Corona-Tagebuch 88

9. Juni 2020

Scheute mich ein bisschen, unter dieser Zahl einen Tagebucheintrag zu machen. Wollte ihr allerdings auch nicht zu viel Gewicht beimessen. Die 88 einfach überspringen und mit der 89 weiter machen? So wie in einigen Ländern mit Stockwerken verfahren wird oder den Sitzreihen in Flugzeugen, wo es dann keine 13 gibt oder keine … 7 vielleicht? Nein, nein, nein. Wir müssen die 88 aus den Fängen der Nazis befreien. In Rheinland/Pfalz dürfen am Mittwoch nun doch keine Bordelle wieder eröffnen. Man möchte eine Verlagerung von Sexualdienstleistungen nach Rheinland/Pfalz vermeiden. Dafür können Bars, Kneipen und Restaurants in Berlin trotz Corona-Einschränkungen wieder länger als 23 Uhr aufmachen, ab sofort. Grund ist ein Gerichtsurteil nach der Klage eines Wirtes. Angesichts der großen Demonstrationen am Wochenende gegen Rassismus erklärte Baden/Württembergs Innenminister Thomas Strobl (CDU), dass „die unsichtbare Gefahr der Ansteckung mit einer tödlichen Krankheit“ immer gegenwärtig sei und fordert: „Wir brauchen eine Einschränkung des Demonstrationsgrundrechts, das eben Veranstaltungen nur bis zu einer bestimmten Größe überhaupt zulässig sind, das Abstand einzuhalten ist.“ Ich hoffe, dieser Antidemokrat wird jetzt ordentlich in seine Schranken gewiesen. Wie wäre denn seine Lieblingsobergröße einer Demonstration? 15 Personen? 5 Personen? 3 Personen? Und die müssen dann 10 m Abstand zueinander halten, richtig? SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach empfiehlt einen Verzicht auf Sprechchöre, nicht grundsätzlich allerdings, sondern während der kritischen Phase einer Epidemie. Nach der Auswertung des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung verbrachten im April 2020 während des Lockdowns Männer durchschnittlich 4,2 Stunden mit der Kinderbetreuung an Werktagen hierzulande, Frauen 7,6 Stunden, mit Hausarbeit vergnügten sich die Männer knapp eine Stunde, die Frauen 2,1 Stunden. Das Institut sah jene Zahlen als fortschrittlich an. Sie zeigten, dass Männer und Frauen der Gleichberechtigung näher kämen. Bis zu 200.000 Seeleute sitzen nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) wegen Corona-Schutzvorschriften weltweit auf Schiffen fest. Die Weltbank erwartet die schwerste Weltwirtschaftskrise seit dem 2. Weltkrieg. Über 1.000 Covid-19-Tote in Südafrika, über 6.000 in Russland, über 110.000 in den USA. Präsident Trump vor ein paar Tagen: „Wir haben jede Entscheidung richtig getroffen.“ Auch damit hat er sicherlich recht. Was denn sonst?

Tipp für heute: Sich über die gesamte Länge des Tages und der Nacht verteilen, wenn man Kneipen besucht, verringert die Ansteckungsgefahr.

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