Corona-Tagebuch 388

17. Juli 2021

Phase drei, und das ist das Wichtigste, hat man großes Pech, hat man danach großes Glück.“ Aus dem tollen italienischen Film ‚Vincents Welt‘, welchen ich mir gestern daheim auf dem Sofa reinzog. In letzter Zeit verstörende Begegnungen mit zugedröhnten Jugendlichen erlebt. Im Zug von Angermünde nach Berlin, kurz vor Bernau, stellt sich ein circa 17-jähriger mit weit aufgerissenen Augen vor das Viererabteil, wo ich sitze, hält mir sein Smartphone entgegen, tut als würde er mich filmen und sagt: „Sie wissen schon, warum ich hier bin, was ich hier tue?“ Ich antworte: „Nein“, worauf er sich wortlos abwendet und woanders hingeht. Gestern sitzt gegen 1 Uhr nachts auf der Bank vor unserem Haus ein etwa gleichaltriger Junge lediglich mit einer Turnhose bekleidet. Ich frage, ob es ihm gut geht. Er antwortet nicht, starrt und atmet intensiv. Besoffene traue ich mir zu halbwegs einschätzen zu können, doch bei jenen Kollegen bin ich ratlos. Dort sitzen lassen? Sind sie gefährlich? Für andere? Für sich selbst? Nach der Überschwemmungskatastrophe in Westdeutschland ist die Zahl der Todesopfer auf 135 gestiegen. In Berlin die 7-Tage-Inzidenz auf 16. In Großbritannien beträgt sie mittlerweile über 400. Chiou Shu-Ti, taiwanesische Professorin, äußerte sich bei einem Online-Wissenschaftler-Treffen zum britischen Plan, trotz hoher Infektionszahlen alle Beschränkungen in England aufzuheben, folgendermaßen: „In unserer Kultur gibt es ein Sprichwort, das besagt, dass es unethisch ist, den Menschen den Regenschirm wegzunehmen, so lange es noch regnet.“ Shu-Ti weiter: „Und jetzt regnet es stark.“ Über 1.400 Forscher haben einen Appell an die britische Regierung unterzeichnet, die Aufhebung der Maßnahmen nicht umzusetzen. Der deutschen Bundesregierung gelten Griechenland und die Niederlande wieder als Risikogebiet, dazu Teile Dänemarks. Nach Ablehnung der verschärften Einreisebestimmungen durch das oberste Verfassungsgericht hat die slowakische Regierung diese noch einmal verschärft. Sie beschloss, dass nur noch vollständig Geimpfte ins Land dürfen, ohne in Quarantäne zu müssen. Lediglich für Pendler gilt eine Übergangsfrist, mit negativem PCR-Testergebnis. Die thailändische Junta verbietet angesichts weiter steigender Infektionszahlen sämtliche Zusammenkünfte und Aktivitäten bei denen das Virus übertragen werden könnte. Im australischen Sydney müssen jetzt auch Baustellen schließen, Angestellte dürfen nicht in die Büros, geöffnet bleiben lediglich Kaufhallen. Sydney meldete gestern 111 Neuinfektionen. Die Balearen einen Rekord von 864 Fällen am Tag. Regionalpräsidentin Francina Armengol dazu, die Lage in den Krankenhäusern „sei völlig unter Kontrolle“, die Balearen „ein absolut sicheres Urlaubsziel“. Um Unterstützung bei der Besorgung von Schutzausrüstung ist die katholische Hilfsorganisation ‚Caritas‘ von Kuba gebeten worden. Über 700 Covid-19-Tote verzeichnet Eswatini (Swasiland), über 3.000 Sambia, über 115.000 Kolumbien, über 540.000 Brasilien. Während Haiti gestern begann, die ersten Menschen im Land zu impfen, fordert die Wehrbeauftragte der Bundesregierung, Eva Högl, eine Impfpflicht für deutsche Soldatinnen und Soldaten. Für jene im „Einsatz“ gilt die bereits.

Tipp für heute: Kranke Soldaties können keinen Krieg gewinnen.

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