Corona-Tagebuch 560
2. Februar 2022
Habe seit heute mehr Porzellan im Mund, oder vielmehr Keramik. Eine Krone oder irgendwie, auf einem Backenzahn. Mein Zahnarzt baute mir gestern den Grundstein dafür und setzte ein Gerät ein, zum Aushärten, bei welchem rhythmische Musik erklang. Er lachte, als ich fragte, was das sei. Seine größte Befürchtung wäre immer, Patienten könnten aufspringen und tanzen, so der Dentist. Als ich meinte, dass er sich da keine Sorgen machen müsse, weil es ja ein Tanzverbot gebe in Berlin, war er ganz überrascht. Wusste er gar nicht. Niedersachsen verlängert die „Winterruhe“ mit geschlossenen Diskotheken bis 23. Februar, Lockerungen gibt es für Golf-Spielerinnen, da reicht künftig 3G statt 2G, vermögende Ungeimpfte können also wieder einlochen, mit Test. In Sachsen dürfen seit heute Fußballstadien zu 25% gefüllt werden, Sporthallen, bis maximal 2.000 Zuschauer, zu 50%. Katalonien öffnet nächste Woche die Diskotheken, Musikclubs und Konzertsäle, ohne Beschränkung in puncto Öffnungszeit und Besucherzahlen. Bis auf Maskenpflicht und Abstandsregel in öffentlich zugänglichen Räumen, fallen in Norwegen heute sämtliche Corona-Maßnahmen, die letzten Beschränkungen sollen am 17. Februar Geschichte sein. Für Deutschland rechnet der Virologe Christian Drosten nach Ostern mit einer Entspannung der Pandemie-Lage. Baden/Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) möchte vor Ostern nicht mal über Lockerungen reden. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus hält es ebenfalls für verfrüht, Maßnahmen zu beenden: „Dieses Virus ist gefährlich, und es verändert sich weiter direkt vor unseren Augen.“ Ein Omikron-Subtyp, BA.2 genannt, der noch ansteckender sein soll, breitet sich weltweit rasch aus, ist mittlerweile in 57 Ländern nachgewiesen. Anzeichen für veränderten Schweregrad bei den Erkrankungen gibt es bisher aber nicht. Als einen der letzten Orte der Welt erreichte Corona nun auch den Pazifik-Staat Tonga. Zwei Hafenarbeiter, die bei der Verteilung internationaler Hilfsgüter wegen eines Vulkanausbruchs und anschließender Tsunami-Welle geholfen hatten, wurden positiv getestet. Die Regierung verhängte sofort einen unbefristeten Lockdown. Rekorde an Neuinfektionen melden unter anderem Neuseeland, 202, Rumänien, 40.018, Russland, 125.836, Japan, 142.451 und Deutschland, 208.498 Fälle am Tag. Über 300 Covid-19-Tote verzeichnet Niger, über 800 Haiti, über 15.000 Georgien, über 325.000 Russland, über 890.000 die USA. Nach einer Meta-Studie von Forschern der Johns-Hopkins-Universität im US-amerikanischen Baltimore, haben die strengen Lockdowns in den USA und Europa so gut wie keine Leben gerettet. Einen deutlichen Effekt hätte dagegen das Maskentragen für Beschäftigte in Betrieben und Geschäften, sowie die Schließung von Bars und Restaurants gehabt. Nüchterne Zahlen: geschlossene Grenzen 0,0% weniger Tote, geschlossene Schulen 0,1%, Lockdowns mit Ausgangssperren 0,3%, Beschränkung von Treffen 3%, geschlossene Gastronomie 15%, Maskenpflicht in Betrieben und Geschäften 24%. Und der Rest? Bestimmt die Kulturveranstaltungen vergessen.
Tipp für heute: Mit dem prall gefüllten Kulturbeutel Fangeball spielen.
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