Corona-Tagebuch 387

16. Juli 2021

Hätte wohl besser eine lange Hose anziehen sollen. Schwedt liegt ja an der Oder. In der Oder ist Wasser. Im Wasser brüten Mücken. Meine Beine sehen nun rot gepunktet aus. Zum ersten Mal hat mich diese Maske richtig genervt. Die Gummis. Sie taten hinter den Ohren weh, im Ersatzverkehr, im Bus, zurück von Schwedt nach Angermünde. Hinzu, von Angermünde nach Schwedt, brüllt ein Mädchen, circa 15 Jahre, in ihr Taschentelefon: „Ey, sag mal, das kann doch nicht sein! Ihr zerstört mir mein ganzes Leben.“ Wütend wirft sie das Handy auf den Boden. Eine Frau mit Kleinkind in der Sitzreihe hinter ihr: „Ich glaube, dir ist dein Telefon runter gefallen.“ Das Mädchen: „Is ein I-Phone, das geht nich so schnell kaputt.“ Nicht so schnell wie ihr Leben? Trotz des mageren Besuches, 15 (?) Gäste, war die Veranstalterin meines Auftritts gestern guter Dinge. Sei eben so, viele Leute trauten sich noch nicht. Sie habe deshalb alle anderen Kulturveranstaltungen dieses Sommers gecancelt. Wegen eines negativ getesteten aber corona-infizierten Reiserückkehrers aus Spanien, der in Hamburg zwei Bars besuchte, müssen 130 Gäste dieser Lokale für 2 Wochen in Quarantäne. In Österreich ist ab 22. Juli beim Betreten eines Nachtlokals die vollständige Impfung oder ein negativer PCR-Test, Antigen-Schnelltest reicht nicht mehr, vorzuweisen. Die wenigen Corona-Beschränkungen in Schweden, unter anderem die Begrenzung der Passagierzahlen im Fernverkehr bei Bus und Bahn, werden aufgehoben. In Dänemark dürfen Lokale wieder bis 2 Uhr nachts öffnen, auch der Alkoholverkauf in Kiosken bis dann ist erlaubt. Mauritius öffnet die Grenzen für Touristen, erstmals seit März 2020. Besucher müssen jedoch vollständig geimpft sein, einen negativen PCR-Test vorweisen und 14 Tage in Quarantäne. Hurra! Endlich Urlaub! Der Pariser Eiffelturm öffnet, während im südwestfranzösischen Departement Pyrenees-Orientales wegen steigender Infektionszahlen ab morgen erneut eine Maskenpflicht im Freien gilt. Die Zahl der Todesopfer wegen schwerer Überschwemmungen in Westdeutschland ist auf über 100 gestiegen. Viele Menschen werden noch vermisst. Hunderte Häuser sind eingestürzt. Innenstädte überflutet. Zur gleichen Zeit wird in Brandenburg, wo es weitgehend trocken blieb, erstmals die Afrikanische Schweinepest auch bei Hausschweinen nachgewiesen, in zwei nicht aneinander grenzenden Landkreisen. Um die betroffenen Höfe werden nun Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet, mehr als 200 Schweine gekeult (getötet). Ungarn bietet ab 1. August eine dritte Impfung gegen das Coronavirus an, für Menschen. Rekorde bei Neuinfektionen melden die Balearen, 795 und Malaysia, 13.215 Fälle am Tag. Einen Höchstwert täglicher Corona-Todesopfer gibt es in Russland, 799. Über 200 Covid-19-Tote (insgesamt) verzeichnet Vietnam, über 400 Mauretanien, über 600 Surinam, über 1.000 Kambodscha, über 3.000 Thailand, über 70.000 Indonesien. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke): „Wir sollten im Herbst zu einer Normalität zurückkehren, auch unter der Erkenntnis von Varianten, die sich aggressiver verbreiten.“ „Unter der Erkenntnis von Varianten“? Vielleicht auch zu einem besseren Ausdruck zurückkehren?

Tipp für heute: Deutsche Sprache, schwere Sprache.

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