Corona-Tagebuch 127

26. Oktober 2020

Eine wunderschöne Reformbühne am Sonntagabend in der Baiz erlebt. Und doch redeten wir im Anschluss darüber, ob wir freiwillig unsere Zuschauerzahlen weiter begrenzen. Sind erwachsen geworden. Leider. Übernehmen Verantwortung. Könnte auch sein, dass wir schon nächste Woche wieder beginnen zu streamen, für diejenigen, denen ein Livebesuch zu riskant erscheint, trotz der tollen Belüftungsanlage, welche die Schankwirtschaft Baiz zu bieten hat. Das Ringeltaubenei habe ich gestern übrigens in ein Beet unseres Hinterhofes gelegt. Okay, ich will ehrlich sein, ich habe es aus dem Fenster geschmissen. Es ist aber nicht kaputt gegangen, jedenfalls nicht durch den Wurf, ein anderes Vögelein muss es später aufgepickt haben. Sonnabend Nacht wurde das Berliner Robert-Koch-Institut mit Brandsätzen beworfen. Ein Mitarbeiter konnte die Flammen löschen. Die Täter blieben unerkannt. Trauriger Widerstand. Auf meinem Rückweg aus der Baiz in einem Hauseingang ’ne Kiste mit Hochglanz-Kunstdruck-Zetteln entdeckt, die laut Eigenaussage von 700 Ärzten stammen, welche sich ‚Ärzte für Aufklärung‘ nennen. Sie „informieren“ uns über den Unterschied zwischen einer echten und einer „Fake Pandemie“. Bei einer Echten: „Jeder kennt schwer Erkrankte aus seiner direkten Umgebung/Familie.“ Bei einer Fake Pandemie: „Krankheitsfälle sind meist nur aus den Medien bekannt.“ Bei einer Echten: „Menschen haben Angst zu sterben und versuchen alles, um sich zu schützen, wobei der Staat bei unnötigen Überreaktionen aufklärt.“ Bei einer Fake Pandemie: „Menschen haben Angst vor Bestrafung. Maßnahmen werden durch sozialen Druck und Staatsgewalt durchgesetzt.“ Und das geht in einem fort. Echt: „Menschen kämpfen mit einer humanitären Katastrophe.“ Fake: „Menschen kämpfen um Toilettenpapier.“ Echt: „Fakten und Erkenntnisse werden gesucht und jede Hilfe in der Not angenommen.“ Fake: „Renommierte Wissenschaftler werden ignoriert und sogar öffentlich in den Medien lächerlich gemacht.“ Ich denke, man muss niemanden dieser ‚Ärzte für Aufklärung‘ lächerlich machen, dafür sorgen sie leider selbst. Wer war denn damals bei der Pest dabei, als der Staat „bei unnötigen Überreaktionen“ aufklärte? ‚Ärzte für Aufklärung‘ empfehlen übrigens „Küssen, Knuddeln und Umarmen“, „Schlaf“, „Buntes Essen“, „Lachen“ und „Bewegung“. Und, kann man ja sicher auch empfehlen, ist gesund, hat nur nichts mit der gegenwärtigen Pandemie zu tun. Unter Garantie wird es übrigens auch bei Pest und Spanischer Grippe solche „Emfehlungen“ gegeben haben. Italien schließt ab heute Theater, Kinos und Fitnessstudios, die Sperrstunde für die Gastronomie gilt bereits ab 18 Uhr. Spaniens Regierung erklärt den Notstand. In Slowenien wird die Bewegungsfreiheit weiter eingeschränkt. Einwohner dürfen ab morgen ihre Gemeinde ohne „triftigen“ Grund nicht mehr verlassen. Rekorde an Neuinfektionen melden Litauen, 603, die Slowakei, 3.042, Ungarn, 3.149, die Niederlande, 10.203, Italien, 21.273 und Frankreich, 52.010. Bulgarien Präsident Boiko Borissow hat Corona und klagt über „allgemeines Unwohlsein“. In der westchinesischen Stadt Kashgar sind 137 Menschen positiv getestet worden, von denen keine Person Husten oder Fieber hat. Alle befänden sich unter Quarantäne und medizinischer Überwachung im Krankenhaus. Erneut ein Zeichen der Hoffnung für eine mutierte Variante? Über 100 Covid-19-Tote in Uganda, über 900 in Kenia und in Nord-Mazedonien, über 7.000 auf den Philippinen, über 225.000 in den USA. Venezuelas Staatspräsident Nicolas Maduro verkündete gestern stolz, dass in seinem Land ein hochwirksames Mittel gegen das Coronavirus entdeckt worden sei. Jenes Molekül DR-10, so Maduro, vernichte Covid-19 (er meinte wahrscheinlich das Coronavirus) zu „100%“ und zwar ohne Nebenwirkungen zu verursachen. Na bitte. Hurra!

Tipp für heute: In die Hände klatschen und sich freuen.

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