Kollegenkritik

16. Mai 2013

Matthias Horx veröffentlicht in der Berliner Zeitung, in welcher auch ich ab und zu schreibe, seine Kolumnen auf der Meinungsseite. Matthias Horx nennt sich Zukunfts- und Trendforscher. Nun halte ich ja Forscher, die etwas erforschen wollen was erst noch passieren wird, gelinde gesagt für esoteriknah, man kann natürlich vermuten, erhoffen und befürchten, eine Wissenschaft aber zu suggerieren, was forschen meiner Meinung nach beinhaltet, grenzt an Verwirrungstaktik. Matthias Horx schreibt in seiner jüngsten Kolumne: „Heute erleben Verschwörungstheorien ein fröhliches Comeback. Etwa die jüngste Debatte um die Unhaltbarkeit von Produkten. Schon haben sich die entsprechenden Websites und Experten gebildet, die akribisch nachweisen, dass hier ein Rädchen aus Verschleiß-Plastik eingebaut wurde und dort ein Akku bösartig nicht austauschbar ist. Alles in der perfiden Absicht, uns zu betrügen, zu belügen und kapitalistisch auszubeuten. Seltsam.“ Seltsam? Nun wäre es eines Forschers, eines Wissenschaftlers angemessen, eine von ihm als Verschwörungstheorie gebrandmarkte These zu widerlegen anhand von eigenen oder anderen Forschungsergebnissen. Nichts dergleichen. Er fragt stattdessen: „Wer denkt beim Kleiderkauf schon an Haltbarkeit?“. Ich, zum Beispiel? Er stellt fest: „…wir kaufen nicht möglichst waschbare Hüllen, in denen wir in Ruhe altern können. Und das ist auch gut so, weil wir sonst alle aussehen würden wie unsere Urgroßeltern.“ Ach, wirklich? Müssten nicht die neuen „Hüllen“ bloß besser, modischer, vielleicht sogar haltbarer sein? Nein. Denn weiter: „Wenn Produkte ewig haltbar wären, gäbe es wenig Innovation, wenig Kreativität – und wenig Markt.“ Und da sind wir doch beim Kern. Matthias Horx nämlich widerlegt nicht diese angebliche „Verschwörungstheorie“ sondern er begrüßt die „Unhaltbarkeit von Produkten“ als Marktmotor. Für ihn ist es „Spießigkeit“ wenn eine Saftpresse für 19,90 € 20 Jahre halten muss. Kann man so sehen, ist aber ein anderes Thema. Ach ja, „Zukunftsforscher“ Matthias Horx arbeitet außerdem noch als Unternehmensberater.

Heute: Berlin-Pankow, Zimmer 16, 20 Uhr: Ahne liest, singt und trinkt (neue Texte, alte Schlager, Bier)

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3 Kommentare zu “Kollegenkritik”

  1. 01

    Wissenschaftliche Aussagen über die Zukunft nennt man Prognosen. Willst du auf den Wetterbericht verzichten?
    Jede „Wenn, dann“-Aussage ist eine Prognose.

    Dan am 17. Mai 2013 um 11:38
  2. 02

    Richtig. Aber die Meteorologie beschäftigt sich ja nicht nur mit den Prognosen. Ganz im Gegenteil. Jeder seriöse Meteorologe wird dir sagen, dass, je weiter eine Voraussage geht, länger als drei Tage grenzt ebenfalls an Esoterik, desto unwahrscheinlicher ist sie auch. Man kann natürlich auch den nächsten Winter prognostizieren, kalt oder warm, vergleicht dazu die Aufzeichnungen der letzten 100 Jahre und greift auf Bauernregeln zurück und hat damit eine Treffgenauigkeit von etwa 50 %. Das kann man auch Raten nennen. Prognosen gehören zur Wissenschaft dazu aber eine Wissenschaft die nur aus Prognosen besteht ist für mich zumindest keine Wissenschaft.

    Ahne am 17. Mai 2013 um 12:11
  3. 03

    Auf den Wetterbericht zu verzichten, wäre Quatsch, da er ja berichtet, also bereits Geschehenes wiedergibt. Der Wetterbericht is verlässlich, das Problem ist die Wettervorhersage. Und eine „Wenn, dann“-Aussage ist keine Prognose sondern eine Implikation.

    meikel am 23. Mai 2013 um 18:32

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