Corona-Tagebuch 221

28. Januar 2021

Anruf von Mutti. Sie hat jetzt einen Impftermin. Im März. Mutti ist 81. Wenn sie im März dran kommt, wann werde ich dann wohl an der Reihe sein? Na, einfach überraschen lassen. Bekannte Politiker fordern, angesichts des stockenden Impfbeginns und Schwierigkeiten mit Impfstofflieferungen, einen Impfgipfel. Impfgipfel. Ob man sich an diesem Wort irgendwann mal erfreuen können wird? Nach einer Allensbach-Umfrage sind 49% der Bundesbürger zufrieden mit den Maßnahmen der Regierung, 42% unzufrieden. Klingt, als wäre fast die Hälfte der Deutschen Querdenker. Dass solche Umfragen täuschen können, merkt, wer die gleichzeitig erfolgte Umfrage des ZDF-Politbarometers liest, da halten 14% die Maßnahmen hierzulande allgemein für übertrieben, 56% finden sie genau richtig, 28% fordern eine weitere Verschärfung. 57% zum Beispiel sind für Grenzschließungen, auch innerhalb der EU. Finnland, Norwegen und Belgien tun dies, schließen ihre Grenzen für ausländische Reisende. Israel schließt seine Landgrenzen nach Jordanien und Ägypten. Portugal streicht die Flugverbindungen nach Brasilien. Britische Reiseheimkehrer aus Hochrisikogebieten müssen sich künftig in Hotel-Quarantäne begeben. Der zehntägige Aufenthalt kostet dann pro Nase umgerechnet 1.700 €, inklusive Bewachung durch Sicherheitskräfte. Problemlos können in die EU nur noch Bürger aus Neuseeland, Ruanda, Singapur, Südkorea, Australien und Thailand, einreisen. Japan wurde wegen steigender Infektionzahlen von der Liste gestrichen. Die Regierung dort hält trotz Kritik an der Ausrichtung der Olympischen Sommerpiele im Juli fest und sucht dafür 10.000 Ärzte und Krankenpfleger. Olympia-Ministerin Seiko Hashimoto: „Jeder von ihnen soll etwa fünf Tage während der Spiele arbeiten.“ Die Sieben-Tage-Inzidenz bei der Ausbreitung des Virus ist in Deutschland erstmals seit drei Monaten unter 100 gefallen. Sieben-Tage-Inzidenz, noch so ein Wort. Bei Protesten gegen den Lockdown gab es in der libanesischen Stadt Tripoli 226 Verletzte. Demonstrierende warfen Molotow-Cocktails, die Polizei setzte Gummigeschosse ein, Amnasty International kritisiert den Einsatz französischer Waffen gegen friedlich Demonstrierende. Moskau erlaubt wegen sinkender Infektionszahlen die Öffnung von Nachtclubs, auch Schulen, Theater, Kinos, Museen und Konzertsäle sind wieder offen. Bangladesch hat mit dem Impfen begonnen. Bahrain schließt für 3 Wochen Schulen, Cafes und Restaurants. Litauen verlängert seinen Shutdown bis Ende Februar. Nach einer Studie des Sydneyer Lowy-Institutes landet Deutschland im internationalen Vergleich beim Corona-Managment auf Platz 55 von 98 beurteilten Ländern. Mittelfeld. Am besten schnitt Neuseeland ab, am schlechtesten Brasilien. Unter die Top-Ten schafften es auch Taiwan, Thailand, Zypern, Ruanda, Island, Australien, Lettland, Sri Lanka und Vietnam. Aktuell befürchtet Vietnam einen größeren Corona-Ausbruch. 82 Neuinfektionen sind bestätigt worden, die ersten lokalen Übertragungen seit 55 Tagen. 70 der Infektionen stehen mit einem Betrieb in Zusammenhang. Eine positiv Getestete sei zuvor durch die Region gereist, heißt es, und habe sich mit rund 200 Menschen getroffen. Sie werden jetzt alle kontaktiert und getestet. In Deutschland ist ein Covid-19-Patient trotz stationärer Behandlung mit der Regionalbahn von Wiesbaden nach Mainz gefahren, um dort einkaufen zu gehen. Am Mainzer Hauptbahnhof wandte er sich an die Polizei, erklärte, er habe Corona und benötige medizinische Hilfe. Ein Rettungswagen brachte ihn in die Mainzer Uni-Klinik. Über 400 Covid-19-Tote meldet Estland, über 600 der Senegal, über 900 Syrien, über 55.000 Deutschland, über 70.000 Russland, über 220.000 Brasilien. Die gewerbliche Wirtschaft in Deutschland hat ihren Umsatz im Dezember 2020 den achten Monat infolge trotz der Beschränkungen gesteigert. „Aus diesen Zahlen ist sicherlich nicht abzuleiten, dass der Lockdown spurlos an der deutschen Wirtschaft vorübergegangen ist“, warnt Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Nein, denke ich ebenfalls. Aus diesen Zahlen kann man eher lesen, dass Erbsen zu den Hülsenfrüchten gehören.

Tipp für heute: Nicht schon wieder Erbsen!

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