Corona-Tagebuch 225

1. Februar 2021

Auf der Suche nach Kokosraspeln für einen Geburtstagskuchen musste ich Sonntag bis zum Bahnhof Friedrichstraße laufen. Circa 500 Spätkaufs tangierte ich unterwegs erfolglos. Haderte mit meinem Schicksal, obwohl ja schönes Wetter war. Besänftigen tat mich eine Entdeckung in der Kaufhalle, dort im Bahnhof. Da gab es nicht nur Kokosraspeln in Hülle und Fülle, sondern auch einen Bargeld-Bezahl-Apparat. Die Kassiererin braucht das Geld nicht mehr berühren, Ansteckungsgefahr ade, nein, man steckt Scheine und Münzen in einen Schlitz und dann, wie durch ein Wunder, kommt aus einem anderen Schlitz das Wechselgeld heraus. Nachzählen musste ich nicht, Maschinen rechnen besser als wir Menschen, also, vermute ich wenigstens. Youtube ist gestern kaputt gegangen. Zumindest konnte die Reformbühne mit der großartigen Bernadette La Hengst nicht über ihren Youtube-Kanal ausgestrahlt werden, sondern nur über den Facebook-Kanal. Gibt Schlimmeres. Zum Beispiel wurde 2020 in Deutschland 5,5% weniger Bier verkauft als 2019. An mir lag es definitiv nicht. In Myanmar gab es einen Militärputsch. Regierungschefin und Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi, welche in den Jahren zuvor versucht hatte sich mit der Armee zu arrangieren, wurde festgenommen. Mehrere tausend Menschen haben gestern in Wien gegen die Corona-Maßnahmen protestiert, darunter bekannte Rechtsradikale, wie der Identitären-Chef Martin Sellner und Neonazi Gottfried Küssel, den ich noch aus den neunziger Jahren kenne, als ich für das ‚Neue Forum‘ in der Lichtenberger BVV saß und Küssel die Nazi-Hausbesetzer der Weitlingstraße vor dem Bezirksparlament vertrat. Ein äußerst unangenehmer Zeitgenosse, vorsichtig formuliert. Bei einer nicht genehmigten Demo gegen die belgischen Corona-Maßnahmen sind in Brüssel fast 500 Menschen festgenommen worden, unter ihnen viele Fußballfans. 600 Menschen demonstrierten in Amsterdam, diesmal friedlich, gegen die niederländischen Maßnahmen. Mit rund 1.000 Fahrzeugen haben in Pforzheim Gegner der deutschen Corona-Maßnahmen demonstriert. Einen Auto-Corso mit circa 200 Teilnehmern gab es auch in Neubrandenburg, in Parchim „spazierten“ 200 Menschen kritisch zu Fuß. Bis zu 20.000 ultraorthodoxe Juden folgten am Sonntag in Jerusalem einem Trauerzug für einen verstorbenen Rabbiner, ohne sich an Abstands- oder Maskenpflicht zu halten. Die Polizei griff nicht ein. Etwa 90 Teilnehmer folgten im thüringischen Corona-Hotspot Jüchsen einem illegalen Karnevalsumzug, welcher allerdings von der Polizei aufgelöst wurde. Jüchsens Ortsteilbürgermeisterin Beate Heßler bezeichnete den Einsatz als unverhältnismäßig. Hätte die Polizei den Umzug gewähren lassen, wäre die Sache nach 3 Minuten vorbei gewesen, soll sie laut MDR gesagt haben. Ein dreiminütiger Faschingsumzug? Das wäre Weltrekord gewesen, oder? Insgesamt 34 Millionen Bürger bekommen über ein Bundesprogramm derzeit Gutscheine für je 12 FFP-2-Masken zugeschickt, darunter Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der seinen Gutschein jedoch zurück geben möchte. Israel schenkt den palästinensischen Gebieten 5.000 Impfdosen. Österreich übernimmt portugiesische Corona-Patienten. Der Vatikan will nach dreimonatiger Schließung seine Museen und Kirchen wieder öffnen. Pakistan öffnet Grundschulen und Universitäten. Die britische Insel Isle of Man beendet gleich sämtliche Corona-Maßnahmen. Schulen, Geschäfte, Restaurants, Pubs, dürfen wegen geringer Fallzahlen wieder besucht werden, es gilt weder Maskenpflicht, noch muss Abstand gehalten werden. Die Regierung des 85.000 Einwohner zählenden Kronbesitzes in der Irischen See teilte mit: „Das Ende des Lockdowns bedeutet, dass das Leben auf der Insel zur Normalität zurückkehren kann.“ Hin darf allerdings, bis auf  Ausnahmen, niemand. Über 700 Covid-19-Tote meldet Malawi, über 5.000 Kroatien, über 20.000 Kanada, über 30.000 Indonesien, über 440.000 die USA. Kinderarzt Thomas Buck warnt in der Hannoverschen Allgemeinen vor den Auswirkungen der Corona-Krise auf Jüngere: „Wir laufen derzeit Gefahr, etwa 20% der Kinder einfach von ihrer Entwicklung abzuhängen, in sprachlicher Hinsicht, in gesundheitlicher Hinsicht.“ Die Folgen sehe man in den Arztpraxen: „Bewegungsmangel, Sprachentwicklungsstörungen, psychische Probleme, Depression und Traurigkeit. Die Jugendlichen verlieren ihre Kontakte in der Schule und damit ihre Jugend.“

Tipp für heute: Man ist nur einmal jung.

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