Corona-Tagebuch 400
29. Juli 2021
Statt drei Stunden dauerte die Zugfahrt nach Hoyerswerda über vier Stunden, weil ich wegen verpassten Anschlusses in Falkenberg/Elster noch ein Stündchen auf dem wildbewachsenen Bahnsteig verbringen durfte. Lohnte sich jedoch. Hoyerswerda ist durchaus eine Reise wert. Die Altstadt ganz schnuckelig und auch die Neustadt hat ihren Reiz. Da gibt es schöne Heidelandabschnitte zwischen den sanierten Plattenbauten. Außerdem war der Auftritt gestern klasse, da steigt die Stadt sowieso noch mal in meiner Gunst. Fahre also gerne wieder hin und würge vorher den Verkehrsminister, damit er endlich die Errichtung moderner Bahnverbindungen vorantreibt, ein paar Milliönchen vom Wegebau für Kraftdroschken abzweigt, der bekloppte Hinterwäldler. Nicht ganz verstanden habe ich die Maskenpolitik in Sachsen. In Innenräumen (Läden, Kultureinrichtungen, Gaststätten) muss man keine mehr aufsetzen, außer vielleicht doch. An manchen Türen jedenfalls stand es so geschrieben. Im Zug erinnerte eine Mutter, mit christlichem Kreuz um den Hals, ihren Sohn (16 Jahre?) immer wenn ein Schaffner kam daran, die Maske aufzusetzen. War jener vorbei, erinnerte sie ihn daran, die Maske wieder abzunehmen. Dazu feixte sie sich eins. Der arme Sohn. Sie selbst musste keine Maske tragen, sie hatte natürlich eine Maskenbefreiung. Mutmaßungen über den Grund der Befreiung erspare ich mir mal. Die US-Gesundheitsbehörde empfiehlt wieder das Tragen einer Maske im öffentlichen Raum. Google und Facebook verhängen in den USA eine Impfpflicht für ihre Beschäftigten. Tschechien möchte Staatsbedienstete, die sich impfen ließen, mit zwei zusätzlichen Urlaubstagen belohnen. In Deutschland sind mittlerweile über 50% der Bevölkerung vollständig geimpft, in Berlin ebenso. Tansania startete gestern als drittletzter Staat Afrikas eine landesweite Impfkampagne, es fehlen noch Burundi und Eritrea. Einen neuen Rekord an Neuinfektionen meldet Südkorea, 1.896, ebenso wie der Olympia-Austragungsort Tokio, 3.177 Fälle am Tag. Inzwischen steigen die Infektionszahlen in ganz Japan. Hat mit den Spielen aber nichts zu tun, versichert IOC-Sprecher Mark Adams, das Virus werde weder von Athleten noch durch olympisches Personal auf Einwohner Tokios übertragen: „Soweit ich es weiß, gab es keinen einzigen Fall.“ Erinnert mich entfernt an Beteuerungen von divers, dass wahlweise in Schulen, dem Nahverkehr, Gaststätten, Hotels, Stadien, kulturellen Einrichtungen etc. pp. keine Ansteckungsgefahr drohe. Zum Glück kann das Virus nicht lachen. Nicht laut, jedenfalls. Über 600 Covid-19-Tote meldet Vietnam, über 800 die Mongolei und auch Somalia, über 1.000 Angola, über 8.000 Myanmar, über 10.000 Jordanien, über 20.000 Bangladesch. In Sydney, wo die Polizei angesichts weiter steigender Infektionswerte das Militär zur Überwachung des Lockdowns angefordert hat, dürfen allein lebende Menschen (Singles) ab sofort eine Person benennen, die sie trotz des Lockdowns zuhause besuchen darf. Mutti vielleicht?
Tipp für heute: Sich Gedanken machen, welche Person außerdem in Frage käme.
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