Corona-Tagebuch 93

14. Juni 2020

Eine lustige Fahrerei war das gestern. Senefelderplatz bis Pankow mit der U-Bahn, Pankow bis Blankenburg mit der S-Bahn, Blankenburg bis Bernau mit der S-Bahn, Bernau bis Werneuchen/Altstadt mit dem Bus. Zurück: Werneuchen bis Ahrensfelde mit dem Auto (vielen Dank an jene hilfsbereiten Zuschauer, die mich hinfuhren), Ahrensfelde bis Marzahn mit der S-Bahn, Marzahn bis Lichtenberg mit dem Bus, Lichtenberg bis Alexanderplatz mit der S-Bahn, Alexanderplatz bis Rosa-Luxemburg-Platz mit der U-Bahn. Und trotzdem gab es noch Zeit für andere Dinge an diesem Sonnabend. Zum Beispiel für meinen ersten Solo-Auftritt nach dem Corona-Lockdown. Ich habe deutlich gemerkt, dass ich das Singen noch mal hätte üben müssen. Die Blicke der anwesenden Zuschauer schienen an meinen Stimmbändern zu nagen. Wichtig auch für Veranstalter allgemein, Open-Air-Lesungen unter Kunststoffpavillons auf welche der Regen prasselt sind unter akustischen Aspekten durchaus problematisch. Zum Glück konnten wir die Lesung nach drinnen verlegen und mir zumindest hat es sehr viel Spaß bereitet. Am 04.09. komme ich wieder, dann können bestimmt auch diejenigen, welche wegen des Gewitters ihre gekauften Karten verfallen ließen. Warnen möchte ich vor dem Currywurst-Imbiß auf dem S-Bahnsteig Richtung Stadtmitte in Lichtenberg, der mit ‚Lichtenberger Spezialitäten‘ wirbt. Vielleicht soll dieser ja ankommende Fremde abschrecken in dem Bezirk heimisch zu werden, mir jedenfalls wurde regelrecht schlecht nach dem Genuss der Wurst. Und ich bin in Lichtenberg aufgewachsen! Ab 15. Juni gelten keine Kontaktbeschränkungen mehr in Brandenburg. Veranstaltungen werden wieder für bis zu 1.000 Menschen zugelassen, auch Konzerte. Es gibt keine Obergrenze mehr für Demonstrationen. Montag öffnen dort bereits die Kindergärten für alle Kinder, die Schulen sollen nach den Sommerferien (10.08.) zum normalen Unterricht zurück kehren. Ebenfalls ab Montag wird an den deutschen Grenzen zu Frankreich und Luxemburg nicht mehr kontrolliert. Dann öffnet auch Norwegen seine Grenzen zu allen Nachbarländern außer Schweden. Puerto Rico beendet den Lockdown, die Grenzen sollen ab 15. Juli öffnen. In Indien dagegen erwägt die Regierung Luxushotels und Sportstätten in Lazarette umzuwandeln, nachdem die Lage sich dramatisch verschlechterte. In Chile wurde der Gesundheitsminister abgesetzt, dem vorgeworfen wird, er hätte nicht früh genug Beschränkungen zur Eindämmung der Pandemie verhängt. Brasilien ist mit 42.720 Covid-19-Toten das mittlerweile von Corona am zweitmeisten betroffene Land der Welt. Über 3.000 Tote in Chile, über 9.000 Tote in Indien, über 115.000 Tote in den USA. Dort bekam am Sonnabend der 70-jährige Bürger Michael Flor nach einem schweren Covid-19-Verlauf die Rechnung der Klinik über 1.122.501,04 Dollar (rund 997.000 €) präsentiert, woraufhin ihm, laut der ‚Seattle Times‘, das Herz „beinahe zum zweiten Mal stehen geblieben“ wäre. Bezahlen muss er allerdings nicht, da der US-Kongress Krankenhäuser für die Behandlung von Covid-19-Patienten mit 100 Millionen Dollar entschädigt.

Heute: Berlin, Schankwirtschaft Baiz, 20 Uhr: Reformbühne Heim & Welt mit Heiko Werning, Dr. Jakob Hein (ich will nicht zu viel verraten, hab aber bereits einige Taschentücher eingepackt), Falko Hennig, Gott und mich, aus Steglitz per Video mit seiner legendären Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne Jürgen Witte und unserem Superstargast aus Bayern, der zauberhaften Eva Karl-Faltermeier (Toni Mahoni musste aus gesundheitlichen Gründen absagen). Karten sind leider bereits ausverkauft, wir streamen allerdings weiterhin auf unserem Facebook-Kanal. Bestellungen für nächsten Sonntag unter reservierung-reformbuehne@web.de.

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