Corona-Tagebuch 205

12. Januar 2021

Geträumt, ich machte einem österreichischen Rentnerpärchen eine Freude und schenkte ihnen Geld, beglich ihre Schulden, was im Falle der Frau über 4.000, im Falle des Mannes über 50.000 € ausmachte. Das Einzige, was mir Sorge bereitete, ob sie es tatsächlich auch glaubten, ob sie wirklich zur Kasse der Arbeitslosenhilfe in der Nähe des Wiener Hauptbahnhofes hingehen würden, um sich ihr Geld dort auszahlen zu lassen. Mir scheint es richtig gut zu gehen, finanziell, im Traum zumindest. Mit meiner Steuerberaterin versuche ich gerade Dezemberhilfe zu beantragen. Für Januar und die folgenden Monate geht das nicht mehr, da sollen nur noch laufende Kosten erstattet werden und die sind, wie bei allen freischaffenden Künstlern, marginal. Werde mich also auf ein neues Hartz-IV-Kapitel vorbereiten, Herz, was willst du mehr? Die Jury der ‚Sprachkritischen Aktion‘ in Darmstadt hat gleich zwei Wörter zum ‚Unwort des Jahres 2020‘ erklärt, ‚Corona-Diktatur‘ und ‚Rückführungspatenschaften‘. Letzteres soll bei Abschiebungen in Gebrauch sein, zynisch, habe es allerdings noch nie vernommen. Mein Vorschlag ‚Unwort‘ als ‚Unwort des Jahres‘ zu nehmen, ist nicht berücksichtigt worden. Weil die Jury keine Gedanken lesen kann? Auf dem Pappschild eines Querdenker-Demonstranten vor dem Privatgrundstück des sächsischen Ministerpräsidenten Kretschmer war Sonntag zu lesen: „Wer Völkermord betreibt hat das eigene Lebensrecht verwirkt!“ Es ist nie das einzelne Wort, was „böse“ ist, es ist das Denken, das hinter den Wörtern steckt. Deswegen halte ich politisch korrekte Tilgungen von Wörtern für einen Irrweg, ja, für contraproduktiv, da sie nicht an der Wurzel des Problems rühren. In Italien haben viele Schüler vor ihren Schulen gegen die Verlängerung des Distanzunterrichtes demonstriert. „Wir wollen wieder in unsere Klassenräume, weil wir schon lange zuhause vor unseren Computern waren“ sagte eine Schülerin im Fernsehsender Rai News 24. Auf den Balearen sind Treffen im privaten Kreis verboten worden, sowohl zuhause, wie im öffentlichen Raum. Von Mittwoch an müssen alle Bars, Restaurants, Einkaufszentren und Fitnessstudios dort schließen. Der malaysische König hat den Corona-Notstand ausgerufen und bis August sämtliche Parlamentssitzungen untersagt, außerdem wurde in sechs Provinzen ein Lockdown verhängt. Südafrika verlängert seine Maßnahmen „bis auf Weiteres“ und schließt die Grenzübergänge bis zum 15. Februar. Der Libanon hat den Gesundheitsnotstand ausgerufen und eine elftägige, vollständige Ausgangssperre erlassen, auch Lebensmittelläden müssen schließen, dürfen nur tagsüber noch Lieferdienste anbieten. Tschechien verbietet die Einfuhr von Leichen zur Einäscherung aus den Nachbarstaaten. Vor allem Krematorien in Deutschland und Österreich boten dies an. Grund für die Einschränkung sei der erwartete Anstieg der Todeszahlen. In Irland sind mittlerweile 45% aller Neuinfektionen auf die B.1.1.7.-Variante zurückzuführen, die Infektionsrate hat sich in den letzten drei Wochen verzehnfacht. Nachgewiesen wurde die Variante nun auch in Lettland. Portugals Präsident, Marcelo Rebelo de Sousa, ist positiv getestet worden, zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl. Alle öffentlichen Auftritte wurden abgesagt. Einen Rekord an Neuinfektionen meldet Israel, 9.589 Fälle am Tag. Trotz Verbotes hat gestern ein Pelzhändler aus Regensburg demonstrativ seinen Laden für eine Stunde geöffnet und muss nun mit einem Bußgeld rechnen. Auch in Mexiko-Stadt öffneten viele Restaurants trotz Verbotes ihre Türen, laut Eigentümern sei dies allerdings kein Akt der Rebellion sondern ein Akt der Verzweiflung. Guilliano Lopresti, Besitzer des Lokals ‚Quebracho‘: „Wir öffnen, denn die einzig andere Option ist der Tod.“ Über 2.000 Covid-19-Tote verzeichnet Äthiopien, über 3.000 Slowenien, über 375.000 die USA. Der britische Premier Boris Johnson, nach einem Fahrradausflug zur Zeit in der Kritik, hat die traditionelle chinesische Medizin für den Ausbruch des Coronavirus verantwortlich gemacht: „Es stammt von Fledermäusen oder Schuppentieren, von dem irrsinnigen Glauben, dass man an Potenz gewinnt oder was auch immer die Leute glauben, wenn man die Schuppen eines Schuppentieres zermahlt.“ und weiter: „Es entsteht aus dieser Kollision zwischen der Menschheit und der Natur und wir müssen dies stoppen.“ Bin zwar kein Experte, glaube jedoch, was wir dringend stoppen sollten, ist die Idee, die Menschheit würde nicht zur Natur dazu gehören.

Tipp für heute: Ein paar Schuppen zermahlen, die eigenen natürlich, von der Kopfhaut.

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