Die gute Nachricht ist ausgeblieben
9. September 2009
Schlimme Nachricht für alle Musikredakteure. Laut Howard Carpendale selber, gibt es ab sofort keine Begründung mehr dafür, Songs von ihm nicht im Radio zu spielen. Er sehe ein, wenn jemand sage, dass ‚Hello again‘ nicht ins Programm passe. „Aber ‚Noch immer mittendrin‘ aus meinem neuen Album passt überall. Da gibt es keine Ausreden.“
Auch schlimm, wenn die Hilflosigkeit in Person, Frank-Walter Steinmeier (CDU SPD) zum Thema Afghanistan erklärt: „Wir sind da nicht kopflos hineingestolpert, und deswegen dürfen wir da nicht kopflos raus“. Da befindet er sich ganz klar in der Tradition Adolf Hitlers, welcher Truppenrückzügen ja auch irgendwie nie so richtig was abgewinnen konnte. Vielleicht aber richtete sich dieser Ausspruch ja auch an eine ganz andere Adresse? Vielleicht ja an die Mudjaheddin? Vielleicht soll er bedeuten: ‚Bitte gebt uns unsere Soldaten so zurück, wie sie bei euch hineingestolpert sind‘? Kann man den ehemaligen Geheimdienstler ja demnächst mal fragen in der Rubrik ‚Was macht eigentlich…?‘.
Tipp für heute: Den S-Bahnfahrern einen Blumenstrauß schenken.
8 Kommentare zu “Die gute Nachricht ist ausgeblieben”
01
@ Ahne: Ich kann nachvollziehen, dass der Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr hinterfragt werden muss und der mediale Umgang mit den jüngsten Ereignissen und Entwicklungen doch sehr fragwürdig erscheint, deshalb allerdings den Frank-Walter mit Hitler zu vergleichen finde ich dann doch – trotz des gewollt provokanten Untertons – etwas übertrieben. Er war und ist schließlich nicht der Einzige, der diesbezüglich in der Verantwortung steht. Im gleichen Atemzug würdest Du dann auch die SPD mit der NSDAP gleichsetzen. Da bin ich strikt dagegen.
02
@ der Grit: Ich habe lediglich die Aussage Steinmeiers in den Kontext der Kriegspolitik Hitlers gesetzt und da passt sie meinerserachtens auch hinein. ‚Wenn man da einmal drin ist (im Krieg), darf man da auch nicht mehr raus, jedenfalls nicht kopflos.‘ Was soll das denn heißen? Man darf erst raus, wenn man gesiegt hat? Wenn man den Feind restlos vernichtet hat? Und dann die Gründe, Terrorabwehr, das ist doch lächerlich! Mädchen sollen zur Schule gehen dürfen. In wie vielen Ländern müsste man denn dann Krieg führen? Saudi-Arabien, Sudan, Mauretanien, Jemen und, und, und, aber die meisten Medien drucken oder plappern diesen Quatsch ja 1:1 nach.
03
@ Ahne: Vor dem Hintergrund meines jugendlichen Leichtsinns bin ich dennoch der Meinung, dass ein solcher Vergleich unangebracht ist. Der Einsatz mag ein Fehler gewesen sein, da ja bekanntermaßen die Gründe eher vorgeschoben als tatsächlich real existent waren. Jetzt allerdings von heute auf morgen ‚Tschüß, wir gehen dann mal‘ zu sagen finde ich ebensowenig ratsam, zumal ich gerade heute morgen in einem Interview mit einer Journalistin vor Ort gehört habe, dass der Großteil der Bevölkerung dort die deutschen Besatzer nicht für die Selbstmordanschläge und anderen Aktionen der Taliban verantwortlich machen und eher hoffen, dass der vielzitierte zivile Aufbau vorangetrieben wird – wozu nicht allein der Bau von Schulen, auch für Mädchen, gehört.
Grundsätzlich übernimmt eine Besatzungsmacht, egal welche Motive dazu geführt haben, logischerweise immer auch die Verantwortung für das Volk des Landes. Dazu gehört eben auch dafür zu sorgen, dass nach einem Abzug vor allem das politische und das Rechtssystem Bestand haben. Ob das in Afghanistan klappt – wohl eher unwahrscheinlich. Das ist ja das Dilemma: Jeder weiß, dass das Machtstreben der Clanchefs dem Aufbau einer Demokratie abträglich ist, aber keiner will so richtig zugeben, dass Bestrebungen, trotzdem eine solche aufzubauen, wohl ohne absehbare Erfolge bleiben werden. Und solange ein solches offizielles Eingeständnis nicht von allen beteiligten Besatzern vorliegt, wird wohl auch kein Datum für einen Abzug der deutschen Truppen bekannt gegeben.
Diese Überlegungen können natürlich auch absolute Hirngespinste sein. Wahrscheinlich wird sich nach der Wahl rausstellen, dass ein solcher Abzug längst in Planung ist, für eine Veröffentlichung im Wahlkampf allerdings als zu riskante Nachricht eingestuft wurde…
04
In diesem Zusammenhang möchte ich folgendes anmerken: Mit völligem Unverständnis darf ich gelegenlich wahrnehmen wie deutsche Söldner, die mit körperlichen Beeinträchtigungen aus ihrem Einsatzgebiet zurückkehren, bedauert werden. Erst freiwilig sich einem berufstypischen Risiko ausssetzen und ordentlich Kohle einstreichen, dann jammern. Niemand hat irgendeinen deutschen Waffenträger gezwungen, unsere deutsche Scheindemokratie am Hindukusch zu verteidigen.
Schönen Tach noch.
05
@ der Grit: Welches politische und Rechtssystem soll denn da Bestand haben? Das jetzige autoritäre Präsidialsystem, welches kaum über die Grenzen Kabuls hinausreicht und in dem sich jeder die Taschen vollstopft, so gut er eben kann? Wie es enden könnte zeigt derzeit der Irak, da setzt sich still und leise ein neuer Diktator an der Macht fest, der eventuell genauso brutal gegen das eigene Volk vorgehen wird wie zuvor Saddam Hussein, unter Garantie aber nicht den Fehler begeht, sich gegen irgendwelche, wie auch immer gearteten westlichen Interessen zu stellen.
06
@ Olaf: Da hast du sicher recht. Und doch sind auch das Menschen, die man bedauern darf. Und außerdem wären sicherlich viele, wahrscheinlich sogar die meisten Menschen auf der Welt, froh, wenn sie in so einer ‚Scheindemokratie‘ wie bei uns leben dürften.
07
@Ahne: Okay, uns geht es ziemlich gut. Aber das gibt uns nicht das Recht, anderen vorzuschreiben wie sie zu leben haben. Und hochbezahlte Söldner in ganz bestimmte Interessengebiete zu schicken aber andere menschlich genauso dramatische Konflikte und Gebiete einfach unerwähnt zu lassen – nur weil sie weder politisch noch wirtschaftlich auf absehbare Zeit interessant erscheinen – ist schon scheinheilig. Und die Bestrebungen, Bürgerrechte abzubauen (Abhören, Onlinedurchsuchung) und Mitbestimmung bloß nicht mehr als nötig zuzulassen (Volksentscheid, betriebliche Mitbestimmung), sind in meinen Augen nicht besonders demokratisch.
Vielleicht ist das ja Jammern auf hohem Niveau. Aber es gibt auch eine ganze Menge Staaten und Völker von denen wir was lernen könnten und die nicht weniger demokratisch als wir leben.
08
@ Ahne: Mein ich doch auch. Und der Versuch der westlichen Welt, in Afghanistan ein geregeltes, verbindliches, demokratisches Sysstem zu etablieren, ist ja auch gnadenlos gescheitert. Nur die öffentliche Erkenntnis darüber fehlt eben.
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