Corona-Tagebuch 608

5. April 2022

Es war mir ein wenig unangenehm. Ich habe gestern sehr viel und sehr laut gelacht. Beim Lesen von Heinz Strunks ‚Die Zunge Europa‘. Großartiger Mann. So witzig. Doch die Nachbarn. Wenn sie mich nun hören, dachte ich. Die müssen doch denken, ich verfüge über keinerlei Empathie. In diesen Zeiten. Nur ein paar 100 km östlich werden Menschen gefoltert, vergewaltigt, getötet und der lacht. Tut mir leid. Nein, tut mir nicht leid. Denkt wahrscheinlich gar kein Nachbar und auch keine Nachbarin. Sind nur meine Gedanken. Gäbe es die Bilder nicht, gäbe es auch die Konflikte nicht, in mir. Von Kriegen, von denen nicht berichtet wird, lasse ich mir meine Laune nicht verderben. Wie lange berührt uns das Schicksal der Ukrainerinnen und Ukrainer noch? Zwei Wochen? Drei Monate? Kümmert es mich, dass der Krieg in Syrien weiter geht? Der im Jemen? Dass Mädchen in Afghanistan nur noch bis zur 6. Klasse zur Schule gehen dürfen? Was ist eigentlich mit der Mauer zwischen den USA und Mexiko? Hat sich wer beschwert, dass Polen eine zu Weißrussland baut, damit keine Flüchtlinge mehr kommen können, von dort? In Ungarn gewinnt Orban erneut die Wahlen, in Serbien Vucic. Das Volk schart sich hinter starke Männer in Krisenzeiten, ekelhaft. In Deutschland ist der Antrag zur allgemeinen Impfpflicht ab 18 zurückgezogen worden und damit gescheitert. Ab 1. Mai soll es hierzulande auch keine Isolationspflicht mehr geben, für Infizierte. Nur Beschäftigte im Gesundheitsdienst und Pflegebereich müssen dann weiter 5 Tage (!) nach einem negativen Freitestergebnis zuhause bleiben. In Südafrika ist der seit dem 15. März 2020 geltende Covid-“Alarmplan“ ausgesetzt worden. Die Maskenpflicht in Innenräumen bleibt allerdings noch einen Monat bestehen. China entsendet 10.000 „Gesundheitshelfer“, darunter 2.000 Militärangehörige, nach Shanghai, wo der strenge Lockdown, währenddessen die Wohnung nicht verlassen werden darf, auf unbestimmte Zeit verlängert wurde. Eine Shanghaierin berichtete, sie habe für sich, ihren Mann und die beiden Eltern als Essensration für mehrere Tage einen Kohlkopf, zwei Kartoffeln und ein Stück Ingwer erhalten. Dann wünsche ich mal: Guten Appetit!

Tipp für heute: Sarkasmus nicht mit Zynismus verwechseln.

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