Nazirocker Udo Jürgens
16. Juli 2012
Für einen Nazi bin ich ja schon öfter gehalten worden, meist wegen der nicht allzu langen Haare oder weil ich Gummistiefel anhatte oder eine Rose im Knopfloch trug. Gestern aber beschimpfte mich, bei der übrigens wieder einmal fabelhaften Reformbühne, eine mittelalte Ukrainerin nach der Lesung als „Nazi, der über ihr Land trampeln wolle“ weil wir ein Lied gesungen hatten. Unser Abschlusslied. Dieses sei „eindeutig ein Nazilied“, so die Kämpferin gegen Faschismus und Krieg. Ich versuchte sie zwar davon zu überzeugen, dass ‚Ich wünsch dir Liebe ohne Leiden‘ von Udo Jürgens auf gar keinen Fall ein Nazilied sei, sang ihr sogar einzelne Textstellen noch einmal vor „..und wenn du suchst nach Zärtlichkeit, wünsch ich dir Liebe ohne Leiden und Glück für alle Zeit“, doch sie schüttelte nur mit ihrem Kopf. Nein, das konnte sie nicht überzeugen. Sie blieb dabei: „Ein Nazilied“. Ich wollte schon aufgeben, da sagte sie überraschend: „Los, komm her, tanzen. Nein, nicht so tanzen, so“. Ja, und was soll ich sagen, ich tanzte mit ihr engumschlungen bis in den Morgen hinein und seitdem sind wir ein glückliches Paar ein halbes Lied, trat ab und zu auf ihre Füße, meine Tanzstundenlehrerin war immer krank gewesen damals, und verabschiedete mich dann höflich, wie es sich für einen überzeugten Nazi gehört. Keine Ahnung, ob die Sache damit vom Tisch ist. Weiß ja nicht wie sie heißt, wo sie wohnt und ob sie vielleicht doch noch jemanden gefunden hat.
Tipp für heute: Tanzstunden nehmen.
Kommentar schreiben