Ausnahmezustand

18. Juni 2010

Ein bisschen wie nach einem Neutronenbombenangriff wirkte es heute mittag durch die Stadt zu spazieren, aber da man ja wusste, dass sich alle Neutronenbomben dieser Welt noch in ihren Arsenalen befinden (weiß man das?), dass lediglich eine Fußball-WM stattfindet bei der die Bundesrepublik Deutschland gerade gegen Serbien verliert, konnte man die Ruhe und Leere richtiggehend genießen. Kein Auto auf der Schönhauser Allee, keine Menschen auf der Straße, Stille, weiße Wölkchen am Himmel, niemand kauft ein, kein Hund bellt, das Handwerk ruht. Das Handwerk ruht? Nein, natürlich nicht! Nicht überall! Kaum biege ich nämlich in meine Heimatgasse ein, da höre ich sie auch schon, die Vuvuzelas des Straßenbaus, die Steinsägen. Sodom und Gumera! Steinsäger kennen keine Pause. Ackern, ackern, ackern. Fußball-WM Finale, Weihnachten, die eigene Beerdigung, das Steinesägen, es muss weitergehen. Im Straßenbau waren wir schon immer Weltmeister. Grüße gehen heute an den Baguetteverkäufer Cäsar aus Anatolien, Kopf hoch, es gibt auch ein Leben nach der Fußball-WM und an den italienischen Koch, Verzeihung sardischen Koch natürlich, der mittags ganz allein in seinem Bistro stand (wenn man mich mal von der Gesamtmenge abzieht) und der mit seinem Spielergebnistipp immerhin näher dran lag als ich.

Tipp für heute: Das Unterste zuoberst kehren.

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Ein Kommentar zu “Ausnahmezustand”

  1. 01

    Man hätte es genießen können, wenn man kein Examen geschrieben hätte… Obwohl… es stimmt, es war so ruhig auf den Straßen und im Park in Biesdorf.

    dag am 18. Juni 2010 um 20:08

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