Corona-Tagebuch 199

6. Januar 2021

Billig-Hühnchen. Die Tochter soll im Home-Schooling etwas über Billig-Hühnchen schreiben, in Geographie, was sich mittlerweile wieder Erdkunde nennt. Billig-Hühnchen. Finde ich ein schönes Wort. Würde gerne ein Gedicht drüber schreiben. Auch als Name für `ne Punk-Band kann ich mir ‚Billig-Hühnchen‘ gut vorstellen. Die Idee einen Fotokalender mit Bildern schmutziger Schneemänner vom letzten Sonntag, dem bisher einzigen Tag dieses „Winters“ wo eine hauchdünne Schneedecke auf den Grünflächen der Stadt zumindest für kurze Zeit mal liegen blieb, will Kollegin Susanne Riedel nächsten Sonntag in die Tat umsetzen. Muss noch dran denken ihr ein paar Aufnahmen zu schicken. Gestern wurde der Shutdown in Deutschland bis 31. Januar verlängert. Und verschärft. Private Zusammenkünfte sind nur noch mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person erlaubt. In Gebieten mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen 7 Tagen dürfen sich Menschen ohne „triftigen Grund“ nicht weiter als 15 km von ihrem Wohnort entfernen. Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, hält die neuen Einschränkungen allenfalls stichpunktartig für durchsetzbar: „Die Polizei kann nur schwerpunktmäßig kontrollieren, nicht flächendeckend.“ Das Statistische Bundesamt teilte mit, dass in den ersten drei Quartalen 2020 dem deutschen Staat durch die Auswirkungen der Pandemie ein Defizit von 157,1 Milliarden € entstanden ist. Finanzminister Olaf Scholz macht sich keine Sorgen um die Finanzierung der Maßnahmen: „Wir können die Hilfen bereitstellen, die notwendig sind.“ und „Wir können das lange durchhalten.“ Auch Lettland verlängert den Shutdown bis zum 25. Januar. Die Niederlande haben heute als letztes Land der EU mit dem Impfen begonnen. Dänemark erlaubt künftig einen Abstand von bis zu 6 Wochen zwischen der ersten und der zweiten Impfung, in Großbritannien ist die Möglichkeit sogar auf 12 Wochen erweitert worden. Treffen dürfen sich in Dänemark künftig nur noch fünf statt zehn Menschen. Luxemburg lockert. Ab Montag dürfen Geschäfte unter Auflagen wieder öffnen, Schulen, Kultur- und Sporteinrichtungen ebenso, nur Kneipen und Restaurants bleiben geschlossen. In der Provinz Hebei, die Peking umschließt, sind in den letzten Tagen die ersten lokal übertragenen Infektionen seit Juni in China verzeichnet worden. Nun setzt man Ermittlerteams ein, um Kontaktpersonen positiv Getesteter aufzuspüren. Ein Dorf befindet sich im Lockdown. Wegen Überlastung durch die aktuelle Corona-Welle sind Rettungskräfte im US-Bezirk Los Angeles angewiesen, Patienten mit geringer Überlebenschance nicht mehr in die Krankenhäuser zu bringen. Sei bei Herzstillstand eine Wiederbelebung vor Ort nicht erfolgreich, sollten Patienten „nicht transportiert werden“. Die Chefin des Gesundheitsamtes, Christina Ghaly, bat darum, Krankenhäuser nur in absoluten Notfällen aufzusuchen. Einen Rekord an Neuinfektionen meldet Thailand, 745 Fälle am Tag, die USA melden einen neuen Höchststand täglicher Covid-19-Toter, 3.775. Über 400 Covid-19-Tote (insgesamt) verzeichnen Sambia und Simbabwe, über 700 Lettland, über 8.000 die Schweiz, über 20.000 die Ukraine, über 150.000 Indien, über 355.000 die USA. In Zürich wurde eine positiv getestete 17-jährige Niederländerin vorübergehend festgenommen, weil sie im Schweizer Kanton Wallis aus einer angeordneten Quarantäne geflüchtet war und mit dem Flugzeug in ihre Heimat zurück wollte. Sie hatte am Flughafen einen gefälschten Test mit negativem Ergebnis vorgezeigt. Filmemacher, euer Stoff, oder? Anfangsidee für ein Roadmovie? Muss natürlich noch eine Odyssee quer durch Europa folgen, Showdown offen.

Tipp für heute: Oder ganz was anderes.

Allgemein | Kommentare

Kommentar schreiben

  •  
  •  
  •  

Verfolge neue Kommentare zu diesem Beitrag mit diesem Kommentar-Feed.

Kategorien