Corona-Tagebuch 138

6. November 2020

Man trifft sich wieder vermehrt in Parks und auf Friedhöfen, um zu spazieren. Im Fernsehen äußern Jugendliche, sie würden den Teil-Lockdown dazu nutzen um aufzuräumen, bunte Herbstblätter auf Papier zu kleben, sich im Garten zu entspannen. Andere möchten noch mal grillen oder stürmen die Baumärkte. Die Bundesregierung plant Gastronomie- und anderen Betrieben sowie Solo-Selbstständigen, die derzeit keine Einkünfte wegen des Lockdowns hätten, 75% ihres November-Verdienstes von 2019 auszuzahlen und stellt dafür 10 Milliarden Euro zur Verfügung. Ich komme mir blöd vor, davon Geld zu beantragen, da ich noch was gespart habe, aber wäre es nicht eher blöd es nicht zu tun? Wer weiß, wie lange das noch so dauert, wie lange mein Erspartes reicht, ob es dann noch mal was gibt? Französische Gymnasiasten fordern bessere Schutzmaßnahmen gegen die Ansteckungsgefahr und haben aus Protest mehrere Schulen im Westen des Landes vorübergehend blockiert. Die Zuggesellschaft Thalys stellt ihre Hochgeschwindigkeitsverbindungen aus Paris und Brüssel nach Deutschland ein. Griechenland geht ab morgen in den landesweiten Lockdown. Geschäfte, mit Ausnahme von Supermärkten und Apotheken schließen für mindestens drei Wochen, wer das Haus verlassen will, muss sich eine Zeitspanne dafür genehmigen lassen. Italiens Regierung hat eine Aufteilung des Landes in drei Zonen beschlossen. In der „Roten Zone“, die derzeit vier Regionen betrifft, dürfen Menschen ohne triftigen Grund das Haus nicht mehr verlassen, Bars und Restaurants müssen schließen, Präsenzunterricht findet nur noch bis zur 6. Klasse statt. Hunderte demonstrierten in Bergamo gestern gegen die Ausgangssperre. In ganz Italien sind für heute Streiks der Taxifahrer angekündigt. Streiken, wenn man kaum noch Arbeit hat? Ob das die adäquate Protestform ist? Nach Übertragung mutierter Coronaviren von Nerzen auf Menschen hat Dänemark einen harten Lockdown für die Region Nordjütland angekündigt. Ab morgen wird dort die Gastronomie geschlossen, öffentliche Verkehrsmittel fahren nicht mehr, die Bevölkerung wird „ermutigt“ die Region weder zu verlassen noch einzureisen. Norwegen ordnet eine 10-tägige Quarantänepflicht für Touristen aus Ländern mit hohen Infektionszahlen darunter Dänemark und Deutschland an. 14 Tage in Quarantäne müssen Reisende aus Deutschland, Schweden und Dänemark künftig wieder in Großbritannien. Bei einer Anti-Lockdown-Demo in London wurden mehr als 100 Personen festgenommen. In der slowenischen Hauptstadt Ljubljana ist es zu schweren Ausschreitungen während einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen gekommen. Flaschen, Steine, Rauchbomben und Knallkörper wurden geworfen, die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas ein. Aufgerufen zu den Protesten hatte unter anderem ein slowenischer Zweig der Hacker-Gruppe ‚Anonymous‘. Rekorde an Neuinfektionen melden Lettland, 367, Österreich, 7.416, Russland, 20.582, Deutschland, 21.506, Polen, 27.143, Italien, 34.505 und die USA, 121.888. In Leipzig soll morgen eine große Querdenker-Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen stattfinden. Angemeldet sind 20.000 Menschen. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer spricht sich für eine deutliche Beschränkung der Teilnehmerzahl aus: „In dieser Zeit ist eine Demo mit 20.000 Leuten ein riesiges Corona-Verbreitungs-Event“. Das Motto des Aufzugs lautet übrigens „Freiheit durch Einheit. Die zweite friedliche Revolution“. Was nach dieser „Revolution“ kommen soll, könnte uns ruhig mal verraten werden, finde ich.

Tipp für heute: Erst überlegen, bevor man revoltiert.

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