Corona-Tagebuch 152
18. August 2020
In Weißrussland und Bulgarien deutet sich ein Sturz der Regierung an. Der letzte europäische Diktator Lukaschenko wurde bei einem Fabrikbesuch vor erlesenen Arbeitern ausgebuht. In Bulgarien erklärte sich der konservative Präsident Borissow nach wochenlangen, täglichen Demonstrationen bereit, im Falle von Parlamentswahlen zurücktreten zu wollen. In Berlin regnet es, wenn auch zaghaft. Zwei Tage moderate Temperaturen (25°C) versprechen die Meteorologen. Eine Krankenschwester erzählte mir am Wochenende, dass sie die Dialyse-Station in ihrem Krankenhaus für Covid-19-Patienten frei räumen mussten, dann aber keine gekommen wären. Insgesamt werden in allen Berliner Krankenhäusern zusammen derzeit 35 Menschen wegen Covid-19 behandelt, davon 14 auf einer Intensivstation. Glücklicherweise so wenige. Da durch Beobachtungen mittlerweile davon auszugehen ist, dass eine explosionsartige Zunahme der schweren Fälle nicht bevor steht, sollte man die Maßnahmen der Situation vielleicht mal anpassen, damit nicht andere Kranke der Pandemie zum Opfer fallen. Den beiden Wissenschaftlern Dennis Gräf und Martin Hennig von der Universität Passau zufolge haben ARD und ZDF in den ersten Monaten der Corona-Pandemie mit ihren Sendungen einen massenmedialen „Tunnelblick“ erzeugt. „Sondersendungen wurden zum Normalfall und gesellschaftlich relevante Themen jenseits von Covid-19 ausgeblendet: Es war eine Verengung der Welt.“ sagte Gräf dem Evangelischen Pressedienst (epd). Sie kamen zu dem Schluss, Journalismus müsse differenzierter sein und Maßnahmen auch grundsätzlich hinterfragen. Dies sei bei den Öffentlich-Rechtlichen Sendern nicht geschehen. Nigeria öffnet seine Flughäfen ab 29.08. wieder für internationale Flüge. Inlandsverbindungen bestehen bereits seit 1. Juli. Ab dem 23. März waren in Nigeria alle Flughäfen für Passagierflüge geschlossen worden. Südafrika hebt das Verkaufsverbot für Alkohol und Tabak auf. Die Berliner Charite befürwortet Klassikkonzerte und Opern in vollen Sälen, wenn gut belüftet, desinfiziert und Mund-Nasen-Schutz getragen werde. Tschechien verfügt erneut eine Maskenpflicht im ÖPNV, Geschäften und öffentlichen Gebäuden. Malta schließt alle Bars und Nachtclubs. Bootspartys werden verboten, keine Ansammlung von Gruppen über 15 Personen mehr erlaubt. Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte Stephan von Dassel (Grüne) schlägt „ein Übertragungsverbot für die am Dienstag und Mittwoch stattfindenden Halbfinale in der Champions-League“ vor, weil Fußballgucker in Kneipen massiv durch Verstöße gegen Corona-Regeln aufgefallen seien. Über 100 Covid-19-Tote meldet Paraguay, über 300 Costa Rica, über 500 Bulgarien, über 800 der Sudan, über 900 Moldawien, über 3.000 Rumänien. Die Bundespsychotherapeutenkammer machte gestern in Berlin darauf aufmerksam, dass die Corona-Pandemie bei vielen Menschen psychische Störungen auslösen oder deutlich verschlimmern kann. Wer, liebe Leserinnen und Leser, hätte das gedacht?
Tipp für heute: Vielleicht auch Forschungen einleiten, ob man im Dunkeln schlechter sieht?
Ein Kommentar zu “Corona-Tagebuch 152”
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Wir müssen uns nur ein gutes Modell ausdenken, wenn wir uns finanziell verbessern wollen. Die Dunkeluntersuchung wäre so etwas, oder auch, warum Menschen mit wenig Geld nicht in Urlaub fahren und dann die Covid- Untersuchungen selbst zahlen müssen. Im Gegenzug haben sie die Rückreise der Urlauber vor Monaten und jetzt die Reihenuntersuchung der Urlaubsheimkehrer mit finanziert.
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