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Corona-Tagebuch 15

28. März 2020

Aus Mangel an Phantasie gucke ich nach meiner täglichen Schreibarbeit die Mediathek der öffentlich-rechtlichen Sender leer. Gestern hatte ich mir vorgenommen auch dem Fach ‚Komödie‘ im ZDF mal eine Chance zu geben. Komödien sollen ja, uralter Überlieferung nach, zum Lachen animieren, oder, wie es mittlerweile heißt, zum Schmunzeln anregen. Nun, wenn man es unter diesem Blickwinkel betrachtet, war die Komödie ‚Idiotentest‘ ein Schuss in den Ofen. Lachen musste ich nie, schmunzeln ebenso wenig. Allerdings brachte sie mich an den Rand des Weinens und das ist ja auch schon mal was. Drei Frauen werden hier beobachtet, wie sie, während eines Vorbereitungskurses auf einen MPU-Test, sich anfreunden und gegenseitig ihre katastrophalen Beziehungs- und Lebenssituationen gestehen. Die Eine hat jemanden tot gefahren und ist Alkoholikerin, die Andere wird sexuell betrogen und finanziell hintergangen, die Dritte leidet unter ihrem Dasein als braves Büro-Mäuschen, deren Mann das Parade-Beispiel eines arschkriechenden Spießers abgibt. Zum Schluss sind sämtliche Probleme gelöst und man fährt gemeinsam nach Frankreich. Das Dazwischen ähnelt einem Schwank. Zufälle passieren, es wird in Bars rum gesessen, in Autos rum gefahren, Schmuck und Kleider werden getragen und natürlich Frisuren, Frauen eben. Die Männer sind doof, also bis auf einen. Oder zwei. Tränen kamen mir fast, weil ich dachte, wie viele solcher Komödien es im Fernsehen bereits gibt. Seit Jahrzehnten. Und trotzdem kommen immer wieder neue hinzu. Da werden die Leute also nicht einfach gefeuert, wenn sie solche Scheiße abliefern, nein, man hält an ihnen fest. Schön. Rührend irgendwie. Um gerecht zu sein, lachen konnte ich trotzdem, über Hazel Brugger und Fabian Köster zum Beispiel, die innerhalb der immer dröger werdenden ZDF-Sendung ‚heute-show‘ ein durchaus witziges Video-Interview mit dem SPD-Politiker und Epidemologen Karl Lauterbach führten. Ja, ein SPD-Politiker beweist hier Humor. Ansonsten wenig Anlass zur Freude. Fast überall steigende Infizierten- und Todeszahlen. Und:  die Sonne scheint.

Tipp für heute: Den seidenen Faden auf welchem man balanciert zur Reinigung der Zahnzwischenräume benutzen.

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Corona-Tagebuch 14

27. März 2020

Nach gründlicher Recherche musste ich feststellen, nein, heute ist noch nicht mein letzter Tag der selbst auferlegten Quarantäne. Leider habe ich Tagebuch geschrieben und da kann man das nachlesen. Erst Sonntag begann ich mich einzuigeln. Scheiß deutsche Gründlichkeit! Die Bude stinkt. Ich kann es nicht riechen aber ich weiß es. Es ist einfach so, wenn alte Männer nicht vor die Tür gehen, da kann man lüften so viel man will. Selber stört es einen ja nicht weiter, man hat sich an den eigenen Muff gewöhnt. Man darf eben bloß niemanden mehr hinein lassen. Tue ich auch nicht. Beobachte durch `s Schlüsselloch, was draußen im Hausflur so vor sich geht. Die Nachbarin hat den Biomüll vor die Tür gestellt, so so. Werde ich wohl melden müssen. Wo kommen wir sonst hin? Adidas zahlt jetzt keine Ladenmiete mehr, für die wegen Corona-Pandemie geschlossenen Geschäfte. Dass ich das noch erleben darf. Ausgerechnet ein Großkonzern setzt sich an die Spitze der Mietrebellen-Bewegung. Mieten-Boykott! Weltweit! Hurra! Oder handelt es sich lediglich um eine besonders perfide Marketing-Strategie? In Berlin ist jetzt auch längeres Sitzen auf einer Stelle verboten, also im Park beispielsweise. Auf einer Decke darf man auch nicht mehr sitzen. Zuhause jedoch gelten diese Verbote nicht. Zuhause darf man nach wie vor auf einer Stelle sitzen so lange man will, selbst auf einer Decke. Probiere ich nachher gleich mal aus. Til Schweiger ist laut Nachrichtenportal (hihi!) web.de wütend darüber, dass Menschen ganz eng an ihm vorbei gehen, wenn er mal nicht ausweicht. Das verkündete er in einer Videobotschaft. Andere c-prominente Schwachköpfe fanden diese Videobotschaft prima. Aus Reihen der CDU dagegen heißt es, Flüchtlinge sollten jetzt als Erntehelfer eingesetzt werden. Eben! Wenn man die in überbelegten Flüchtlingsunterkünften sowieso nicht gegen das Virus schützen kann, können sie doch wenigstens was Vernünftiges tun. Deutschen Spargel stechen und danach schieben wir sie ab. Afrika scheint momentan zumindest wesentlich sicherer zu sein als Deutschland. Obwohl. Nicht ganz. Es gibt hier eine Stadt, in der offiziell noch kein einziger Infizierter bestätigt wurde. Kaufbeuren in Bayern. Ob sie da bereits begonnen haben eine Mauer zu bauen?

Tipp für heute: Mal unauffällig nach einer Buddelschippe kramen.

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Corona-Tagebuch 13

26. März 2020

Der dreizehnte Tag in selbst gewählter Isolation. Mir wächst ein Vollbart, nicht weil ich es will, ich kann mich bloß nicht überwinden den Rasierer zu benutzen. Wofür? Sieht ja ohnehin keiner. Jair Bolsonaro, der Präsident Brasiliens, sagt: „Bald ist es besiegt“ und meint damit das Corona-Virus. Währenddessen wird in New York City ein großes Zelt als provisorische Leichenhalle errichtet und in Madrid eine Eislaufbahn in eine solche umfunktioniert. Im Osten Frankreichs gibt es Gebiete, wo die oft selbst infizierten Ärzte bei älteren Corona-Patienten nur noch Sterbebegleitung machen, da die Kapazität der Beatmungsgeräte nicht ausreicht. Die öffentlich-rechtlichen Kanäle in Deutschland versuchen die grausamen Nachrichten der Pandemie möglichst auszublenden, stellen Hilfsprogramme der Bundesregierung in den Vordergrund, widmen sich den ‚Helden des Alltags‘. Vielleicht ist das ja richtig, vielleicht benötigen das Menschen, um Hoffnung zu tanken, um Zuversicht zu bekommen, mich stößt es ab. Als Statistik-Fan interessieren mich nüchterne Zahlen und da ist es schon auffällig, dass, je mehr diese steigen, desto seltener bekommt man sie in Deutschland zu sehen. Man muss interaktiv tätig werden und selbst diese Zahlen, die einem dann präsentiert werden, sind längst überholt. Gute Nachrichten gibt es glücklicherweise auch. Viele Bundesländer lassen jetzt endlich schwer kranke Patienten aus Italien und Frankreich einfliegen um sie hier in Krankenhäusern zu behandeln. Und die Sonne scheint. Und ich muss bloß noch einen Tag in völliger Isolation aushalten. Oder zwei? Was für eine Jahreszeit haben wir eigentlich?

Tipp für heute: Mal auf den Kalender gucken.

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Corona-Tagebuch 12

25. März 2020

Die erste Mahlzeit findet mittlerweile gegen 15 Uhr statt. Dann gibt es meist Nudeln. Davon habe ich noch 8.000 Packungen vorrätig. Ja, hier sind die! Zum Nachtisch esse ich lecker Klopapier mit Desinfektionsmittel. Die Kurse an den Börsen steigen wieder. Das ist immer ein gutes Zeichen. Dafür, dass sie bald wieder sinken, oder gleich bleiben, oder weiter steigen. Laut irgendwelcher Wirtschaftsverbände werden zur Zeit Bartschneider und Brotbackautomaten besonders stark nachgefragt. Ich wusste nicht mal, dass es Brotbackautomaten überhaupt gibt. Frankreich ruft Arbeitslose zur Feldarbeit, da massiv Arbeitskräfte aus ärmeren Ländern fehlen, die sonst immer die Drecksarbeit machen, zu Hungerlöhnen. Deutschland hingegen verbietet Saisonarbeitskräften in der Landwirtschaft seit heute die Einreise. Noch gestern Abend hatte ich einen Beitrag im Fernsehen gesehen, wo extra eine Chartermaschine organisiert worden war, um Billiglöhner aus Rumänien ins Land zu fliegen. Mal sehen, wann auch unsere Behörden das Heer der Leistungsempfänger in die Ernte-Schlacht werfen werden. Spazieren gehen zu dritt ist dann verboten, aber Spargel stechen? Tja. Man wird sehen. Israel verschärft seine Ausgangsbeschränkungen. Nicht mehr als 100 m darf man sich jetzt von seiner Wohnung entfernen, im Radius, außer bei Arztbesuchen und Einkäufen und wenn man zur Arbeit geht. Stelle mir gerade vor, wie beflissene Bürger mit Kreide Kreise ziehen um ihr Ausgehgebiet vernünftig zu kennzeichnen, damit man nicht aus Versehen mal zu weit spaziert. Ergäbe ein heiteres Linien-Wirrwarr auf den Straßen. In den USA hat ein Vize-Gouverneur erklärt, er würde sich gerne persönlich opfern, wenn dafür die Wirtschaft wieder angefahren würde. Nur zu Herr Dingsdabumms, tun sie sich keinen Zwang an.

Tipp für heute: Für den Kapitalismus beten.

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Corona-Tagebuch 11

24. März 2020

Kein Tag ohne neue Schreckensmeldungen. Angeblich denkt Lionel Richie über eine Wiederauflage des Schmachtfetzens ‚We are the world‘ nach, den er gemeinsam mit Michael Jackson 1985 als Antwort auf die britische Erfolgsgeschichte des Charity-Weihnachtsliedes ‚Do they know it ’s Christmas?‘ verbrach. Ja, auch dies waren die Achtziger. Es war nicht alles gut. Durfte gestern vier Autoreifen aus einem Skoda in den Keller tragen, natürlich im Dunkeln, damit mich niemand sieht. Jetzt habe ich Muskelkater. Auch das noch. 95% der Deutschen befürworten laut statistischen Erhebungen die Maßnahmen der Bundesregierung zur Eindämmung des Corona-Virus. In den Kommentaren überbieten sich die User mit Vorschlägen, was mit jenen passieren sollte, die sich an „Kontaktverbote“ nicht hielten. Anzeigen, abholen, einsperren. Die Rübe-ab-Meinungen wurden sicher von der Redaktion gelöscht. In Italien und Spanien sterben weiterhin viele Menschen, am schnellsten ausbreiten tut sich das Virus aber in den USA. Mutti hat mir Socken gestrickt. Sie sind grau und passen.

Tipp für heute: Auch mal an die ganzen Spielhöllen denken, die schließen mussten.

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Corona-Tagebuch 10

23. März 2020

Bin immer später erst arbeitsbereit. Alles verschiebt sich nach hinten. Habe schon Schmerzen vom Rumsitzen. Weiß, ich müsste Sport treiben, kann mich aber nicht motivieren. Die deutsche Bundesregierung beschloss gestern Kontaktsperren. Ein groteskes Wort. Es bedeutet natürlich etwas vollkommen anderes. Man solle nur noch alleine, oder zu zweit, oder mit der Familie ins Freie gehen. Im Prinzip handelt es sich um Ausgangsbeschränkungen. Seit gestern Abend ist die Kanzlerin in Quarantäne. Ein Arzt, den sie besuchte, wurde positiv getestet. Ich stelle mir gerade einen Sommer vor, in welchem die Menschen in ihren Wohnungen bleiben müssen. Macht mal lieber nicht nach. Verdirbt nur die Laune. Denke, dass bereits in einigen Wochen die lustigen Ideen, zum Beispiel auf Balkonen oder an Fenstern zu klatschen oder Lieder zu singen, spürbar nachlassen werden. Merkwürdig finde ich, dass man es in Deutschland immer noch nicht geschafft hat, auch nur ansatzweise ausreichend Mundschutz zu besorgen. Man sieht nicht mal Polizisten damit. In Südkorea oder China, den beiden Ländern, die bisher das Virus zumindest eindämmen konnten, sah man fast alle Menschen mit solchem Mundschutz herum laufen. Na, man muss selbstverständlich nicht alles nachmachen. Dann wäre man ja ein Nachmacher. Ich kenne jetzt auch einen ersten Menschen persönlich, der nachgewiesenermaßen infiziert wurde. Alles, alles Gute! Falls einem übrigens Internet und andere Flimmerkisten auf die Nerven gehen sollten, spielt mal wieder Solo-Halma. Habt ihr nicht? Kann man basteln. Kennt ihr nicht? Guckt hier.

Tipp für heute: Mit sich selbst spielen.

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Corona-Tagebuch 9

22. März 2020

US-Präsident Trump hat, Verlautbarungen der koreanischen demokratischen Volksrepublik (KDVR) zufolge, Nordkorea, nach deren gestrigen Raketen-Kurzstreckentests, Hilfe angeboten bei der Bekämpfung der Corona-Epidemie, dabei gibt es dort offiziell noch keinen einzigen Corona-Infizierten. Das schwer gebeutelte Italien erhält dagegen Unterstützung aus China und Russland, Kuba entsendet Ärzte nach Tschechien. Über die Hilfe innerhalb der EU treffen nur wenige Nachrichten ein. Baden-Württemberg nimmt Corona-Patienten aus Frankreich auf, sonst hört man weiter, dass Deutschland so viel besser aufgestellt sei, wie die derzeit am schwersten betroffenen europäischen Länder. Ätsche bätsche! Mein Schnupfen ist fast weg, immer noch leichter Hustenreiz. Heute früh fiel mir eine Strophenmelodie ein, für den neuen Superhit ‚Ich bekomme kalte Füße‘. Falls es mal wieder die Möglichkeit geben sollte live aufzutreten vor Publikum.., na, Vorfreude ist die schönste Freude. Gestern wurde ich mit frischem Bärlauch beschenkt. Ja, die Natur macht draußen einfach weiter, wundert sich wahrscheinlich, was mit diesen Volltrotteln von Menschen gerade los ist. Manchmal guckt in der Küche eine Ringeltaube zum Fenster hinein, als wollte sie sagen: „Na? Probleme?“ Wenn man aber winkt, fliegt sie weg. Den Bärlauch habe ich zu Bärlauchbutter verarbeitet. Butter, Salz, klein gehackter frischer Bärlauch, schön vermengen, fertig. Kann man sich anschließend in die Haare schmieren und davon geht dann Corona weg. Ich esse sie allerdings lieber auf Stulle. Zum Schluss noch zwei schöne Sätze von meinem Lieblingspsychiater, dem Kollegen Dr. Jakob Hein, welche er in einem Interview mit dem ‚Tagesspiegel‘ zum Thema Pubertät und Corona äußerte: „Liebende kann man nicht voneinander trennen. Das Gute am Verliebtsein ist ja, dass Liebende ohnehin auf soziale Distanz zum Rest der Welt gehen.“ Hach.

Heute: Weltweites Internetz, Facebook-Kanal der Reformbühne, 20 Uhr: Quarantänebühne Heim & Welt mit Heiko Werning, Dr. Jakob Hein, Falko Hennig und dem Gast Frank Sorge (vielleicht gibt es ja sogar noch einen Überraschungsgast?) live aus dem Echsenstudio Wedding

Wer die auftretenden Künstler übrigens unterstützen möchte, kann gerne spenden per PayPal an reformbuehne@gmail.com oder per Überweisung an Heiko Werning IBAN: DE78100500000310264790 (ein Dankeschön im Voraus!)

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Corona-Tagebuch 8

21. März 2020

Allgemein beginnt man sich auf Jugendliche einzuschießen, die „unverantwortlicherweise“ in Parks Corona-Partys feiern. Die seien schuld daran, wenn es hier bald ebenfalls zu Ausgangssperren komme. Die Kriegsrhetorik nimmt zu. Es braucht Schuldige, die man brandmarken kann. Weiterhin geht die Kurve der getesteten Infizierten steil nach oben, nicht nur in Deutschland, auch in Spanien und Italien, wo schon seit Längerem Ausgangssperren herrschen. Dort sollen nun Menschen verantwortlich sein, die heimlich das Haus verlassen. Hanebüchen, aber ohne Schuldzuweisungen geht es scheinbar nicht. Ist es denn nicht wenigstens vorstellbar, dass durch eine wirkliche Ausgangssperre das Immunsystem schwächer und dadurch angreifbarer wird, für zumindest schwerere Verläufe? Kaum noch frische Luft und Bewegung, schlechtere Ernährung, ökonomische Sorgen, Angst, depressive Zustände? Wieder eine Theorie, die meinem, nach 8 Tagen Isolation, ramponierten Köpfchen entfleucht und ich kann nichts dagegen tun außer sie aufzuschreiben. Nach wie vor Schnupfen und Husten. Wird nicht besser. Aber auch nicht schlechter, immerhin. Wie läuft eigentlich der Sex in Corona-Zeiten? Nur noch mit sich selbst? Innerhalb der Familie? Frisch verlieben ist riskant jetzt und das ausgerechnet im Frühling. Wären 2 Meter dicke Gummis, welche gefühlsecht sind, die Lösung? Dann könnte man diesen beschworenen Mindestabstand einhalten. Handelt sich um eine echte Herausforderung, klar, für die Kondom-Industrie.

Tipp für heute: Nach frischem Bärlauch Ausschau halten.

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Corona-Tagebuch 7

20. März 2020

In mehreren EU-Staaten, unter anderem Niederlande, Bulgarien, Deutschland, Österreich, Großbritannien (sic!) und Rumänien haben laut tagesschau.de Radiosender heute morgen um 8:45 Uhr den Song ‚You `ll never walk alone‘ gespielt, um medizinisches Personal und Hilfsdienste zu ehren. Ob ‚You `ll never walk alone‘ eine gute Titelwahl ist, in Zeiten, in welchen zu sozialer Distanz aufgerufen, einer allgemeinen Ausgangssperre das Wort geredet wird? Ansichtssache. Kurz vor halb 12 bin ich heute erst erwacht, ist mir schon lange nicht mehr passiert. Hatte geträumt, ich würde einem türkischen Imbissmeister dabei zuschauen, wie er in seinem Lieferwagen Grillspezialitäten zubereitet. Eine davon bot er mir an: „Probier mal“. Es schmeckte sehr zart, fast wie Gemüse. Auf mein Nachfragen, was es denn sei, antwortete er: „Man nennt es ‚Das Lächeln der Frösche‘. Das sind hundert zusammen gepresste Froschbäckchen.“ Ganz schön gemein, aber gut, jedenfalls im Traum. Österreich untersagt künftig die Gruppenbildung von mehr als 5 Personen. Dortmund untersagte kurz darauf die Gruppenbildung von mehr als 4 Personen. Dies konnte Leverkusen natürlich nicht auf sich sitzen lassen und untersagte ab sofort Versammlungen von 2 oder mehr Menschen. 2 oder mehr? Was soll das denn heißen? Eine Versammlung von einer Person ist nach wie vor erlaubt? Bleibt nicht mehr viel Spielraum nach unten, oder? Hessen ist auch lustig. Dort dürfen ab Sonnabend die Restaurants nur noch bis 12 Uhr mittags öffnen. Wer denkt sich denn so was aus? Will man die Gastronomie verhöhnen? SPD-Juso-Chef Kevin Kühnert ändert seinen Twitteraccount-Namen in ‚Kevin allein zuhaus Kühnert‘ um Menschen zu bewegen, die angeordneten Sicherheitsmaßnahmen zu befolgen und daheim zu bleiben. Gute Idee. Viele Prominente geben sich jetzt staatstragend, erkennen ihre Verantwortung. Dieter Nuhr erklärte im Fernsehen, selbst er hätte die Pandemie unterschätzt, ja, auch er hätte sich geirrt, um gleich darauf munter weiter zu plappern, zumindest würden auch die Linken jetzt kein Gehör mehr finden, für die der Kapitalismus an allem schuld sei und die Grünen hätten ein Problem, weil sie nicht mehr auf die Pharmaindustrie schimpfen könnten und die politisch Korrekten bekämen endlich Sendepause, weil.., jetzt nämlich müsse gehandelt werden. Genau, Herr Nuhr! Und zwar als einig Volk, oder? So wie es die Kanzlerin in ihrer Ansprache beschwor. Die größte Bewährungsprobe unseres Volkes seit dem Zweiten Weltkrieg. Wo wir ja letztmals so richtig gut zusammen standen. Okay, gewonnen haben wir damals zwar nicht, aber aus eigener Kraft uns selbst am Schopfe aus dem Sumpf gezogen, oder so ähnlich. Immer noch Schnupfen und Husten. Sonst geht es mir gut. Zumindest entspricht das meiner eigenen Wahrnehmung.

Tipp für heute: Sich dringend eine Zweit-Meinung einholen.

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Corona-Tagebuch 6

19. März 2020

Das Bettzeug ist vollkommen verschlissen. Risse sowohl im Decken- als auch im Kopfkissenbezug. Sollte ich wieder vollständig genesen, werde ich diese Bettwäsche nicht mehr waschen brauchen, die kommt gleich in die Tonne. Gestern Abend nahm der Husten plötzlich zu. Parallel sah ich die Sendung ‚Maischberger‘, in welcher ein Virologe (in früheren Post’s schrieb ich Dummerchen Viruloge) äußerte, der schlimme Verlauf könne auch nach 6 oder 7 Tagen erst einsetzen. Da spürte ich doch ein wenig Herzklopfen. Ist ja auch gut so. Ohne Herzklopfen wäre man ja tot. Mittlerweile gibt es zwischen 12 und 13.000 bestätigte Infizierte in Deutschland. Die Schätzungen gehen allerdings vom 7 bis 10-fachen aus. Warum man nicht einfach mal eine Kleinstadt, beispielsweise in Nordrhein-Westfalen, komplett testen lässt? Würde sicher ein wenig dauern, aber man hätte verlässliche Daten, über die Durchseuchung. Sollte sich dann heraus stellen, dass es innerhalb der Bevölkerung wesentlich verbreiteter ist als angenommen, wäre das doch positiv. Viele Infizierte bedeuteten in ein paar Wochen viele Immune. Die Wissenschaftler lernen jetzt mal die Situation kennen, in denen sich ein Trainer der Fußball-Nationalmannschaft ständig befindet. Plötzlich werden alle zu Experten und haben kluge Ratschläge parat. Ich komme gleich mit noch einem um die Ecke. Endlich mal in großem Umfange den Italienern und Spaniern helfen. Deutschland betont ständig, wie gut es gegenüber diesen Ländern medizinisch aufgestellt sei. Was aber ist das für eine EU, die in solch einer fundamentalen Krise nichts anderes fertig bringt als die Grenzen zu schließen?

Tipp für heute: Azzurro tragen und singen.

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