Ist doch ganz einfach
3. Dezember 2024
In den Medien werden momentan wieder vermehrt Tipps gegeben, wie man in der kalten Jahreszeit Obdachlosen helfen kann. Der RBB empfiehlt, die Menschen „höflich ansprechen, sich vorstellen und fragen, wie man helfen kann“. Ich bin wahrscheinlich vollkommen naiv, von gestern oder plemplem, aber ich würde vorschlagen, gebt ihnen Wohnungen.
Tipp für heute: Eine Gesellschaftsordnung, die es nicht schafft allen Menschen Obdach zu bieten, funktioniert nicht.
6 Kommentare zu “Ist doch ganz einfach”
01
In unserer Gesellschaft scheinen neben vielen anderen Prioritäten – wie Krieg, Wirtschaft – manchmal auch die Bedürfnisse von Tieren mehr Beachtung zu finden als die der Menschen selbst. Im öffentlichen wie privaten Bereich ist gar eine größere Aufmerksamkeit für Tiere zu beobachten, sei es durch finanzielle Mittel oder durch luxuriöse private Tierhaltung. Die zahlreichen ehrenamtlichen Initiativen zur Unterstützung von Obdachlosen wirken daneben als Tröpfchen. Man könnte meinen, dass die Anstrengungen, Menschen in Not zu helfen, nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich überfordernd sind. Politik von Menschen gemacht. Mein Wunsch ist eine grundlegende Neubewertung unserer Prioritäten, auch wenn es eine komplexe tief strukturelle Bedachtheit erfordert. Wohnungen wären ein nachhaltig guter Anfang!
02
Leider geht der Trend der aktuellen Politik in die entgegengesetzte Richtung. Weniger staatliche Verantwortung für grundlegende Lebensbedingungen (Wohnung, Essen, Gesundheit), mehr Verweise auf Privatinitiative als Feigenblatt: „Jeder kann etwas tun.“
03
Vielleicht liegt (wieder einmal) als letztes Mittel der Wahl die kollektive Verantwortung darin, judikativ prüfen zu lassen, inwieweit auf institutioneller Ebene die mangelhafte Umsetzung des Grundgesetzes oder anderer Gesetzlichkeiten vorliegt. Selbst wenn dies einen langwierigen und komplizierten Weg mit sich bringt.
04
Na ja, „die Würde des Menschen ist unantastbar“ ist eben unterschiedlich interpretierbar. Und von einem ‚Recht auf eigenen Wohnraum‘ steht nichts im Grundgesetz, zumindest meines Wissens nach.
05
Ich verstehe deinen Standpunkt und kann nachvollziehen, dass es naiv erscheinen mag, dahingehend an eine grundlegende Veränderung zu glauben. Solange es rechtliche Mittel legitimieren, die Verantwortung des Staates für die Grundbedürfnisse seiner Bürger zu prüfen, sollten sie nicht ungenutzt bleiben. Beispiele (BVG Urteil 2018 hinsichtlich Wohnungspolitik und Klagen von Obdachlosenverbänden) haben in der Vergangenheit Signale gesetzt, dass der Staat in der sozialen Pflicht gegenüber seinen Bürger steht. Es bleibt zu hoffen, dass Obdachlosigkeit an Bedeutung gewinnt und Interpretationen im Sinne sozialer Gerechtigkeit ausgelegt werden.
Nun gehe ich in den Wald und erfreue mich an der Unmenge an Habichtspilzen.
06
Gute Idee, also in den Wald zu gehen.
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