Corona-Tagebuch 381

10. Juli 2021

Gestern Schwimmen gelernt. Im ‚Goldenen Hahn‘. So nennt sich kein Hallenbad, so heißt eine legendäre Kreuzberger Kneipe, womit klar sein dürfte, es wird sich kaum um die Fortbewegungsart im kühlen Nass gehandelt haben, nein, ich erlernte das Kartenspiel ‚Schwimmen‘ und gewann sogleich die erste Runde. Wir spielten zu viert, jeder setzte dreißig Pfennig, Verzeihung, Cent, also war ich anschließend um eine Mark, Verzeihung, einen Euro zwanzig, reicher. So beginnen Karrieren von Spielsüchtigen doch immer. Und enden tun sie in einem Berg von Schulden. Freue mich bereits. Sucht- und Drogenberater beobachten in Berlin und Brandenburg einen Wandel des Rauschmittelkonsums Jugendlicher, weg von Aufputsch- und Partydrogen. Jörg Kreutziger, Sozialarbeiter beim Projekt ‚Hart am Limit‘ zum RBB: „Mein Team und ich sprechen vom introvertierten Konsum, weil er nach innen gerichtet ist. Sie (die Jugendlichen d.A.) ziehen sich dann zurück, sie betäuben sich klassisch, um nicht mehr so viel von der Welt da draußen mitzubekommen.“ Ist die Pandemie sicher nicht unschuldig, an diesem Trend. Ab morgen gilt ganz Spanien wieder als Risikogebiet. Die Delta-Variante. In einigen Ländern Westeuropas steigen die Inzidenzen rapide. Niederlande 129, Portugal 177, Spanien 221, Großbritannien 300, Zypern 630. Liest sich dramatisch. Nur sterben dort kaum Menschen an oder mit dem Virus. Niederlande gestern 2, Portugal 7, Spanien 6, Großbritannien 30, Zypern 0. Zum Vergleich, Deutschland weist eine 7-Tage-Inzidenz von 5,8 auf und gestern gab es 35 Covid-19-Tote, oder Ägypten, gestern offizielle Inzidenz 1,1, 17 Virus-Opfer. In den Niederlanden müssen Clubs und Diskotheken wieder schließen. In Thailand gilt ab kommender Woche eine nächtliche Ausgangssperre von 21 bis 4 Uhr. In der südkoreanischen Hauptstadt Seoul wird der Besuch von Gottesdiensten und Sportveranstaltungen verboten, Bars, Nachtlokale und Schulen müssen schließen. In der südvietnamesischen Metropole Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) ist ein zweiwöchiger Lockdown ausgerufen worden. Menschen dürfen ihre Wohnung nur zum Einkaufen und für Notfälle verlassen, der Bahnverkehr zur Hauptstadt Hanoi wurde ausgesetzt. Singapur und Australien liefern Indonesien Beatmungsgeräte, Sauerstoffflaschen und Schutzmasken, die USA Afghanistan 1,4 Millionen Impfstoffdosen Johnson & Johnson. Nach Israel Einreisende, auch vollständig Geimpfte, müssen künftig 24 Stunden in Quarantäne oder bis das Flughafen-Testergebnis vorliegt. Malta lässt nur noch vollständig Geimpfte ins Land. Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung in Rheinland/Pfalz, Peter Heinz, spricht Ungeimpften Freiheitsrechte ab: „Die Nicht-Geimpften haben nicht die Freiheit ihre Masken abzulegen. Sie dürfen nicht ins Stadion, nicht ins Schwimmbad und nicht ohne Maske im Supermarkt einkaufen. Und man darf Ungeimpften und jenen mit nur einer einfachen Impfung nicht mehr gestatten in den Urlaub zu fahren.“ Dies sei keine versteckte Impfpflicht, „sondern eine zwangsläufige Schlussfolgerung aus einer pandemischen Lage“. Ich empfehle Herrn Heinz mal eine Pause einzulegen. Urlaub machen? Eine sehr schöne Sommerlochschlagzeile aus der Abendschau vom RBB entdeckte gestern Freundin und Kollegin Susanne Riedel: „Anwohner von Gorillas genervt“. Herzallerliebst.

Tipp für heute: Vielleicht mal mit diesen Gorillas reden?

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Ein Kommentar zu “Corona-Tagebuch 381”

  1. 01

    jau, mit gorillas reden und 2 wochen redeverbot für politiker und politikerinnen, sollen auch mal urlaub haben.

    Roswitha am 10. Juli 2021 um 21:52

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