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Corona-Tagebuch 251

27. Februar 2021

Aus Thüringen die ersten Bilder frischen Bärlauchs erhalten. Matthias Klaaß schickte sie mir aus Eisenach. Muss sofort nach Blankenfelde. Wunderlauch heißt es ja hier, in Berlin. Hilft unbedingt gegen Corona, würde Tansanias Präsident sicher behaupten. Mir schmeckt er einfach. Ist ja auch schon mal was. Die Gründer des Biontech-Unternehmens Özlem Türeci und Ugur Sahin bekommen das Bundesverdienstkreuz verliehen. Gleichzeitig steht der Pharma-Konzern Pfizer, mit dem zusammen Biontech einen Impfstoff produziert, unter Beschuss. Der US-Pharma-Riese soll Druck auf lateinamerikanische Länder, unter anderem Argentinien und Brasilien, ausgeübt haben, denen der Impfstoff zu teuer war. Er habe gedroht, viele Menschen würden sterben und die Staaten aufgefordert, Vermögenswerte, darunter die Reserven der Nationalbank, Botschaftsgebäude und Militärbasen, zur Deckung der Kosten als Vermögenswerte zu hinterlegen, gab das Londoner ‚Bureau of Investigative Journalism‘ (TBIJ) bekannt. Über ähnliche Praktiken Pfizers in Peru hatte auch die ARD berichtet. Enteignen, würde ich sagen, sofort enteignen. Wie bei vielen anderen Dingen, Wohnung, Elektrizität, Trinkwasser, Schulen, öffentlicher Nah- und Fernverkehr, Grundnahrungsmittel, halte ich den medizinischen Bereich für etwas, das in staatliche Hände gehört, nicht der Profitmaximierung unterworfen sein sollte. Eine Minderheitenmeinung in einer Zeit, in der darüber nachgedacht wird, Gefängnisse zu privatisieren. Steigende Zahlen von Neuinfektionen meldet Belgien. Der Anteil der B.1.1.7.-Variante liegt dort mittlerweile bei 53%, in Österreich bei 50%. Die Slowakei verlängert den Notstand bis 19. März. Ab Montag dürfen Menschen in Tschechien ihren Bezirk, vergleichbar einem Landkreis, nur noch in Ausnahmefällen verlassen. Ministerpräsident Andrej Babis: „Wenn wir das nicht tun, sieht die ganze Welt ein zweites Bergamo in Tschechien.“ Neben der Polizei sollen 5.000 Soldaten dies kontrollieren. Die größte katholische Kirche Budapests, die St.-Stephans-Basilika, schließt nach dem Tod ihres Pfarrers, Weihbischof György Snell, an einer Corona-Infektion verstorben, vorerst ihre Pforten. Auch die Kaplane seien infiziert, so der Primas der katholischen Kirche Ungarns, Kardinal Peter Erdö. Heraklion, Teile Peleponnes und die Inseln Samos und Syros gehen in den Lockdown, in Athen wird er um zwei Wochen verlängert. Im 24-stündigen strengen Lockdown befindet sich die brasilianische Hauptstadt Brasilia. Malta gilt der Bundesregierung ab sofort als Corona-Hochrisikogebiet. Nach Berechnungen des Saarbrücker Pharmazie-Professors Thorsten Lehr, komme es in Deutschland in der ersten Aprilhälfte zu einer dritten Welle, die ähnlich stark sein werde, wie die zweite, mit Sieben-Tage-Inzidenzen um 200, so der Experte für Corona-Prognosen. Liest man gerne. Oberste Priorität bei der Lockerung der Maßnahmen, sollte, laut Meinung der Deutschen (ZDF-Politbarometer), die Öffnung der Geschäfte haben (40%), 26% sind für die Öffnung aller Schulen, 22% favorisieren Erleichterungen bei den Kontaktbeschränkungen, 20% wünschen sich mehr Sport, Kultur und Freizeitmöglichkeiten, dahinter nur die Gastronomie (15%).  Das so genannte Volk der Dichter und Denker. Über 600 Covid-19-Tote meldet Uruguay, über 7.000 die Slowakei, über 20.000 Tschechien, über 510.000 die USA. Kanada lässt den Astrazeneca-Impfstoff zu. Nach Ghana hat die Elfenbeinküste als zweites Land Impfdosen von der internationalen Covax-Initiative erhalten. Deutschlands Finanzminister Olaf Scholz (SPD): „Wir stehen an der Seite der ärmsten Länder.“ Um sie auszulachen?

Tipp für heute: Verarschen kannick mir alleene!

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Corona-Tagebuch 250

26. Februar 2021

Das T-Shirt-Wetter ist zunächst Geschichte. Habe es noch mal genutzt, war spazieren gewesen mit Freund und Kollegen Uli Hannemann, dem Liebling der Massen. Wir tauschten uns über die Zukunft der Lesebühnen aus, auf dem Friedhof. Ein Omen? Bin momentan, was meine eigene (hihi, eigene) Lesebühne betrifft, ganz optimistisch, es macht mir Spaß wie lange nicht. Denke aber, dass sich die Kulturlandschaft allgemein schon ziemlich verändern wird. Im Volkspark Friedrichshain Himmel und Menschen. 20°C, kein Wunder, und auf dem Parkteich noch immer Eis, welches am Rand bereits gebrochen. Dort zu sehen ein Schild, das vor dem Betreten der Eisfläche warnt, hinab gesunken, auf den Grund des Sees. Flensburg hat die Ausgangssperre wegen der Mutationen beendet, weil die Infektionswerte stagnieren. Im nordrhein/westfälischen Düren wurden nach Auftreten der B.1.1.7.-Variante in einer Moschee (acht Fälle) sämtliche fünf Moscheen der Stadt geschlossen. Der deutsche Handelsverband fordert von der Regierung die Öffnung der Geschäfte ab 8. März. Der deutsche Städtetag fordert von der Regierung 2,5 Milliarden Euro für die Rettung der Innenstädte. Laut ZDF-Politbarometer befürworten 56% der Deutschen Lockerungen der Pandemiemaßnahmen, 41% lehnen dies ab. Allerdings taten in der gleichen Umfrage 55% kund, sie fänden die geltenden Corona-Regeln gerade richtig, während sie 23% für übertrieben hielten und 18% strengere Maßnahmen verlangten. Kommt eben auf die Formulierung der Frage an. „Wollen Sie Lockerungen der Maßnahmen?“ Müssten theoretisch doch 100% mit „Ja“ antworten. Obwohl, halt, gibt auch Masochisten. Ab Mai soll man hierzulande in Arztpraxen geimpft werden dürfen. Bahrain lässt als erstes Land der Welt den Impfstoff von Johnson & Johnson zu, der nur einmal verimpft werden muss. China lässt zwei weitere einheimische Impfstoffe zu, insgesamt jetzt vier. Südkorea startet das Impfen mit dem Astrazeneca-Impfstoff, Syrien nächste Woche, mit dem Impfstoff eines „befreundeten Landes“. Zypern öffnet zwischen dem 1. und 8. März alle weiterführenden Schulen, auch Schwimmbäder und Turnhallen. Falls die Infektionszahlen weiter sinken kann auch die Gastronomie ab 16. März aufmachen, alles andere ist bereits seit Februar offen. Estland verbietet dagegen erneut sämtliche Veranstaltungen in Innenräumen, der Schulbetrieb ab Klasse 4 wird auf Fernbetrieb umgestellt. Ungarn verlängert seinen Shutdown bis 15. März. Tschechien verbietet Reisen nach Brasilien und in Teile Afrikas. Laut Statistikwebseite ‚Our world‘ weist das Land weltweit die höchste Infektionsrate pro Kopf auf, also Tschechien, nicht Brasilien oder „Teile Afrikas“. In Finnland müssen ab 8. März Bars und Restaurants wegen steigender Infektionszahlen für 3 Wochen schließen. Steigende Infektionszahlen meldet auch die Ukraine. „Ich meine, es ist ein bisschen wie die Pest, nicht wahr?“, vermutet die 94-jährige Elisabeth die II., Königin von England, „Weil wir nicht nur hier das Virus haben, sondern es überall ist, ist es ein seltsamer Kampf, den wirklich alle führen.“ Gut beobachtet, obwohl einige Querdenker sicher widersprechen würden. Über 2.000 Covid-19-Tote melden die palästinensischen Gebiete, über 250.000 Brasilien, über 2,5 Millionen sind es weltweit. Weil sich eine Verkäuferin einer Bäckerei in Höchstädt/Fichtelgebirge weigerte einem Mann, der seinen Mund-Nasenschutz nicht aufsetzte, Kuchen zu verkaufen, schlug jener die Glasvitrine ein, nahm sich Kuchen heraus und verspeiste ihn vor den Augen des Personals. Hunger?

Tipp für heute: Hauptsache es schmeckt.

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Corona-Tagebuch 249

25. Februar 2021

Meine Bilanz gestern: sieben erschlagene Lebensmittelmotten und ein neuer Text. Werde ich langsam wahnsinnig? Ha, ha, langsam ist gut! Beim gemeinsamen Gucken der recht amüsanten japanischen Anime-Serie ‚Gintama‘ mit meiner Tochter auf Netflix (böse, böse, nicht nachmachen!) entdeckt, dass es auch eine US-amerikanische Serie namens ‚House of Cards‘ zu geben scheint. Ein Remake? Die gestrigen Tagebuch-Anmerkungen bezogen sich auf das britische Original. Mehr als 100 Europaabgeordnete sowie unabhängig davon die Hilfsorganisation ‚Ärzte ohne Grenzen‘ haben EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen und Bundeskanzlerin Angela Merkel aufgefordert, endlich ihren Widerstand gegen die Aussetzung geistiger Eigentumsrechte bei der Welthandelsorganisation (WTO) aufzugeben und einer Aufhebung des Patentschutzes für die Zeit der Pandemie bei Corona-Impfstoffen und -Medikamenten zuzustimmen, damit Entwicklungsländer und Länder mit mittlerem Einkommen, besseren Zugang zu erschwinglichen Arzneien, einschließlich Impfstoffen, kriegen. Das Gegenargument lautet, die Firmen hätten ohne ihre Profite nie so schnell so gute Impfstoffe hergestellt und täten dies bei einer eventuell nächsten Pandemie dann auch nicht wieder. Mag sein, ist für mich aber eine moralische Bankrotterklärung. Wenn es gilt Leben zu retten, sollte alles andere hinten angestellt werden. Und das sage ich, der ich gestern sieben Motten erschlug. Unglaubwürdig? Die Ukraine hat mit dem Impfen des Astrazeneca-Impfstoffs aus Indien begonnen. In den abtrünnigen Gebieten laufen die Impfungen bereits seit vier Wochen mit dem russischen Impfstoff ‚Sputnik V‘. Impfmittel aus Russland sind in der Ukraine wegen der Annexion der Krim verboten. Ursprünglich sollte der Impfstoff von Biontech/Pfizer eingesetzt werden. Der jedoch wurde nicht geliefert. Ab Montag dürfen in Dänemark die Geschäfte wieder öffnen, auch Kultureinichtungen können unter freiem Himmel Besucher, die maximal 72 Stunden alte Negativbescheide vorweisen müssen, unterhalten. In der Schweiz öffnen am 1. März ebenfalls die Geschäfte, außerdem Museen, Lesesäle von Bibliotheken, Zoos, Tennis- und Fußballplätze sowie Erlebnisparks. Im Freien dürfen künftig bis zu 15 Personen zusammen kommen. Die Gastronomie bleibt weiter geschlossen. Israel will ab 5. April komplett alles wieder hochfahren, dann sollen bereits 70% der Bevölkerung dort geimpft sein. Schweden dagegen „verschärft“ die Maßnahmen. Cafes, Bars und Restaurants müssen ab Montag um 20:30 Uhr schließen. Außerdem wird das Maskentragen in öffentlichen Verkehrsmitteln zu Stoßzeiten empfohlen. Steigende Infektionszahlen meldet Frankreich, gestern 31.518 Neuinfektionen, so viele wie seit November nicht mehr. Der Anteil der B.1.1.7.-Variante ist in Berlin vergangene Woche bei den Neuinfektionen auf 25% gestiegen. Eine weitere ansteckendere Variante wurde in Kalifornien entdeckt. Sie hört auf den schönen Namen „B.1.427/B.1.429“. 30 Menschen, die sich auf dem Dach des Leipziger Hauptbahnhofes sonnten, wurden vorgestern Nachmittag von der Bundespolizei aufgefordert jenes zu verlassen. Zudem erhielten sie Anzeigen wegen Verstößen gegen die Coronaschutzverordnung. Über 10.000 Covid-19-Tote meldet Bulgarien, über 505.000 die USA. Die italienische Mafia hat, einem Bericht der Anti-Mafia-Behörde (DIA) zufolge, die Corona-Pandemie verstärkt für ihre Zwecke ausgenutzt. Sie habe im vergangenen Jahr Einzelpersonen, Familien und Unternehmen mit Geld unterstützt, die in finanzielle Not geraten waren. Voll gemein!

Tipp für heute: Nimm nichts von Fremden.

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Corona-Tagebuch 248

24. Februar 2021

Nächsten Montag dürfen in Brandenburg die Getränkemärkte wieder eröffnen, in Sachsen/Anhalt auch Gartenmärkte, Blumenläden, Baumärkte, Sport-, Fahr- und Flugschulen. Rheinland/Pfalz erlaubt ab 1. März das Einkaufen in Textilgeschäften mit Terminvereinbarung. Bräuchte mal wieder `ne neue Hose. Keine ohne Löcher im Schrank. Stattdessen eine schöne, neue Spam-Mail erhalten. „Ahne, Wir haben eine Unterdrückung für Sie“. Na, endlich. Da ist sie. Eine Unterdrückung. Gestern die zweite Staffel ‚House of Cards‘ geguckt. Mischung aus ‚Dallas‘ und ‚Willi Schwabes Rumpelkammer‘. Als Zuschauer fragt man sich, warum die Guten, oder sagen wir lieber die Gegenspieler des ganz Bösen, alle so entsetzlich dumm, oder sagen wir lieber naiv, sind. Leidlich unterhaltsam. Beschäftigte aus Kultureinrichtungen sind in mehreren Städten Italiens auf die Straße gegangen, um Öffnungen unter anderem von Kinos und Theatern zu fordern und dagegen zu protestieren, dass die von der Regierung zugesagten Hilfen bei vielen Kulturschaffenden nicht ankämen. Das dänische Parlament stimmte einem Epidemiegesetz zu, welches neue, weitreichende Beschränkungen zur Eindämmung von Infektionskrankheiten ermöglicht. Deutschland verlängert seine Grenzkontrollen zu Tschechien und Tirol bis 3. März. Marokko stellt aus Sorge vor der Ausbreitung der Corona-Varianten den Flugverkehr mit Deutschland ein. Menschen, unabhängig von der Staatsbürgerschaft, die sich zuvor in Deutschland aufgehalten haben, dürfen nicht mehr nach Marokko einreisen. Dasselbe gilt für Österreich, die Schweiz, die Niederlande und die Türkei. Der Anteil der B.1.1.7.-Variante liegt in Deutschland mittlerweile bei annähernd 30%, laut Michael Müller, Vorsitzender des Verbands Akkreditierte Labore in der Medizin (ALM). In München beträgt er 40%. In Irland 90%. Irlands Premierminister Michael Martin will die höchste Stufe der Corona-Maßnahmen trotz sinkender Fallzahlen bis 5. April beibehalten. Die Balearen melden nur noch 52 Neuinfektionen pro Tag, weniger als Berlin (55), Bayern (58), Hamburg (66) oder der deutsche Spitzenreiter Thüringen (120). Ab 15. März dürfen sich in Schottland wieder vier Menschen aus zwei Haushalten im Freien treffen. Mehr als 400.000 Israeli haben sich seit Sonntag einen so genannten ‚Grünen Pass‘, einen Corona-Ausweis aus dem Internet, herunter geladen, der belegt, dass sie entweder geimpft oder von der Krankheit genesen sind. Zudem besitzen über 500.000 eine ‚Ramzor‘ genannte App, über die der Pass nachgewiesen werden kann. Mit ihm kann man wieder Theater, Fitnessstudios oder zum Beispiel Sportereignisse besuchen und in Hotels übernachten. Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die ersten drei Sonderzulassungen für Corona-Tests zur Eigenanwendung durch Laien erteilt. Senegal startet das Impfen mit dem chinesischen Vakzin von Sinopharm. Als Geste der Solidarität will das Land 10% seiner 200.000 Impfdosen mit den Nachbarländern Gambia und Guinea-Bissao teilen. Über 400 Covid-19-Tote verzeichnet Jamaika, über 500 Angola, über 600 Mocambique, über 20.000 Rumänien, über 35.000 Indonesien, über 85.000 Frankreich. Berlins Schulleiter protestieren gegen Pläne allen Berliner Schülerinnen und Schülern das freiwillige Wiederholen des Schuljahres zu ermöglichen. Das könne zu einer „schulorganisatorischen Katastrophe“ führen, warnten 5 Schulleiterverbände in einer gemeinsamen Erklärung. Ich frage mich ja ehrlich gesagt, warum es 5 Schulleiterverbände gibt? Also, mindestens.

Tipp für heute: Weniger ist manchmal mehr.

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Corona-Tagebuch 247

23. Februar 2021

Am Wochenende gab es nicht nur eine tolle Reformbühne mit der grandiosen Krazy als Musikgast, von der wir, ich habe mein Vetrauen in den menschlichen Geschmack noch längst nicht begraben, sicher in Zukunft viel hören und lesen werden, sondern es war ja auch warm und sonnig und da gingen wir spazieren durch den Prenzlauer Berg und trafen Freunde, die wir lange nicht gesehen hatten und diese nun kamen mit ausgebreiteten Armen auf uns zu, wollten uns drücken, herzen, umarmen. Ich bin ehrlich, ich machte zwei Schritte zurück und gebot mit den Händen Abstand. Gelte nun garantiert als Spießer. Oder als Angsthase. Letzteres wäre mir lieber. Dabei habe ich eigentlich gar keine Angst, jedenfalls nicht davor mich zu infizieren. Davor die Infektion weiter zu geben allerdings schon. Meine Mutter hat ihren ersten Impftermin Anfang März, ich finde, ein wenig können wir noch durchhalten. Oder, sagen wir besser, ich, ich kann noch ein wenig durchhalten. Die Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) schreibt übrigens in einem Positionspapier: „Im Freien finden so gut wie keine Infektionen durch Aerosolpartikel statt.“ Gilt wahrscheinlich nicht, sollte man Mund-zu-Mund-Beatmung ausüben. Immer wieder stelle ich mir vor, was wohl in der ‚Lindenstraße‘ los wäre, hätten mut- und kraftlose Verantwortliche der ARD diese Serie, die das Leben in der BRD wie keine andere wiederspiegelte, nicht geopfert um genügend Geld für andere „Events“ zu haben. Wer wäre der Querdenker gewesen, die Querdenkerin? Iffi? Ab kommender Woche dürfen in New York die Kinos wieder öffnen. Laut Premierminister Boris Johnson will England bis 21. Juni sämtliche Beschränkungen beenden. Sein „Chefmediziner“, Chris Witty, denkt etwas weiter. Er glaubt, das Virus werde das Land noch „einige Winter“ beschäftigen. Zwar würden Impfungen die Zahl der Neuinfektionen und Toten senken, man werde sie dadurch aber nicht komplett abschütteln können. Afghanistan und der Gaza-Streifen haben mit dem Impfen begonnen. Auch in Spanien sinken die Infektionszahlen jetzt deutlich. Italien verlängert das Reiseverbot zwischen den Regionen bis 27. März. Venezuela kehrt nach Lockerungen über die Karnevalszeit zu seiner Wechselstrategie zurück, die Präsident Nicolas Maduro „die beste Methode“ nennt. Eine Woche Shutdown, nur Apotheken, Lebensmittelläden und „essenzielle Geschäfte“ dürfen öffnen, dann eine freiere Woche, wo zahlreiche Betriebe und Geschäfte, Restaurants und Cafes aufhaben, dann wieder Shutdown undsoweiter. Was seine beratenden Virologinnen und Virologen wohl dazu sagen? Hört er auf die? Hat er welche? Staffeln sollen an den kommenden beiden Wochenenden in der südfranzösischen Region um Nizza Lebensmittelgeschäfte ihre Öffnungszeiten. Das tschechische Verfassungsgericht hat die Geschäftsschließungen vom 28.01. bis 14.02. rückblickend für nichtig erklärt, da die Maßnahmen ebenso wie die lange Liste von Ausnahmen unzureichend begründet wurden. Und nun? Verklagen will der niederländische Gastronomieverband wegen dortiger Maßnahmen, seit Mitte Oktober sind die Gaststätten geschlossen, die Regierung. Er fordert eine Öffnung „so schnell wie möglich“. Brauereien aus ganz Deutschland haben in einem Offenen Brief Bund und Länder um schnelle finanzielle Unterstützung gebeten. Nicht nur zahllose Arbeitsplätze stünden auf dem Spiel sondern auch „ein unwiederbringlicher Teil unseres gesellschaftlichen Lebens und unserer vielfältigen Kultur“. Bis auf wenige Ausnahmen seien die 1.500 deutschen Brauereien bei den staatlichen Hilfsmaßnahmen bisher leer ausgegangen. Über 300 Covid-19-Tote melden Kuba und Botswana, über 1.000 Syrien, über 4.000 Honduras, über 5.000 Bosnien/Herzegowina, über 500.000 die USA. Ihr Präsident, Joe Biden, verkündete bei einer Ansprache in Gedenken an die vielen Opfer: „Dieses Land wird wieder lachen. Dieses Land wird wieder sonnige Tage haben. Dieses Land wird wieder Freude erfahren.“ Pathos, nicht so meins.

Tipp für heute: Schmalz gehört auf die Stulle.

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Corona-Tagebuch 246

22. Februar 2021

Heute öffnen die Schulen. In 10 Bundesländern zumindest, in zwei anderen war dies bereits zuvor der Fall. In Berlin dürfen Grundschülerinnen der ersten bis dritten Klasse, Grundschüler natürlich auch, im Wechselunterricht wieder auf die Penne, wie wir früher sagten. Unsere Tochter lernt weiterhin zuhause. 9. Klasse. Allerdings soll eine Englisch-Arbeit in der Schule geschrieben werden, am 2. März, mit Hygiene-Pipapo und man kann als Eltern entscheiden, ob man das auch möchte. Erinnere ich mich an die eigene Schulzeit, würde ich mir an meiner Tochter Stelle wohl wünschen, wir sagten „Nein“. Am besten zu Klassenarbeiten überhaupt. Das aber steht nicht zur Debatte. Schleswig/Holstein will in den kommenden Wochen dem Schulpersonal Corona-Impfungen anbieten. Mit Astrazeneca. Der Impfstoff wird zur Zeit feilgeboten wie Sauerbier. Es häufen sich Berichte aus Impfzentren, wo nur die Hälfte vereinbarter Impftermine wahrgenommen wird. Der Chef der kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, meint in der ‚Rheinischen Post‘ zur Skepsis gegenüber dem Astrazeneca-Vakzin: „Wenn ein Impfangebot an jemanden ergeht und das wird abgelehnt, muss derjenige sich wieder ganz hinten anstellen und es kommen zuerst andere dran.“ Nur, was heißt ganz hinten? Hinter den Schulkindern? Oder dürfen sie sich irgendwo dazwischen schummeln? Der Präsident der deutschen Intensivmediziner, Gernot Marx: „Wenn sich jetzt alle Menschen bald gut durchimpfen lassen, dann könnte es sein, dass wir Corona Ende des dritten Quartals 2021, also im Herbst, im Griff haben“, Marx in der ‚Augsburger Allgemeinen‘ weiter: „Aber das setzt wirklich voraus, dass sich so gut wie alle impfen lassen. Sonst entstehen in der Zwischenzeit wieder neue Mutanten.“ Ja, verstanden. In Bayern dürfen ab nächsten Montag körpernahe Dienstleistungen wie Fußpflege, sowie Gartenmärkte und Blumenläden wieder öffnen, außerdem wird das Sonntagsfahrverbot für LKW’s bis Ende Februar außer Kraft gesetzt, mit dem Ziel „für funktionierende Lieferketten und Warenströme zu sorgen“, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) begründet. In England öffnen ab 8. März (Frauentag!) die Schulen und im Freien können sich wieder 2 (!) Menschen treffen, ab 29. März sollen dort zwei Familien zusammen kommen dürfen und Outdoor-Sport wird erlaubt. Spanien und Litauen gelten der Bundesregierung nicht länger als Hochrisikogebiet, nur noch als Risikogebiet. Eine Reisewarnung besteht jedoch weiterhin. Außer für Profifußballer, wie die Regierung bestimmt vergessen hat zu erwähnen. Im Südsudan erklärte der Sprecher des Präsidenten Salva Kiir, Ateny Wek Ateny, dass 27 Mitarbeiter des Staatsapparates infiziert seien, darunter er selbst. Der Präsident aber wäre sicher. Zum Glück! Über 200 Covid-19-Tote meldet Somalia, über 800 der Senegal, über 20.000 Chile, über 45.000 Peru, über 180.000 Mexiko. Phillip Lahm, ehemaliger deutscher Fußball-Nationalspieler und heutiges Präsidiumsmitglied des DFB sowie Geschäftsführer der DFB Euro GmbH, welche jene Europameisterschaft plant, die im Juni in 12 europäischen Ländern stattfinden soll: „Es war und bleibt eine gute Idee.“ Noch Fragen?

Tipp für heute: Augen zu und durch.

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Corona-Tagebuch 245

21. Februar 2021

Vorgestern Nacht stand der Halbmond direkt über dem Weinbergswegpark, sah viel größer aus als sonst gar der Vollmond und trug um sich herum einen goldenen Nebel. Bei der Sonne nennt man das, glaube ich, Korona, oder auf Latein, Corona. Will uns der Mond etwas sagen? Ohne Mund? Karl Lauterbach (SPD): „Ich halte es für gesichert, dass die Zahlen darauf hindeuten, dass wir am Beginn einer dritten Welle sind.“ Tatsächlich sind zwei Tage hintereinander die Neuinfektionszahlen im Vergleich zur Vorwoche in Deutschland wieder gestiegen. Ist die B.1.1.7.-Variante schuld? Oder lassen sich die Leute häufiger testen, weil die Temperaturen in die Höhe geschossen sind. Man kann fast in Badeklamotten an noch immer eisbedeckten Gewässern liegen. Laut der Krankenversicherung ‚DAK‘ hat die Zahl der Beschäftigten, die wegen psychischer Erkrankungen auf Arbeit fehlen, 2020 einen neuen Höchststand erreicht. Im Schnitt fehlte jeder DAK-Versicherte rund 2,65 Arbeitstage aufgrund von Depressionen oder Anpassungsstörungen. 2019 waren es 2,6 Fehltage. Die pandemie-bedingten Maßnahmen? 2010 allerdings fehlten DAK-Versicherte lediglich 1,7 Arbeitstage im Durchschnitt aufgrund psychischer Erkrankungen. Man kann Corona also nicht für alles verantwortlich machen. Oder wahlweise die Politiker. Die Virologen. Die Merkel. Rund 580 Menschen haben gestern in Berlin mit einem Schweigemarsch gegen die Corona-Maßnahmen protestiert. Angemeldet waren 1.000. In Dresden demonstrierten 482 Fahrzeuge mit einem Autokorso. Ich habe die französische Serie ‚In Therapie‘ zuende geschaut. Würde gerne Dr. Jakob Heins Meinung dazu wissen. Fand die Serie ja sehr unterhaltsam und spannend, auch wenn sie den Arbeitsalltag einer Psychotherapie-Praxis womöglich nicht authentisch wiederspiegelt. Und meine eigene Meisendoktorin? Was denkt sie dazu? Sollte ich mal wieder einen Termin machen? Selbst wenn ich mich gar nicht krank schreiben lassen muss? Australien hat gestern mit der ersten Spritze für Premierminister Scott Morrison begonnen zu impfen. Indien und Südafrika werben für eine Aussetzung der Patente für Corona-Impfstoffe während der Pandemie, damit Vakzine schnell überall weltweit hergestellt werden können. Zahlreiche Länder unterstützen die Initiative. Deutschland befindet sich nicht darunter. Natürlich nicht. Über 400 Covid-19-Tote meldet Namibia, über 700 Kongo/Kinshasa, über 1.000 Malawi, über 245.000 Brasilien. England erlaubt in seinen Pflegeheimen künftig einem Angehörigen pro Person das Händchenhalten. Umarmungen sind weiterhin verboten. Küssen auch.

Heute: Weltweites Internetz, Facebookkanal der Reformbühne Heim & Welt, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt (Livestream) mit Susanne Riedel, Heiko Werning, Spider, Gott und mich, aus Gran Canaria zugeschaltet: Falko Hennig, aus Steglitz zugeschaltet mit seiner legendären Anneliese-Hülsschrath-Gedächtniskolumne: Jürgen Witte, mit einem Text unseres Technik-Genies Frank Sorge, Filtrud, der letzten Kaulquappe und unserem großartigen Superstargast Krazy (Punk-Liedermacherin) aus Köln Spenden bitte per Pay Pal an reformbuehne@gmail.com oder klassisch an Heiko Werning IBAN: DE78 100 500 00 0310264790

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Corona-Tagebuch 244

20. Februar 2021

Francoise Cactus ist tot. Sie starb bereits am Mittwoch. Erfuhr es erst gestern. Habe ihr zu Ehren gemeinsam mit Andreas Gläser ein paar Nüsschen geknabbert, Bier getrunken und ‚Stereo Total‘ gehört. ‚Für immer 16‘. Tolle Frau! Und wieder einmal bewahrte mich meine Passivität vor einer großen Dummheit. Denn Donnerstag war ich nahe daran Brezel Göring zu schreiben oder ihn anzurufen, um zu fragen, ob ‚Stereo Total‘ nicht per Livestream bei der Reformbühne auftreten möchten. Geht nun nicht mehr und wäre auch vorgestern schon nicht mehr gegangen. Bin froh, dass ich Faulpelz Abstand davon nahm, in meinen Zetteln zu wühlen, um die Telefonnummer oder E-Mailadresse Brezel Görings zu finden. Wünsche ihm alles Gute und allen anderen, die Francoise nicht nur als Künstlerin vermissen. Kollege T.C. Boyle denkt, die Corona-Pandemie verändere die Mobilität von uns Menschen dauerhaft. Er habe nicht damit gerechnet Interviews mal virtuell führen zu müssen: „Aber da wir das nun alle gelernt haben, wird niemand mit klarem Verstand jemals wieder ein Flugzeug besteigen, egal zu welchem Grund.“ Ganz schön optimistisch. Ich allerdings würde gern auch leibhaftig noch mal nach Amerika oder Australien und dies per Schiff zu bewerkstelligen? Gut, Greta Thunberg hat es ja auch geschafft. Nordrhein/Westfalen lockert. Freizeitsportler dürfen wieder Tennis spielen, Einzelunterricht in Musikschulen für Kinder bis Grundschulalter wird erlaubt, Hundeschulen können Veranstaltungen im Freien anbieten, Bau- und Gartenmärkte wieder Gemüsepflanzen und Saatgut verkaufen. Klingt witzig, ist aber ernst gemeint. Ab Montag muss in Geschäften, Verkehrsmitteln und öffentlichen Gebäuden Tschechiens eine „partikelfiltrierende Atemschutzmaske oder eine Nano-Schutzmaske“ getragen werden. Gesundheitsminister Jan Blatny empfiehlt die FFP-2-Maske oder die FFP-3-Maske oder zwei OP-Masken übereinander, das sei auch erlaubt. Flensburg meldet fast nur noch Neuinfektionen mit der B.1.1.7.-Variante. Dänemark schließt deshalb 13 Grenzübergänge nach Deutschland. In der Slowakei liegt der Anteil jener Variante mittlerweile bei 72%. Erstmals wurde die B.1.351-Variante in Polen, die B.1.1.28-Variante erstmals in Portugal nachgewiesen. Luxemburg verlängert seine Maßnahmen bis 14. März. San Marino lässt den russischen Impfstoff ‚Sputnik V‘ zu. Russland gibt mit ‚KoviVac‘ seinen dritten Impfstoff frei. Das internationale Bündnis zur Impfstoffforschung (Cepi) hat die globale Entwicklung eines Universalimpfstoffes gegen alle Coronaviren angekündigt. Cepi-Chef, Richard Hatchett, zur Zeitung ‚Die Welt‘: „Cepi beginnt in Kürze mit der Entwicklung von Pan-Coronavirus-Impfstoffen, die gegen alle Coronaviren schützen, nicht nur gegen Covid-19.“ Könnten sie doch auch gleich, wenn es so gut von der Hand geht, den Universal-Impfstoff noch gegen HIV, Krebs und Herzkreislaufkrankheiten ausrichten. Oder? Stelle ich mir das zu einfach vor? Über 1.000 Covid-19-Tote meldet Sambia, über 95.000 Italien, über 120.000 Großbritannien, über 495.000 die USA. Tansanias Präsident John Magufuli ruft seine Landsleute zu dreitägigen Gebeten gegen „Atemwegsleiden“ auf. Vielleicht habe das Volk sich versündigt, orakelte er bei einer Beerdigungsfeier für einen verstorbenen Staatssekretär. Magufuli hatte zuvor wiederholt behauptet, das Virus sei in Tansania mit Gottes Hilfe bezwungen worden.

Tipp für heute: ‚Liebe zu dritt‘.

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Corona-Tagebuch 243

19. Februar 2021

Schlechte Laune. Bin gereizt. Gucke zu viel Fernsehen. In meinem Zimmer steht ein Riesenstapel Kisten mit alten Büchern. Meinen alten Büchern. Der Verlag musste ausmisten. Jetzt lagern die Dinger hier, bei mir. Habe blickdichten Stoff drüber gehängt. Nicht mal die Rechnungen für den Transport aus den Kisten geholt. Warte auf die erste Mahnung. Die kommt. Spätestens in drei Monaten. Ich habe Zweifel. Auch an diesem Tagebuch hier. Ist die Pandemie erst vorbei, will doch sowieso niemand mehr was davon wissen. War es beim Zweiten Weltkrieg anders? Die Nazizeit wurde über zwanzig Jahre später begonnen aufzuarbeiten. Du meine Güte, jetzt vergleiche ich die Nazizeit schon mit Covid-19. Mutiere ich langsam zum Querdenker? Aber Vergleiche sind wichtig. Man muss alles miteinander vergleichen dürfen und sei es um festzustellen, dass es nicht viel miteinander zu tun hat. Der Virologe Hendrik Streeck empfiehlt: „Man sollte jetzt testweise Restaurants öffnen und diverse Hygienemaßnahmen von der Distanz zwischen den Tischen über die Lüftung bis hin zur Kontaktnachverfolgung auf den Prüfstand stellen.“ Logistik- und Einzelhandelsverbände warnen vor den Folgen der rigiden Grenzkontrollen. „Es ist in keinster Weise nachvollziehbar, warum die Bundesregierung nicht analog zur ersten Corona-Welle dem Güterverkehr freie Fahrt lässt, sondern uns in den Versorgungskollaps steuert.“, so Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL). Versorgungskollaps? Heilige Scheiße! Nudeln horten? Schon wieder? Katharina Witt, ehemalige Volkskammerabgeordnete der FDJ und jetzige Betreiberin eines Sportstudios in Potsdam setzt bei ‚Maybritt Illner‘ im ZDF noch einen drauf. Zur Situation ihrer Branche sagt sie: „Es geht ums nackte Überleben.“ Nicht vielleicht ein bisschen übertrieben, Frau Schönstes-Gesicht-des-Sozialismus? Laut einer Untersuchung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) sterben die meisten Menschen nicht mit sondern an Covid-19. In 84% der Fälle, oder bei 618 von 735 Untersuchten, war das Virus Todesursache, in 7% der Fälle die Verstorbenen zwar infiziert, die Todesursache jedoch eine andere. Die Zahl gemeldeter Neuinfektionen innerhalb einer Woche sank in Europa erstmals seit September 2020 wieder unter eine Million, gab die WHO bekannt, seit drei Wochen sinke auch die Zahl der Todesfälle. In Afrika dagegen steigen sowohl Infektions- wie Todeszahlen, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau. Simbabwe und Neuseeland haben begonnen zu impfen. China spendet Algerien 200.000 Impfdosen. Der Vatikan droht Impfverweigerern unter seinen Beschäftigten mit Kündigung. In Frankreich beträgt mittlerweile der Anteil der B.1.1.7.-Variante an den Neuinfektionen 36%, in Deutschland liegt dieser bei 22%. Israel verlängert die Schließung seiner Grenzen bis 6. März, Nordirland den Lockdown bis 1. April, lediglich die untersten Klassen dürfen dort zum Präsenzunterricht ab 8. März zurückkehren. Eine Online-Umfrage zur Aufhebung von Corona-Einschränkungen hat die ungarische Regierung gestartet. Und wann folgt die Online-Umfrage zur Aufhebung der Maßnahmen gegen freien Journalismus, Herr Orban? Über 300 Covid-19-Tote meldet Malta, über 3.000 die Dominikanische Republik und Paraguay. Der stellvertretende Bundestagspräsident Wolfgang Kubicki (FDP): „Die Wut wird irgendwann in Gewalttätigkeit umschlagen, befürchte ich.“ Aber tut sie das nicht immer? Gegen andere? Gegen sich selbst? Irgendwann?

Tipp für heute: Einen Sandsack im Zimmer aufhängen, der zur Tapete passt.

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Corona-Tagebuch 242

18. Februar 2021

Gestern auf dem Gehweg der Zehdenicker Straße ein buntes Bild entdeckt, welches dort hingeklebt worden war. Darauf zu sehen die Umrisse eines Menschen, der auf einer Parkbank sitzt, daneben Häuser, darüber Wolken. In krakeliger Kinderschrift mit grünem Filzer dazu geschrieben: „Helft den Obdachlosen“. Gefiel mir. Etwas kleiner stand dann noch: „Es ist zu kalt.“ Ließ die Sache gleich in einem anderen Licht erscheinen. Wächst da etwa ein Befürworter des Klimawandels heran? Am Sonntag sollen es 15°C in Berlin werden, in Köln gar 20°C. Gab es das schon mal, dass die Gewässer von einer tragenden Eisschicht bedeckt sind und die Lufttemperaturen eher zum baden gehen einladen? Laut UN-Generalsekretär Antonio Guterres haben 10 Länder bisher 75% aller verfügbaren Impfstoff-Dosen verimpft, während 130 Länder noch keine einzige Dosis erhalten hätten. Er nennt das „eine völlig unausgewogene und unfaire“ Verteilung. Ich nenne das systemimmanent, aber auch dumm, denn je ungleichmäßiger auf unserer Welt geimpft wird, desto blöder auch für jene reichen Länder, die damit am weitesten fortgeschritten sind. Der Impfschutz hält schließlich nicht ewig, aller Voraussicht nach, und nationale Grenzen existieren nur für uns Menschen, die interessiert solch ein Virus nicht. Man kann natürlich versuchen sich komplett abzuschotten, beflügelnd für die Phantasie, in der Realität jedoch lächerlich. Auch die Slowakei hat ihre Grenzkontrollen verschärft, weniger stark genutzte Übergänge wurden geschlossen, vorerst. Tschechiens Ministerpräsident Andrej Babis appelliert an die EU, auf Deutschland einzuwirken: „Was an den deutschen Grenzen passiert, ist natürlich ein Verstoß gegen den Binnenmarkt und ein großes Problem für uns alle.“ In grenznahen deutschen Gegenden klagen Unternehmen darüber, dass ihnen teilweise über 30% der Arbeitskräfte fehlen. Was das für betroffene Tschechen bedeutet, kann man nur ahnen. Südafrika begann gestern mit dem Impfen des Johnson & Johnson-Vakzins, Venezuela beginnt heute mit dem Impfen von ‚Sputnik V‘. Auckland hebt den Lockdown wieder auf. Die USA nehmen die Zahlungen an die WHO wieder auf. In Großbritannien sollen zu Forschungszwecken 90 Freiwillige zwischen 18 und 30 Jahren in einer „sicheren und kontrollierten Umgebung“ mit Corona infiziert werden. Das Projekt, von dem das Wirtschaftministerium beteuert: „Die Sicherheit der Freiwilligen hat Vorrang“, werde in den kommenden Wochen starten. Medizinethiker Joerg Hasford hält die gezielte Infizierung Freiwilliger mit dem Coronavirus in moralischer Hinsicht für nicht vertretbar. Bis heute kenne man keine Gruppe, bei der es kein Risiko von tödlichen Verläufen oder beunruhigenden Spätfolgen von Covid-19 gebe. Zudem könne man es Ärzten nicht zumuten, Menschen gezielt zu infizieren, ohne die Folgen abschätzen zu können, das widerspreche auch dem Hippokratischen Eid. Ein uralter Konflikt, denke ich. Tierschützer könnten sich zu recht empören, wir legten selbige Maßstäbe bei Ratten oder Affen nicht an den Tag und die haben sich nicht freiwillig gemeldet. Schwierig. Der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, schlägt in der ‚Augsburger Allgemeinen‘ vor, wegen der Skepsis mancher Menschen gegenüber dem Astrazeneca-Impfstoff, denjenigen eine Nachimpfung mit einem anderen Impfstoff zu garantieren: „Immunologisch ist das kein Problem“. Eine öffentliche Impfung von Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Steinmeier fordert der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende. Solch eine Aktion könne „vertrauensbildend“ wirken, sagte der Mann, dessen Name mir entfallen ist. Kann ihm nur zustimmen. Garantiert rennen Impfgegner dann scharenweise zu den Telefonzellen, um sich einen Termin zu sichern. Ach, Quatsch, gibt ja keine Telefonzellen mehr. Wegen starken Infektionsgeschehens wird ab Sonnabend in Flensburg eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 5 Uhr verhängt. Frankreich verschiebt seine für März geplanten Regionalwahlen auf Mitte Juni. Über 600 Covid-19-Tote meldet Norwegen, über 1.000 Malaysia, über 4.000 Irland, über 490.000 die USA. Andrew Cuomo, Gouverneur des US-Bundesstaates New York, hat den Vergnügungsparks versprochen, dass sie im Frühling wieder öffnen dürften, das Brooklyner ‚Coney Island‘ beispielsweise am 9. April. Was für eine Weitsicht.

Tipp für heute: Bis übermorgen planen.

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