Wie zu Sowjet-Zeiten
7. Oktober 2009
Als ich heute, die Zeitung unter den Arm geklemmt, bohememäßich, die Schönhauser Allee herunterstolzierte, kam mir doch mit schlohweißem Haar und bügelgefaltetem hellen Anzug und natürlich güldener Taschenuhr (in der Manteltasche selbstverständlich), ein Herr entgegenspaziert. Ich dachte mir erst, dieser Herr, der ist doch bestimmt sehr wichtig, vielleicht ein Reschissör oder ein Pianonist! „Falsch gedacht“ geiferte es da, ei plötzlich, von der Seite her (an der Seite stand eine Bank, auf der etwa 60 Politessen ihre Döner Schawarmaße verspeisten), „dieser Herr ist lediglich alt und verwirrt, der geht schon zum dritten Mal hier vorbei“. Mal abgesehen davon, dass diese Politesse ja wohl ganz offensichtlich Gedanken lesen konnte, aber wieso eigentlich dürfen 60 Politessen mehrere Stunden lang auf einer Bank sitzen und Fußgänger beobachten? Wer bezahlt das? Etwa der Steuerzahler? Gut, das wäre dann allerdings okee. Ach so, liebe deutschen Sprachwissenschaftler, warum habt ihr mich eigentlich noch nicht wegen „Deutschenhasses“ und „Verunglimpfung der deutschen Literatur, Kultur und Geschichte“ öffentlich kritisiert? Schreibt doch mal einen Brief. Nehmt euch ein Beispiel an euren russischen Kollegen. Kacke, Scheiße, Mistkotzedrecksarschpisse!
Tipp für heute: Viktor Jerofejew lesen.
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