Corona-Tagebuch 275
23. März 2021
Geträumt, ich hätte einen großen Auftritt verpasst. Meinen Einzigen seit langem und für lange Zeit. Open Air, organisiert von Radio Eins, in Berlin, ausverkauft. Erst fiel mir noch ein: ‚Oh, hab ja diesen Auftritt, muss schnell ein Programm schreiben. Weiß gar nicht welche Texte ich lesen, welche Lieder ich singen, wie ich das Publikum begrüßen soll. Was Witziges sagen? Wäre sicher nicht schlecht.‘ Doch dann: ‚Scheiße! Zu spät. Hätte längst anfangen müssen.‘ In der Realität gibt es so einen Auftritt natürlich nicht. Gestern wurden die Maßnahmen bis 18. April verlängert. Zu Ostern geht, wie web.de schreibt, „ganz Deutschland“ „in den schärfsten Lockdown seit Beginn der Pandemie.“ Das „öffentliche, private und wirtschaftliche Leben“ werde „weitgehend heruntergefahren“, Gründonnerstag und „Karsamstag“ „Ruhetage“, nur „Karsamstag“ öffnen Lebensmittelläden, ansonsten blieben 5 Tage hintereinander die Geschäfte zu. Private Zusammenkünfte „sollen“ auf den eigenen und einen weiteren Haushalt beschränkt werden, maximal 5 Personen, Kinder unter 14 nicht mitgezählt. Kirchen und Religionsgemeinschaften werden „gebeten“, zu Ostern nur Online-Angebote für Gläubige zu machen. Was die Katholische Kirche schon mal ablehnt. Ab sofort „soll“ die Notbremse bei einer Inzidenz von mehr als 100 „konsequent umgesetzt werden“. Sofort entschloss sich Gera „konsequent“ die Schulen zu schließen, bei einer Inzidenz von gut 350, Kindergärten bleiben allerdings offen. Bund und Länder „appellieren“ an Fluggesellschaften keine zusätzlichen Flüge nach Mallorca anzubieten, Hotels und Beherbergungsbetriebe in Deutschland bleiben zu. Und dann gibt es was richtig Wildes, falls die „Maßnahmen“ nicht greifen, nämlich „die Tragepflicht medizinischer Masken für Mitfahrer in privaten PKW’s“. Hurra! Fast drei Viertel (71%) gaben, einer Sondererhebung der Stiftung Deutsche Depressionshilfe zufolge, an, die Situation im zweiten Shutdown als bedrückend zu empfinden, beim Ersten, im Frühling 2020, waren dies 59%. Psychiater Ulrich Hegerl: „Die Menschen bewegen sich nicht mehr, sie nehmen zu, liegen länger im Bett und schlafen dann nachts schlecht“ und „Das ist alles nichts, was einen aufbaut.“ Simulationen der TU Berlin ergaben übrigens: „Infektionen finden praktisch nur in Innenräumen, in den Bereichen eigener Haushalt, private Besuche, Arbeit und Schule statt, wenn es dort zu länger andauernden und ungeschützten Kontakten, also ohne Maske, kommt“. Warum man jene Erkenntnis nicht nutzt? Draußen, bei entsprechendem Wetter, könnte doch so Einiges gehen. Schule? Kultur? Sport? Wegen steigender Infektionszahlen schließt Mallorca wieder die gastronomischen Innenräume. In Kempten starb erneut eine Frau nach Astrazeneca-Impfung mit Symptomen einer Hirnvenenthrombose. Ungarn lässt zwei weitere Impfstoffe aus China und Indien zu. WHO-Generaldirektor Tedros Ghebreyesus prangert die wachsende Kluft zwischen armen und reichen Ländern bei den Impfungen an. In vielen reicheren Ländern würden bereits „jüngere, gesunde Menschen mit geringem Krankheitsrisiko“ geimpft“, „auf Kosten des Lebens von Gesundheitspersonals, älteren Menschen und anderen Risikogruppen in anderen Ländern.“ Dies sei nicht nur moralisch ein „Skandal“, sondern epidemiologisch gefährlich, denn in Ländern mit hohen Fallzahlen drohten neue Mutanten, welche gegen verfügbare Impfstoffe immun werden könnten. Über 800 Covid-19-Tote meldet Estland, über 25.000 Tschechien, über 75.000 Deutschland, über 105.000 Italien, über 160.000 Indien, über 295.000 Brasilien. Das vogtländische Impfzentrum in Treuen-Eich wurde von Corona-Kritikern mit dem Spruch „Impfen reduziert die Weltbevölkerung und hilft beim Klimaschutz“ besprüht, illustriert durch eine schwarz-weiß-rote Reichskriegsflagge.
Tipp für heute: Dafür jedoch sorgen Kriege wieder für Bevölkerungswachstum.
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