚Augsburger Allgemeinen‘ vor, wegen der Skepsis mancher Menschen gegenüber dem Astrazeneca-Impfstoff, denjenigen eine Nachimpfung mit einem anderen Impfstoff zu garantieren: „Immunologisch ist das kein Problem“. Eine öffentliche Impfung von Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Steinmeier fordert der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende. Solch eine Aktion könne „vertrauensbildend“ wirken, sagte der Mann, dessen Name mir entfallen ist. Kann ihm nur zustimmen. Garantiert rennen Impfgegner dann scharenweise zu den Telefonzellen, um sich einen Termin zu sichern. Ach, Quatsch, gibt ja keine Telefonzellen mehr. Wegen starken Infektionsgeschehens wird ab Sonnabend in Flensburg eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr verhängt. Frankreich verschiebt seine für März geplanten Regionalwahlen auf Mitte Juni. Über 600 Covid-19-Tote meldet Norwegen, über 1.000 Malaysia, über 4.000 Irland, über 490.000 die USA. Andrew Cuomo, Gouverneur des US-Bundesstaates New York, hat den Vergnügungsparks versprochen, dass sie im Frühling wieder öffnen dürften, das Brooklyner ‚Coney Island‘ beispielsweise am 9. April. Was für eine Weitsicht.

Tipp für heute: Bis übermorgen planen.

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Corona-Tagebuch 241

17. Februar 2021

Was mir aufgefallen ist, es sind weniger Sirenentöne der Krankenwagen zu hören. Hatte nach meinem Gefühl besonders im Dezember zugenommen, ist aber natürlich rein subjektiv, die Wahrnehmung. Kann auch sein, meine Ohren sind schlechter geworden. Noch schlechter? Habe bei der letzten Reformbühne großspurig versprochen, ich würde mich für unsere Livestream-Sonntage bemühen prominente (noch prominentere!) Musikgäste einzuladen, die ja alle Zeit haben müssten, da auch ihre Auftritte gecancelt wurden. Dachte zum Beispiel an Justin Bieber, um mal jüngeres Publikum an uns zu binden. Doch nun traue ich mich nicht zu schreiben oder anzurufen. Mein Englisch. Eine einzige Katastrophe. Helene Fischer vielleicht? Die soll ja ganz nett sein, schrieb, wenn ich mich recht erinnere, ‚Die Goldene Revue‘. Hören die jungen Leute Helene Fischer? Unsere Tochter steht gerade auf ‚The Cure‘ und die ‚Pixies‘, die muss sich erst noch aus dem elterlichen Musik-Gefängnis befreien. Nach Angaben der WHO sanken in der vergangenen Woche die Neuinfektionen weltweit um 16% im Vergleich zur Vorwoche, der Rückgang setzt sich seit der ersten Januarwoche fort. Gemeldete Corona-Sterbefälle verringerten sich global um 10%. Sind meine Ohren vielleicht doch nicht schlechter geworden? Nach Klagen von Klinikangestellten über Nebenwirkungen ist das Impfen mit dem Astrazeneca-Impfstoff an zwei Orten in Niedersachsen eingestellt worden. Im Braunschweiger Herzogin-Elisabeth-Hospital traten von 88 Beschäftigten, die letzten Donnerstag geimpft wurden, 37 wegen Impfreaktionen vorübergehend nicht zur Arbeit an. Auch am Klinikum Emden gab es Probleme. Mecklenburg/Vorpommern hat die Nutzung einer Lieferung von 7.200 Dosen dieses Impfstoffs vorsorglich ausgesetzt, da es möglicherweise zu einer Unterschreitung der Lagertemperatur beim Transport gekommen sei. Deutschlandweit wurden bisher erst 64.869 von 736.800 gelieferten Dosen des Astrazeneca-Serums verimpft und bereits morgen sollen weitere 736.800 Dosen eintreffen. Laut welt.de liegt das Präparat „offensichtlich auf Halde“. Frank Ulrich Montgomery: „Ich habe Verständnis für medizinisches Personal, das sich nicht mit dem Astrazeneca-Vakzin impfen lassen will“, der Weltärztepräsident weiter: „die geringere Wirksamkeit lässt sich nicht wegdiskutieren.“ Virologe Christian Drosten hingegen bei NDR-Info: „Die Impfstoffe, die wir haben sind extrem gut gegenüber dem, was man erwarten konnte. Es gibt immer irgendwo ein Haar in der Suppe und manche schauen da mit dem Vergrößerungsglas drauf.“ Südafrika hat Berichte, man wolle 1 Million Astrazeneca-Impfdosen zurückgeben als falsch bezeichnet, man möchte sie lediglich „mit anderen afrikanischen Staaten teilen“. Japan beginnt heute mit dem Impfen. Melbourne hebt den Lockdown wieder auf. Die norwegische Regierung beendet die meisten Beschränkungen für die Hauptstadtregion Oslo. Der Anteil der B.1.1.7.-Variante bei den Neuansteckungen liegt in Dänemark mittlerweile bei fast 50%, in den Niederlanden bei über 66%. Dort hob ein Verwaltungsgericht die nächtliche Ausgangssperre mit sofortiger Wirkung auf, was von einem Berufungsgericht am selben Tage wieder gekippt wurde. Brasiliens Basketball-Team darf wegen der dort zirkulierenden B.1.1.28-Variante nicht nach Kolumbien einreisen. Abgelöst hat die Slowakei Portugal als Land mit den meisten Corona-Todesfällen bezogen auf die Einwohnerzahl. Und dies trotz bestehenden Lockdowns. Über 900 Covid-19-Tote meldet Montenegro, über 3.000 Nord-Mazedonien, über 15.000 die Niederlande, über 80.000 Russland, über 175.000 Mexiko, über 240.000 Brasilien. Der sächsische Innenminister Roland Wöller (CDU) stellte klar, dass, wer den Mund-Nasenschutz beim Autofahren trage, nicht zusätzlich noch eine Sonnenbrille oder eine Mütze aufhaben dürfe. Autofahrer müssten erkennbar sein. Ach so? Und was ist mit durchsichtigen Mützen?

Tipp für heute: Auf der Couch Autofahren spielen.

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Corona-Tagebuch 240

16. Februar 2021

Der Winter ist vorbei. Schade. Jetzt kommt der milde Westwind und bläst den Frost hinfort. Merkwürdigerweise habe ich das Gefühl, die Infektionszahlen könnten durch die warme Brühe wieder steigen. Nur ein Gefühl, wissenschaftlich durch rein nichts belegt. Klirrender Frost, Virus keine Chance, Nieselregen und 10°C, Viren marsch! Keine Ahnung woher das Gefühl kommt. Würde als Entscheidungsträger nicht unbedingt was drauf geben. Leider, dies ergaben Recherchen, trogen mich meine Gefühle schon oft. Stöberte heute mal in alten Tagebuch-Einträgen. Nein, ich kann wirklich nicht behaupten, ich hätte es schon immer gewusst. Dafür zumindest ist so ein Tagebuch gut, es streut dem Versuch die eigene Geschichte im Nachhinein zurechtzubiegen Sand ins Getriebe. In Düsseldorf sind statt eines Rosenmontagszuges gestern acht geschmückte Mottowagen durch die Stadt gefahren, einzeln, um die Bildung von Zuschauertrauben zu verhindern. Die Deutsche Bahn stellt jetzt auch den Nahverkehr nach Tschechien und Tirol ein. Der Industrieverband (BDI) kritisiert die Grenzschließungen, Hauptgeschäftsführer Joachim Lang: „Die Gefahr ist groß, dass in den nächsten Tagen überall in Europa Lieferketten abreißen.“ Wir haben nichts zu verlieren als unsere Lieferketten, Hammer-Gag! In Hamm (Nordrhein/Westfalen) wurden heute vier Wohnhäuser von einer Hundertschaft Polizei abgeriegelt, nachdem ein Bauarbeiter positiv auf die B.1.1.7.-Variante getestet worden war. Nach dem Ausbruch dieser Variante im Vivantes-Klinikum in Berlin-Spandau ist die Anzahl der Infizierten mittlerweile auf 60, darunter 21 Mitarbeiter, angestiegen. Wegen eines Corona-Ausbruches, mindestens 170 Beschäftigte sind laut Medienberichten infiziert, wurde heute eine der größten Eiscreme-Fabriken in Osnabrück geschlossen. Dänemark verschärft seine Einreiseregelungen. Neben triftigem Einreisegrund benötigt man nun auch einen höchstens 72 Stunden alten Corona-Negativtest. Nach rasch steigenden Infektionszahlen mit ansteckenderen Varianten in Nordvietnam haben die Behörden eine 15-tägige Ausgangssperre für die Provinz Hai Duong angeordnet. Malaysische Sicherheitskräfte nahmen alleine Sonntag insgesamt 1.111 Personen wegen Verstößen gegen den dortigen Lockdown fest, ein Drittel davon, weil sie versucht hatten, die Grenzen zwischen den Bundesstaaten zu überqueren. Südafrika öffnet seine Landgrenzen zu den Nachbarstaaten wieder. In Israel dürfen viele Klassenstufen zum Präsenzunterricht zurückkehren, ab Sonntag öffnen Einkaufszentren, Museen, Bibliotheken und Märkte für Ungeimpfte, Geimpfte und Genesene dürfen darüber hinaus Fitnessstudios, Messen, Schwimmbäder, Sport- und, man höre und staune, Kulturveranstaltungen (!) besuchen. Australien lässt den Astrazeneca-Impfstoff zu, welchen jetzt auch die WHO empfiehlt. Südafrika möchte hingegen 1 Million Dosen dieses Impfstoffs dem Hersteller zurückgeben, da er nur minimalen Schutz gegen die B.1.351-Variante biete. Jordanien eröffnet das weltweit erste Impfzentrum in einem Flüchtlingslager. China spendet dem von Corona schwer gebeutelten Simbabwe 200.000 Impfstoffdosen. Taiwan spendet 200 FFP-2-Masken, 12.000 mal medizinischen Mundschutz, sowie Einmalhandschuhe und Schutzkittel für Obdachlose, in Hamburg (!). Vergangene Woche starben so viele Menschen durch Corona in Brasilien wie nie zuvor, rund 1.105 pro Tag. Über 400 Covid-19-Tote (insgesamt) meldet Sri Lanka, über 500 Estland, über 3.000 Litauen, über 4.000 der Libanon, über 6.000 die Slowakei, über 7.000 Japan, über 10.000 Ägypten, über 65.000 Spanien. Tagesschau.de ist es tatsächlich eine Meldung wert, dass Deutschland bei der Impfquote weltweit nicht, wie behauptet, auf dem letzten Platz liege. Da viele Länder noch gar nicht begonnen haben zu impfen, nicht unbedingt eine Nachricht, auf die man anstoßen sollte.

Tipp für heute: Nudeln mit Tomatensoße.

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Corona-Tagebuch 239

15. Februar 2021

Heiko Werning ist schuld. Daran, dass ich so spät aufgestanden bin, an meinen Kopfschmerzen und sicher auch an der Corona-Pandemie insgesamt. Ich bin doch nichts mehr gewohnt und er überredete mich gestern zu bleiben, nach der Reformbühne, da mir doch soziale Kontakte fehlen würden und, na ja, hat er ja recht, aber bleiben ging eben nur, wenn ich weiter Bier trinke und das war dann bereits das vierte und eindeutig eins zu viel. Obwohl man ja Gutes tut, die Brauereien müssen so viel Bier wegschütten, was würden die Kinder in.., halt, gerade noch ein Stigma vermieden. Thomas Gottschalk, bekannter Entertainer und blond, will künftig nicht mehr das Z-Wort sagen. Das Z-Wort, das N-Wort. Haben einzelne Worte die Macht Böses zu bewirken, egal in welchem Zusammenhang sie verwendet werden? Scheinbar schon. Unsere Arbeit als ‚Votzenblock‘, männliche und weibliche Votzen für eine bessere Welt, scheint gescheitert. Trotzig aber denke ich, es wird eine Zeit geben, wo man eher belustigt auf momentane Debatten über „böse“ Worte zurückblickt, ähnlich wie es uns heute mit den Maschinenstürmern des 19. Jahrhunderts geht. Nicht ob man etwas verwendet, sondern wie und für was man etwas verwendet, sollte doch wichtig sein, so denke ich. Zigeuner, Neger, Jude, schwul. Vier Worte, die verletzen können, die beleidigen können, die diskriminieren können, oder auch nicht. Auf den Zusammenhang kommt es an. Nun könnte man sagen, die Atomkraft beherrschen wir nicht wirklich, deshalb verzichten wir auf ihre Anwendung   und ganz ähnlich verhält es sich bei bestimmten Worten. Ein Argument. Nur müssten wir dann nicht darauf hinarbeiten, den Umgang damit beherrschen zu lernen? Vor den tschechischen Grenzübergängen nach Deutschland kommt es zu kilometerlangen Staus, da nur noch in Ausnahmefällen Nichtdeutsche ohne festen Wohnsitz hier, die Grenze überqueren dürfen. Lastwagenfahrer gehören zu diesen Ausnahmefällen, müssen jedoch vor Grenzübertritt sich digital anmelden und einen höchstens 48 Stunden alten Negativ-Coronatest vorlegen. Die harte deutsche Vorgehensweise wird sowohl von der EU, als auch von Tschechien, der Slowakei, Österreich und Frankreich kritisiert. In Großbritannien müssen Einreisende aus 33 Ländern von einer ‚Roten Liste‘, darunter als einziges europäisches Land Portugal, künftig ihre 14-tägige Quarantäne in von der Regierung gemieteten Hotelzimmern in Flughafennähe verbringen, welche sie selbst zu bezahlen haben. Wer nicht dort eincheckt, dem droht eine Strafe von bis zu 10.000 Pfund. 11.000 €? Für falsche Angaben auf dem verpflichtenden Einreiseformular sind bis zu 10 Jahre Haft möglich. 11 €-Jahre? Tschechien verhängt gegen den Willen des Parlaments erneut einen Corona-Notstand. Gratis-Corona-Schnelltests gibt es ab 1. März in österreichischen Apotheken, jeder Bürgerin, jedem Bürger stehen bis zu fünf davon im Monat zur Verfügung. Bis Sommerende will die EU allen ihren Einwohnern ein Impfangebot gemacht haben, so verspricht es jedenfalls EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton im französischen Fernsehen. Es sei dazu kein Impfstoff, zusätzlich zu den geplanten Mitteln, nötig. Na, abwarten. Italien zieht die Öffnung seiner Skigebiete wieder zurück. Bei zwei der drei Neuinfektionen im neuseeländischen Auckland wurde die B.1.1.7.-Variante festgestellt. Über 400 Covid-19-Tote meldet Bahrain, über 1.000 Kuwait, über 65.000 Deutschland, über 485.000 die USA. Weil sie heimlich schon vor Beginn der Impfkampagne sich impfen ließ, musste nun auch Perus Außenministerin Elisabeth Astete zurücktreten. Es sei ein „schwerer Fehler“ gewesen, teilte sie auf Twitter mit. Der abgesetzte Ex-Präsident Martin Vizcarra hingegen bezeichnete seine vorzeitige Impfung als „mutige Entscheidung“, da er freiwillig an einer Studie teilnahm. Die für die Studie zuständige Universität in Lima teilte allerdings mit, Vizcarra sei kein Teil der Studie gewesen. Autsch!

Tipp für heute: Sich gut vorher überlegen, welche Lüge auffliegen könnte.

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Corona-Tagebuch 238

14. Februar 2021

Mindestens 1 cm Reif lag heute morgen auf den Straßen und Gehwegen dieser Stadt. Gefrorener Nebel. Sehr schön. Habe mir einen sportlichen Winter-Sechskampf ausgedacht, für die Königinnen und Könige des Wintersports. Erst Skispringen, dann Eisschnelllauf, dann Alpiner-Slalom, dann Skeleton, dann Snowboard-Buckelpistenstrecke, alle Ergebnisse werden in Zeitabstände umgerechnet und zum Schluss geht es nach der Gundersen-Methode, der/die Beste startet zuerst, in die Skilanglaufloipe. Eine Herausforderung. Ich jedenfalls wäre dabei! Also, vor dem Fernseher. Der Profi-Fußball treibt es derzeit auf die Spitze. Während wegen der Mutationen überall Einreiseverbote ausgesprochen werden, tragen RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach, weil englische Klubs nicht nach Deutschland dürfen, ihre Heimspiele gegen Manchester City und den FC Liverpool einfach in Budapest aus, nehmen mit der Reise also noch ein Risiko mehr in Kauf. Die TSG Hoffenheim tritt, da deutsche Klubs nicht nach Norwegen dürfen, gegen Molde FK im spanischen Villareal an. Genau das Gegenteil also von dem, woran sich „normale“ Menschen halten sollten. Doch es geht um viel Geld, da ist, ähnlich wie bei der komplett irren Lizenzvergabe für Impfstoffe, alles erlaubt. Circa 700.000 Selbstständige haben in Großbritannien während des derzeitigen Shutdowns ihre Selbstständigkeit bereits aufgegeben, etwa jeder siebente. In Deutschland bekommen die Flughäfen von der Bundesregierung 600 Millionen € zugeschossen. Noch einmal 600 Millionen. „Osterurlaub in Deutschland kann es dieses Jahr leider nicht geben“ bemüht sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) aufkeimende Euphorie wegen aktuell weiter sinkender Infektionszahlen zu dämpfen „Zu große Mobilität etwa durch Reiseverkehr und Tourismus ist Gift. Wir würden alles zerstören, was wir seit Mitte Dezember erreicht haben.“ Kretschmer außerdem: „Gaststätten und Hotels werden in Sachsen auch über Ostern geschlossen sein müssen. Auch der Spielbetrieb in Opernhäusern und Theatern kann frühestens nach Ostern wieder aufgenommen werden.“ Bei mindestens 36 Beschäftigten des Geräteherstellers ‚Kärcher‘ in Obersontheim ist das Virus nachgewiesen worden, diese und 19 Kontaktpersonen stehen unter Quarantäne, 251 Mitarbeiter wurden in eine „betriebliche Quarantäne“, was auch immer das heißen mag, geschickt. Nach 3 (!) neuen Corona-Fällen hat die neuseeländische Regierung einen dreitägigen Lockdown für die 1,7-Millionen-Einwohner-Stadt Auckland verhängt. Irans Präsident Hassan Rouhani warnt wegen steigender Infektionszahlen im Südwesten des Landes vor einer vierten Welle. Japan hat mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff seinen ersten zugelassen, Peru mit Oscar Ugarte seinen fünften Gesundheitsminister während der Corona-Pandemie vereidigt. Italien verschärft die Einreiseregeln für Österreicher, mit Mehrfachtests und zweiwöchiger Quarantäne. Mehr als 1.000 Menschen sind trotz Verbotes gestern in Wien gegen die Corona-Maßnahmen auf die Straße gegangen. In Berlin demonstrierten etwa 300 Menschen erlaubterweise. Im thüringischen Suhl wurde mit einem Autocorso von 40 Fahrzeugen protestiert. Über 1.000 Covid-19-Tote melden die Vereinigten Arabischen Emirate. Dem Essenslieferanten ‚Delivery Hero‘ gelang es im vergangenen Jahr seinen Umsatz fast zu verdoppeln. Herzlichen Glückwunsch!

Heute: Weltweites Internetz, Facebook-Kanal der Reformbühne Heim & Welt, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt (Livestream) mit Susanne Riedel, Heiko Werning, Spider, Gott und mich, aus Gran Canaria zugeschaltet: Falko Hennig, mit seiner legendären Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne aus Steglitz zugeschaltet: Jürgen Witte, einem Text unseres Technik-Genies Frank Sorge, der Virentötungsmaschine ‚Filtrud‘, Kaulquappenballett und unserem Supergaststar Johanna Zeul (wilde Songs!) Spenden bitte per Pay Pal an reformbuehne@gmail.com oder klassisch an Heiko Werning IBAN: DE78 100 500 00 0310264790

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Corona-Tagebuch 237

13. Februar 2021

Die Amseln sitzen in den Kronen der kleinen Straßenbäume, immer in der Nähe unserer Hauswand, an welcher der wilde Wein emporrankt. Scheinen ihre Lebensmittelvorräte gefrorener Weinbeeren bewachen zu wollen. Aufgeplustert trotzen sie den Minusgraden. Im Schatten. In der schon wärmenden Februarsonne lässt es sich aber aushalten. Gestern von meinem Bruder nachträglich zum Geburtstag das Dreifach-Album ‚Rio Reiser am Piano‘ bekommen, mit dem schönsten deutschen Liebeslied ‚Sei mein Freund‘. Höre ich jetzt abwechselnd mit ‚Sleaford Mods‘, dem wundervollen Album ‚Are The Village Green Preservation Society‘ von ‚The Kinks‘, ‚Altin Gün‘, anatolisch-psychedelische Siebzigerjahre-Mucke von heute aus den Niederlanden, und ‚Turbolover‘, Oi-Metal aus Berlin. Ja, wenn ich gefragt werde, auf welche Musik ich so stehe, ist es nicht ganz einfach zu antworten. Am liebsten würde ich: „Auf Gute“ sagen. Doch damit geben sich die Fragesteller selten zufrieden. Ärger gibt es wegen der deutschen Grenzkontrollen zu Tschechien und Tirol. Berufspendler, Spediteure, die EU empören sich, dass nur Deutsche und Ausländer mit Wohnsitz hier einreisen dürfen. Ist auch wirklich absurd. Gerade im Dreiländereck an der sächsischen Grenze müssten Tschechen nur den kurzen Umweg über Polen wählen, da ist alles offen. Die Gewerkschaft der Polizei sieht die Beamten nicht gut genug vorbereitet auf strikte Grenzkontrollen. Andreas Roßkopf, Vorsitzender des GdP-Bezirks Bundespolizei in der ‚Rheinischen Post‘: „Es mangelt an Containerbüros, Toilettenwagen und großen Zelten.“ Seit heute hat auch die Deutsche Bahn den Fernverkehr nach Tschechien und Tirol eingestellt. Die Tschechische Bahn stellt gleich den gesamten grenzüberschreitenden Verkehr in die umgekehrte Richtung ein. Auch die Slowakei wird von Deutschland nun als besonders gefährliches Risikogebiet eingestuft, was für Reiseunternehmen ein Beförderungsverbot beinhaltet, ausgenommen, selbstverständlich, deutsche Staatsbürger. Ungarn beginnt ‚Sputnik-V‘ zu impfen. Die USA beginnen mit dem Impfen in Apotheken. Mexiko lockert angesichts rückläufiger Infektionszahlen, gestern 10.388 Neuinfizierte, 1.323 Covid-19-Tote, von morgen an in etwa der Hälfte der Bundesstaaten die Maßnahmen. Außenbereiche von Restaurants, Hallenbäder, Fitnessstudios und Kirchen dürfen öffnen. Schweden dagegen verlängert seine Maßnahmen, die sich allerdings nahezu auf das Ausschankverbot von Alkohol in Gaststätten nach 20 Uhr beschränken, trotz sinkender Infektionszahlen bis 28. Februar.  Ab 1. März darf in schwedischen Lokalen dann wieder bis 22 Uhr gesoffen werden. China meldet 8 Neuinfektionen, ausschließlich bei einreisenden Personen. Eine im Amazonas-Gebiet nachgewiesene neue Virus-Mutation ist nach Angaben des brasilianischen Gesundheitsministers Eduardo Pazuello dreimal ansteckender als die B.1.1.28-Variante. Die Impfstoffe würden jedoch auch bei dieser wirken. Auf welche Studien sich seine Behauptungen stützen, wollte er nicht verraten. Über 500 Covid-19-Tote verzeichnet Ghana, über 15.000 Portugal, über 50.000 Argentinien, über 480.000 die USA. Seinen ersten Termin, nach Wiedereröffnungsmöglichkeit für deutsche Frisörsalons am 1. März, lässt ein Haareschneider aus Bayreuth momentan versteigern. Gestern um 15:30 Uhr lag das Höchstgebot bei 282 €.

Tipp für heute: Lieber Schallplatten kaufen. Und Bücher, klar. Besonders von mir!

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Corona-Tagebuch 236

12. Februar 2021

Muss mir unbedingt mal wieder die Haare scheren, sieht aus wie Kraut und Rüben auf meinem Kopf. Na ja, zum Livestream am Sonntag, bis dahin ist noch viel Zeit. Manche wagen sich bereits auf leidlich zugefrorene Seen, da wäre ich noch vorsichtig. So hart wie mein Töchterlein, das vor ein paar Wochen, im Januar, baden ging, in einem See, mit einem Hauch einer Eisschicht drauf, bin ich nicht. Okay, sie tauchte nur kurz mal unter, aber immerhin. Hat sie nicht von mir. Wie die ‚Frankfurter Allgemeine Zeitung‘ berichtet, ist der Bedarf an psychotherapeutischer Beratung im Januar um 41% im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Gebhard Hentschel, Vorsitzender des Verbandes der ‚Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung‘: „Die Praxen unserer Mitglieder werden förmlich überrannt.“ Ich dagegen lasse es schleifen. Habe mich seit dem von mir abgesagten Termin nicht mehr bei meiner Meisendoktorin gemeldet. Hoffentlich denkt sie nicht, ich hätte mich umgebracht. Der Ministerpräsident von Nordrhein/Westfalen, Armin Laschet, ruft zu Spenden für notleidende Musiker, Redner, Beleuchter, Techniker und andere Leidtragende des abgesagten Karnevals auf. Wäre das nicht auch eine Alternative zu den Milliardenhilfen für diverse Fluggesellschaften oder Touristik-Unternehmen gewesen? Deine Spende für die Lufthansa! Hier, ’n Euro. In Deutschland werden Verstöße gegen die Impfreihenfolge heiß diskutiert. Bürgermeister, Polizisten, Ehefrauen von Klinik-Direktoren sollen sich vorgedrängelt haben. Lässt mich kalt. Sollen sie doch. Wenn Impfstoff übrig war, der dringend verimpft werden musste? Meine Güte. Auch Nordrhein/Westfalen, Bayern, Schleswig/Holstein und Mecklenburg/Vorpommern wollen ab 22.02. ihre Schulen öffnen, Hamburg schert aus, dort ab 1. März. Schleswig/Holstein erlaubt außerdem ab 1. März die Öffnung von Gartencentern, Zoos, Nagelstudios und Sportanlagen, drinnen und draußen, für Individualsport. Ab Sonntag will Deutschland die Grenzen zu Tschechien und dem österreichischen Bundesland Tirol verstärkt kontrollieren, da aus bereits festgelegten Mutationsgebieten derzeit nur Deutsche und Ausländer mit Wohnsitz in Deutschland einreisen dürfen. Und die können ja keine Mutationen mitbringen, oder? In den nordostbayrischen Regionen Hof, Wunsiedel und Tirschenreuth an der Grenze zu Tschechien beträgt der Anteil der B.1.1.7.-Variante an den Neuinfektionen bereits zwischen 40 und 70%, deutschlandweit ist er laut Robert-Koch-Institut bei circa 12%. Das tschechische Parlament hat die Verlängerung des Corona-Notstandes abgelehnt. Trotz hoher Infektionszahlen können jetzt wieder Geschäfte dort öffnen und die nächtliche Ausgangssperre entfällt. In Ungarn steigen die Infektionszahlen, weil, laut Ministerpräsident Viktor Orban, die britische B.1.1.7.-Variante sich ausbreitet. Polens Wintersportgebiete rüsten sich für einen Besucheransturm, nachdem Hotels und Skilifte öffneten. Allein Zakopane erwartet 20.000 Gäste. Frankreich äußert sich besorgt über das verstärkte Auftreten von Virus-Varianten in der Grenzregion zu Deutschland. In der Region Moselle, welche an das Saarland grenzt, seien in den letzten Tagen mehr als 300 Infektionen mit den südafrikanischen und brasilianischen Varianten B.1.351 und B.1.1.28 nachgewiesen worden. Gesundheitsminister Olivier Veran spricht von einer „beunruhigenden Lage“. Lettland schließt für 2 Wochen seine Grenzen. Portugal verlängert den Shutdown bis 1. März.  Slowenien öffnet ab Montag seine Schulen und Läden. Von außen betrachtet muss die EU wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen wirken. Über 200 Covid-19-Tote meldet Botswana, über 500 Mocambique, über 2.000 Libyen, über 6.000 Guatemala, über 40.000 Polen, über 170.000 Mexiko, über 235.000 Brasilien, über 475.000 die USA. Wegen des Corona-Ausbruchs in einem Flughafen-Hotel der australischen 5-Millionen-Einwohner-Metropole Melbourne, 13 Infizierte bisher,  gibt es dort erneut einen 5-tägigen Lockdown. Schulen und Geschäfte müssen schließen, Menschen dürfen ihre Wohnungen nur für „wichtige Dinge“ verlassen. Außerhalb der eigenen vier Wände herrscht Maskenpflicht. Die gerade dort stattfindenden ‚Australian Open‘ der Tennisprofis, welche sicherlich nichts mit dem plötzlichen Corona-Ausbruch zu tun haben, dürfen hingegen, wenn auch ohne Zuschauer, fortgesetzt werden. Die Regierung stufte Profisportler in die Gruppe der „notwendigen Berufe“ ein.

Tipp für heute: Augen auf, bei der Berufswahl.

 

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Corona-Tagebuch 235

11. Februar 2021

Wie erwartet wurde der Shutdown erneut verlängert, nicht bis zum 14., nur bis zum 7. März. Frisöre dürfen schon am 1. März wieder öffnen. Wie mit Schulen und Kindergärten verfahren wird, sollen die Bundesländer selbst entscheiden. Hessen, Brandenburg, Berlin und Rheinland/Pfalz kündigten umgehend an, diese ab 22.02. aufzumachen, schrittweise, mit Wechselunterricht zum Beispiel. In Niedersachsen ist das bereits der Fall, abgesehen von der Nordseeinsel Norderney, wo wegen aktuell steigender Infektionszahlen der Präsenzunterricht gerade wieder verboten wurde, zusätzlich einer nächtlichen Ausgangssperre zwischen 21 und 5 Uhr. Ansonsten bleibt alles beim Alten. Von der Kultur ist mittlerweile nicht mal mehr die Rede, wenigstens erwähnen hätten sie können, wie sehr ihnen diese „am Herzen“ liege. Denke zwar, Quark mit Soße, gehts ans Eingemachte, sind ein Bild von … mir, ein Buch von Goethe oder die Originalnoten Lady Gagas neunter Sinfonie nur des Heizwerts wegen interessant, den das Material in den Flammen ergibt, aber solche Worte „streicheln“ zumindest „die Seele“. Die britische Mikrobiologin Sharon Peacock, die das dortige Programm zur Sequenzierung (Bestimmung der Nukleotidabfolge in einem DNA-Molekül, macht was draus) von Coronavirus-Proben leitet, erklärt zur Gefährlichkeit neuer Virus-Mutationen in der BBC: „Wenn ich in die Zukunft schaue, denke ich, dass wir das (das Sequenzieren d.A.) jahrelang machen werden. Wir werden das meiner Meinung nach auch noch in zehn Jahren machen.“ Was von einigen Medien zur Horrormeldung a la ‚auch 2030 wird das alles so weiter gehen‘, aufgeblasen wird. Allerdings sagt sie auch: „Sobald wir das Virus unter Kontrolle haben oder es selbst so mutiert, dass es nicht mehr virulent ist und Krankheit hervorruft, können wir aufhören uns zu sorgen.“ „Aufhören uns zu sorgen“, genau das will ich hören. Und wann bitte wird das sein? Ein Datum wäre mir lieb. Tschechien riegelt drei Bezirke im Grenzgebiet zu Deutschland und Polen ab. Cheb, Sokolov und Trutnov. Dort liegen die Infektionszahlen drei- bis viermal so hoch wie in anderen Landesteilen. Im Bezirk Trutnov wurde ein Anteil der B.1.1.7.-Variante bei den Neuansteckungen von circa 60% ermittelt. Keiner darf aus den Bezirken hinein und hinaus. Chinesische Methoden, die bei uns ja niemand wolle, wie der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Ralph Brinkhaus heute im Bundestag verkündete, weshalb man die Zahlen von China mit Deutschland überhaupt nicht vergleichen könne. Anders denkt die Initiative ‚No Covid‘. 14 Wissenschaftler, die einen Plan vorstellten, mit grünen und roten Zonen in Europa. Eine „Grüne Zone“ wäre, wo es 14 Tage keine Neuinfektionen unbekannten Ursprungs gebe. Dort könnten Beschränkungen des Alltagslebens aufgehoben werden. Diese „Grünen Zonen“ sollten dann aber durch drastische Reisebeschränkungen von „Roten Zonen“ geschützt werden, in denen lokale Infektionen außerhalb von Quarantäne oder Isolation auftreten. Erinnert an China? An Neuseeland? An Australien? Norwegen verlängert seine Einreisebeschränkungen bis 28. Februar. Bei Einreisen in die Slowakei gilt künftig eine 14-tägige Quarantänepflicht. Zwei Fälle der B.1.1.28-Variante, verbreitet in Brasilien, wurden jetzt auch in Portugal festgestellt. Südafrika will den noch nirgendwo auf der Welt zugelassenen Impfstoff von Johnson & Johnson medizinischem Personal spritzen, um zu sehen, ob er gegen die dort verbreitete B.1.351-Variante Schutz bietet. Über 900 Covid-19-Tote verzeichnen  Sambia und Malawi, über 115.000 Großbritannien, über 470.000 die USA. Altweiberfastnacht ist heute. Na dann, Hellau und Alaaf, oder wie man sagt.

Tipp für heute: Eine schöne, rote Pappnase aufsetzen und mit einem Gläschen alkoholfreiem Sekt die französische Fernsehserie ‚In Therapie‘ genießen.

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