Corona-Tagebuch 213
20. Januar 2021
Der Shutdown wurde gestern erneut verlängert, jetzt bis zum 14. Februar. Schulen und die meisten Läden bleiben zu, Gastronomie und Kultur sowieso. Betriebe sollen Home-Office einführen, „da, wo es möglich ist“. Außerdem beschlossen, eine Pflicht zum Tragen von FFP-2-Masken oder OP-Masken im Einzelhandel und ÖPNV. Da folgt man dem bayrischen Vorbild, wo dies seit Montag bereits gilt. Empfänger von Grundsicherung, Obdachlose und Nutzer von Tafeln (gemeint sind Lebensmittelausgabestellen für arme Menschen, nicht solche, wo man mit Kreide drauf schreibt oder malt) bekommen vom Freistaat kostenlos 5 (!) FFP-2-Masken zugeteilt. Waschen darf man sie nämlich nicht, sie gelten als Einwegprodukt, man kann sie allerdings, wie Experten raten, mehrmals verwenden, falls man sie zwischendurch bei Zimmertemperatur mindestens 7 Stunden an einem Haken aufgehängt trocknet. Für 7 Tage sollten 7 Masken vorrätig sein, die man dann abwechselnd benutzt. Dies nun bitte einem Obdachlosen erklären. Anderes Problem, solche Masken funktionieren wohl nicht richtig bei Bartträgern. Erlangens Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) hat sich deshalb seinen abrasiert und eine ‚Bart-ab-Challenge‘ ins Leben gerufen. Mal sehen, ob sich unsere Hipster (gibts die überhaupt noch?) in Berlin-Mitte daran beteiligen. Gekippt hat der bayrische Verwaltungsgerichtshof das allgemeine Alkoholverbot in Bayern, in der Öffentlichkeit. Er verwies darauf, dass nach dem Infektionsschutzgesetz jenes nur an bestimmten Orten zulässig sei. Prost! Weil es vor Corona schützen sollte, haben tausende Menschen auf Sri Lanka ein Wundermittel aus Honig, Muskatnuss, Koriander und anderen Kräutern getrunken, von dem ein heiliger Mann behauptete, das Rezept direkt von der hinduistischen Göttin der Zerstörung, Kali, erhalten zu haben. Unter jenen, welche den Trunk probierten, befand sich auch der Minister für Frauen, Kinderentwicklung und Bildung (!) Piyal Nishantra de Silva, der nun wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Auch Israel verlängert seinen Shutdown bis 31.01.. In Washington D.C. findet heute zum ersten Mal die Amtseinführung eines neuen Präsidenten unter Militärschutz und ohne Publikum statt. Stattdessen wurden viele kleine USA-Fähnchen in den Boden gesteckt. Als letzte Amtshandlung begnadigte Donald Trump schnell noch einige seiner korrupten Spießgesellen, darunter den bekannten Rechtsextremen Steve Bannon, seinen Ex-Berater. In Chinas Hauptstadt Peking wurde der südliche Bezirk Daxing abgeriegelt, wo mehrere Neuinfektionen auftraten. Außerdem bauen in der Millionenmetropole Shijiazhuang hunderte Arbeiter ein, laut welt.de, „riesiges“ Quarantänezentrum. Bulgarien meldet, wie auch andere europäische Länder, einen starken Rückgang der Fallzahlen, Mexiko hingegen einen neuen Höchstwert täglicher Covid-19-Opfer, 1.584, desgleichen in Großbritannien, 1.610. Relativ zur Bevölkerung gesehen hat Großbritannien mittlerweile die meisten Pandemie-Toten, 16,5 pro eine Million Menschen, knapp vor Tschechien und Portugal, in Deutschland und den USA sind es ungefähr 9. Die WHO rechnet „bald“ mit 100.000 Covid-19-Toten pro Woche, weltweit. Zwar steigen die Zahlen im südlichen Afrika und einigen amerikanischen Ländern, angesichts des Rückgangs in vielen europäischen Staaten kann ich diese düstere Prognose jedoch nicht nachvollziehen. Noch nicht? Über 400 Covid-19-Tote meldet Eswatini (Swasiland), über 800 Simbabwe, über 1.000 Lettland, über 2.000 der Libanon, über 8.000 Marokko, über 10.000 die Philippinen, über 400.000 die USA. Wie die Chefin des Allensbach-Meinungsforschungsinstitutes, Renate Köcher, mitteilt, sehen nach einer Umfrage 40% der Deutschen die Berichterstattung der Medien jetzt kritischer als vor der Pandemie. Köcher weiter, in der Generation der 30 bis 59-jährigen ziehe „inzwischen die Hälfte die Bilanz, dass es ihr schlechter geht als vor Corona, und zwar nicht materiell, sondern psychisch, von dem ganzen Lebensgefühl her.“
Tipp für heute: Vor dem Spiegel ein Gesicht machen, als wäre man wichtig. Sieht lustig aus.
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