Corona-Tagebuch 154
20. August 2020
Direkt gerührt war ich, nachdem ich mir gestern den Dokumentarfilm über die Kinks in der ARTE-Mediathek ‚Die bösen Jungs des Rock ’n Roll‘ anschaute. Muss mir unbedingt deren Platte „Are the Village Green Preservation Society“ zulegen. Vielleicht wird das ja mein neues Lieblingsalbum, für eine gewisse Zeit. Ein neues Lieblingsspiel haben wir ebenfalls. Es heißt ‚Stadt, Land, Tod‘. Hat nichts mit Corona zu tun, dafür viel mit ‚Stadt, Land, Fluss‘. Nur ohne Stadt, Land und Fluss. Dafür mit den Kategorien: Mordmotiv, Mordwaffe, Tatort, Todesursache, Fluchtfahrzeug, Mördername und ‚Letzte Worte des Opfers‘. Das Gute an dem Spiel, in unserer Variante, es geht nicht darum schnell fertig zu werden oder viele Punkte zu sammeln, sondern eine kleine Geschichte soll entstehen, die vielleicht sogar zum Lachen anregt. Nicht witzig, bei der Fluggesellschaft ‚Eurowings‘ können sich Passagiere künftig für 18 € einen freien Mittelplatz in den typischen Dreier-Sitzreihen dazu kaufen. Die Lufthansa-Tochter nennt das „Service“. Ich nenne das „Frechheit“. Infektionsschutz für Besserverdienende. Beim Ferienflieger ‚Condor‘ kostet diese Sauerei bereits 39,90 €. Der Campingplatz ‚Am Leuchtturm Campen‘ in Krummhorn (Landkreis Aurich) lässt ab jetzt nur noch Gäste zu, welche die Corona-App auf ihrem Handy installiert haben. Da ich kein Handy besitze, wäre der für mich verbotene Zone. Zum Glück hasse ich Campingplätze. Bilder einer Pool-Party aus Wuhan, wo Hunderte letzten Sonnabend dicht an dicht und ohne Masken im Wasser ihren Spaß hatten, erregten außerhalb Chinas, zum Beispiel in der BILD-Zeitung, die Gemüter. „Unglaublich“ „Und das in der Brutstätte des Coronavirus“ wurde sich beschwert. Frage: Was wäre angemessen für die „Brutstätte des Coronavirus“? Leidende Gesichter bis zum Jüngsten Gericht? „Angeblich“ gäbe es dort seit Mai keine Infektionen mehr. „Angeblich“. Bin mir ausnahmsweise mit einer chinesischen Zeitung (‚Global Times‘) mal einig, blanker Neid. Rekorde an Neuinfektionen melden Kroatien, 219 am Tag, Griechenland, 269 am Tag und die Ukraine, 2.134 am Tag. In Deutschland wurden gestern 1.707 Neuinfektionen registriert, Höchstwert seit Ende April. Laut ‚New York Times‘ werden in Venezuela Personen, die möglicherweise mit dem Virus in Kontakt kamen als „Bioterroristen“ stigmatisiert. Man fordert dazu auf Infizierte zu denunzieren. Tausende Venezolaner, die nach Verlust ihres Arbeitsplatzes im Ausland einreisen, werden in „Eindämmungszentren“ eingewiesen. Beschlagnahmte Hotels, stillgelegte Schulen, abgesperrte Busbahnhöfe, wo man sie wochenlang einpfercht und militärisch bewacht. Corona-Tests oder Behandlungen werden mit ungeprüften Medikamenten durchgeführt, die Versorgung mit Wasser oder Lebensmitteln sei rudimentär. Bewohnern der Großstadt San Cristobal zufolge, kennzeichnen Aktivisten der Regierungspartei Häuser von Familien, die in Verdacht stünden, infiziert zu sein. Über 300 Menschen starben in Venezuela bisher offiziell an Covid-19, über 500 in Kenia, über 600 in Äthiopien, über 20.000 im Iran, über 110.000 in Brasilien. In Speyer erregte sich ein Maskenverweigerer, als er in der Kaufhalle gebeten wurde Maske aufzusetzen, derart, dass er der Filialleiterin seine Einkäufe vor die Füße warf, sie beleidigte, wutentbrannt das Geschäft verließ und mit seinem Auto beim Ausparken in einen, hinter dem Parkplatz gelegenen, Wassergraben fuhr. Schaden: 20.000 €. Das Fahrzeug musste mit dem Kran geborgen werden.
Heute: Dresden, Deutsches Hygiene-Museum (Open Air!, ausverkauft), 20 Uhr: Traditionelles Sommergastspiel der Dresdner Lesebühne ‚Sax Royal‘ zum Thema Essen mit Michael Bittner, Stefan Seyfarth, Roman Israel und den Gästen Tilman Birr sowie mich
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