Vom Westen lernen

9. September 2023

Als ich kürzlich mit zwei Frauen um einen Tisch herum saß, wir über dies und jenes plauderten (Frisuren, Hundefrisuren, Putin), da sagte auf einmal die eine Gesprächspartnerin, sie wäre dafür, Nachrichtensendungen zu verpflichten, mindestens eine gute Nachricht pro Sendung zu vermelden. Fanden wir anderen jetzt nicht so prickelnd, weil wir erinnert wurden an Ernteergebnisse und stehende Ovationen für die Rede von Genossen Dingsdabumms. Positive Nachrichten können ja aber wirklich schön sein, wenn sie herausstechen aus dem Meer der schlimmen Meldungen. Wollte ich neulich schon meinen Ohren kaum trauen, als es hieß, Paris schmeiße die lästigen E-Roller aus der Stadt, so durfte ich heute lesen, New York versuche die Airb’n’b-Pest loszuwerden. Mit Airb’n’b entziehen windige Geschäftsleute der Stadt tausende und abertausende Mietwohnungen, um sie Touristen für „preiswerte“ Übernachtungen anzubieten. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen auf der letzten Leipziger Buchmesse in einem Airb’n’b-Appartment zu nächtigen. Nicht selbst gebucht, der Verlag war schuld. In dem Haus hatte eine, dem Foto-Prospekt nach zu urteilen, junge, gutaussehende Frau, die sich „ab und zu auf Reisen“ befinde, insgesamt 6 Dreizimmerwohnungen gemietet. Die Schränke in sämtlichen Zimmern leer (Kleider sicher mit auf die Reise genommen). Dazu gab es noch die Wohnung eines Herrn, bei dem man klingeln sollte, falls etwas in der Wohnung wäre. In Berlin, bei mir um die Ecke, wohnte ein Freund in einem Mietshaus, wo er der einzige reguläre Mieter war, der Rest bestand aus Airb’n’b-Wohnungen. Auch jener Freund zog mittlerweile aus. Ich bin mal gespannt, ob New York der Coup gelingt und hoffe das Rezept macht dann Schule.

Tipp für heute: Träumen.

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