Corona-Tagebuch 234

10. Februar 2021

Sonnenschein! Und kalt ist es. -14°C, am Morgen, in Berlin. Habe deswegen meine Schlafgewohnheiten geändert. Liege jetzt mit dem Kopf am Fußende, da sich das Kopfende unterm geöffneten Fenster befindet und dort ist es mir nachts ein wenig zu frisch. Bin eben ein Weichei. Im Frühstücksfernsehen den gesundheitspolitischen Sprecher der AfD erlebt und muss sagen, man könnte der Verschwörungstheorie erliegen, die öffentlich-rechtlichen Sender steckten mit der AfD unter einer Decke, weil sie jene in ihrem Programm so wenig zu Wort kommen lassen und wenn, dann zu unchristlichen Zeiten, 7 Uhr früh oder so. Denn, wer solch hochgradig verwirrte Deppen wie Detlev Spangenberg live auf der Mattscheibe sieht, würde doch nie im Leben auf die Idee kommen, diese Partei zu wählen. Da ist Verkehrsminister Scheuer ja eine geistige Leuchte dagegen. Spangenberg forderte im Ernst, es müsse wieder erlaubt sein, alleine draußen im Garten zu sitzen. Mal abgesehen davon, dass dies nie verboten war, aber ausgerechnet jetzt? Draußen? Im Garten? Bei -14°C? Alleine? Sitzen?! Der Shutdown soll, traut man dem was durchdringt, bis Mitte März verlängert werden. Morgen treffen sich Bundeskanzlerin und die Chefs der Länder. Thüringen beschloss bereits gestern einen Stufenplan für den Ausstieg aus dem Shutdown. Frisöre und Kosmetikerinnen könnten demnach bei einer Inzidenz unter 200 öffnen. Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) bekräftigte zugleich, es solle ein bundesweit einheitliches Regelwerk zum Umgang mit der Pandemie geben. Und warum dann dieser Alleingang? Sachsen will die Grundschulen und Kindergärten ab 15.02. öffnen. In Nordrhein/Westfalen dürfen künftig sieben statt sechs Impfdosen aus einer Ampulle des Biontech/Pfizer-Impfstoffs verabreicht werden. Die siebte Dosis allerdings darf man nur spritzen, wenn mindestens 0,3 Milliliter im Fläschchen noch drin sind. In Chicago haben 67% der Lehrer per Online-Votum für eine Öffnung der seit fast einem Jahr geschlossenen Schulen gestimmt. In Portugal sinkt die Zahl der Neuinfektionen deutlich, in Spanien leicht. Trotzdem werden die strengen Grenzkontrollen zwischen beiden Ländern bis 1. März verlängert. Norwegen rät seinen Bürgern bis Mitte April von Auslandsreisen ab, ausgenommen: Island, die Faröer Inseln, Grönland und wenige Gebiete in Finnland. Kambodscha hat mit dem Impfen begonnen. Zuerst waren die Verwandten von Ministerpräsident Hun Sen dran. Hun Manet, Sohn und gleichzeitig Armeechef, sagte den Medien, er vertraue dem chinesischen Impfstoff. Fein! Der 68-jährige Hun Sen selbst lässt sich nicht impfen, da das Vakzin nur für Menschen zwischen 18 und 59 Jahren zugelassen ist. Auch Peru startet die Immunisierung, ebenfalls mit einem chinesischen Impfstoff. Argentinien hat dem indischen Impfstoff Covishield eine Notfallzulassung erteilt. Südkorea lässt den Astrazeneca-Impfstoff zu. US-Pharmakonzern Moderna hat Verträge über die Impfstofflieferung mit Kolumbien und Taiwan abgeschlossen. Die Auslieferung soll Mitte (!) 2021 beginnen. Grünen-Sprecher Robert Habeck: „Nur wenn die Impfstoffe weltweit zur Verfügung stehen, werden wir die Pandemie auch bei uns in den Griff kriegen.“ Und: „Sonst werden wir permanent durch Mutationen unter großen Druck geraten.“ Und: „Wir müssen über die nationalen und europäischen Grenzen hinaus denken.“ Denke ich ebenfalls. Doch ist das möglich, in einem nationalstaatlichen und kapitalistischen System? In den britischen Städten Liverpool und Bristol sind abgewandelte Varianten der B.1.1.7.-Mutation nachgewiesen worden. Als „besorgniserregend“ wurde jene in Bristol von Wissenschaftlern bezeichnet. Allerdings seien, laut Susan Hopkins von der englischen Gesundheitsbehörde ‚Public Health‘, auch im vergangenen April immer wieder abgewandelte Formen des Virus aufgetreten und dann wieder verschwunden. Über 200 Covid-19-Tote meldet Lesotho, über 500 Uruguay, über 600 Luxemburg, über 700 der Senegal, über 900 Malaysia, über 6.000 Griechenland, über 80.000 Frankreich. Eine Expertenkommission der WHO hat während ihres mehrwöchigen Aufenthalts in China nicht klären können, durch welches Tier das Virus auf den Menschen übergegangen ist. Als gesichert gilt der Ursprung bei einer Fledermausart, nur gibt es keine große Fledermaus-Population in Wuhan, weshalb man von einem noch unbekannten Zwischenwirt ausgeht.

Tipp für heute: Sich den hier klemmen: „Wer nichts wird, wird Zwischenwirt.“

Allgemein | Kommentare

Kommentar schreiben

  •  
  •  
  •  

Verfolge neue Kommentare zu diesem Beitrag mit diesem Kommentar-Feed.

Kategorien