Der Zeitvertreib geht weiter

5. Mai 2011

Auch immer wieder entspannend, sich Gedanken zu machen über Sprachbilder, die man nicht versteht, warum zum Beispiel ist eine Tomate treulos? Wieso heißt eine Falschmeldung in der Presselandschaft Zeitungsente? Was ist so schlimm an Zimt, dass man es zum Schimpfwort Zimtzicke zusammenmatschen muss? Und weshalb sollte es unangenehmer sein, für Mitmenschen, wenn jemand eine weise Nase besitzt?

Heute: Berlin, RAW-Tempel (Franz Stenzer-Halle), 20:30 Uhr: Chaussee der Enthusiasten (mit mich als Bohn, Verzeihung, Andreas Kampa-Ersatz).

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6 Kommentare zu “Der Zeitvertreib geht weiter”

  1. 01

    TREULOSE TOMATE, kann ich nur mit meiner eigenen erfahrung erklären. voller erwartungsfreude und spannung die pflänzchen ins bett gestopft… und die wuchsen so schön, sah alles sehr vielversprechend aus. nach ner weile entwickelt man ja so eine gewisse beziehung zu dem grünzeug und dann das! erntezeit:
    eine einzige, winzigkleine gelbe tomate, die auch noch so in diesem zustand abgefallen war… so eine treulose tomate! aber ich hatte sie trotzdem lieb und hab sie nicht gegessen und sogar in mein fotoalbum mit aufgenommen, bevor sie langsam wegschrumpelte…
    meine bisher einzige „selbstgeerntete“ tomate…

    ZIMTZICKE: haben sich ein paar gören wohl den spaß gemacht und den ziegen eine ganze kilopackung zimt mit in den hafer gemischt. gibt bestimmt die volle dröhnung im ziegenschädel… drei tage lang sind die nicht zu bändigen! vielleicht hatten die sich aber auch nur die zunge dran verätzt…

    NASEWEIßE sind die verkannten schlaumeier ohne autorität. um sie in der gesellschaft gut sichtbar zu integrieren, hat man ihnen frühzeitig mit weißer farbe einen fleck auf die nase gepinselt.
    die mit dem strom treibende masse, hat nämlich voll schiss vor naseweiße…

    ichstinker am 5. Mai 2011 um 15:51
  2. 02

    Diese Seite verleitet zum Prokrastinieren. Das ist nicht gut. Zur Treulosen Tomate gibt der gleichnamige Wikipediaartikel mehrere interessante Herkunftstheorien an:

    Wahrscheinlicher jedoch dürfte der Erste Weltkrieg als Ursprung der Redensart in Frage kommen: Der Staat Italien, zunächst mit Deutschland verbündet, hielt sich aus den kriegerischen Auseinandersetzungen heraus und erklärte sich 1915 für die Gegenpartei und so galten die Italiener als wortbrüchig und unzuverlässig. Da der Tomatenanbau in Italien weit verbreitet war, setzte man möglicherweise die treuebrüchigen, Tomaten essenden Italiener mit den so unzuverlässigen, weil noch nicht ohne Rückschläge kultivierbaren, Tomaten gleich. Eine ähnliche Bildung durch Identifizierung der Italiener mit einem Nahrungsmittel liegt bei dem in dieser Zeit noch verbreiteten Schmähwort der Italiener als „Treubruchnudeln“ vor.

    Die Zeitungsente kommt wohl aus dem Französischen:

    in Anlehnung an den Ausdruck «donner des canards» („Enten geben“, lügen) oder «vendre des canards à moitié» („Enten zur Hälfte verkaufen“, nicht die ganze Wahrheit sagen).

    Keine Ahnung, woher die Zimtzicke kommt, vom Gefühl er würde ich vermuten, daß das ein neuerer Begriff ist; die Verbindung beider Worte ist vielleicht der Alliteration geschuldet.

    Im Grammatisch-Kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart wird die Herkunft des Naseweis behandelt:

    Die Figur ist ein wenig dunkel, indessen ist es wohl gewiß, daß dieses Wort aus Nase und weise, besonders so fern es zuweilen auch procax bedeutet, zusammen gesetzet ist. Vielleicht gehöret es zu der Figur, seine Nase in alles stecken, oder es ist auch von dem überklugen Rümpfen der Nase oder andern ähnlichen Geberden entlehnet.

    Aber vielleicht steht sowas alles auch gesammelt im Synonymwörterbuch.

    Christoph am 5. Mai 2011 um 16:01
  3. 03

    Ach, dann meinte ich wohl die Berliner Weise.

    Ahne am 5. Mai 2011 um 16:28
  4. 04

    genau!

    ichstinker am 5. Mai 2011 um 17:25
  5. 05

    Ich glaub, mein Kommentar ist im Spam gelandet. Ich probiers mal ohne die vielen Links:

    Diese Seite verleitet zum Prokrastinieren. Das ist nicht gut. Zur Treulosen Tomate gibt der gleichnamige Wikipediaartikel mehrere interessante Herkunftstheorien an:

    Wahrscheinlicher jedoch dürfte der Erste Weltkrieg als Ursprung der Redensart in Frage kommen: Der Staat Italien, zunächst mit Deutschland verbündet, hielt sich aus den kriegerischen Auseinandersetzungen heraus und erklärte sich 1915 für die Gegenpartei und so galten die Italiener als wortbrüchig und unzuverlässig. Da der Tomatenanbau in Italien weit verbreitet war, setzte man möglicherweise die treuebrüchigen, Tomaten essenden Italiener mit den so unzuverlässigen, weil noch nicht ohne Rückschläge kultivierbaren, Tomaten gleich. Eine ähnliche Bildung durch Identifizierung der Italiener mit einem Nahrungsmittel liegt bei dem in dieser Zeit noch verbreiteten Schmähwort der Italiener als „Treubruchnudeln“ vor.

    Die Zeitungsente kommt wohl aus dem Französischen:

    in Anlehnung an den Ausdruck «donner des canards» („Enten geben“, lügen) oder «vendre des canards à moitié» („Enten zur Hälfte verkaufen“, nicht die ganze Wahrheit sagen).

    Keine Ahnung, woher die Zimtzicke kommt, vom Gefühl er würde ich vermuten, daß das ein neuerer Begriff ist; die Verbindung beider Worte ist vielleicht der Alliteration geschuldet.

    Im Grammatisch-Kritischen Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart wird die Herkunft des Naseweis behandelt:

    Die Figur ist ein wenig dunkel, indessen ist es wohl gewiß, daß dieses Wort aus Nase und weise, besonders so fern es zuweilen auch procax bedeutet, zusammen gesetzet ist. Vielleicht gehöret es zu der Figur, seine Nase in alles stecken, oder es ist auch von dem überklugen Rümpfen der Nase oder andern ähnlichen Geberden entlehnet.

    Aber vielleicht steht sowas alles auch gesammelt im Synonymwörterbuch.

    Christoph am 5. Mai 2011 um 17:41
  6. 06

    @ Christoph: Das ist wirklich interessant und vielleicht gucke ich wirklich demnächst erst selber einmal nach, bevor ich Andere die Kastanien aus dem Feuer holen lasse. Fällt mir ein, Kastanien aus dem Feuer holen, für jemand…

    Ahne am 6. Mai 2011 um 00:30

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