Corona-Tagebuch 24

6. April 2020

Nach langer Zeit mal wieder in der Erde gewühlt. Fühlte sich an wie vor Corona. Trocken. Die Waldbrandgefahr scheint wieder extrem hoch und prompt hörte man auch Sirenen und Feuerwehren rasten über den Sandweg Richtung Kiefernplantagen. Zum ersten Mal habe ich bewusst einen Zilpzalp gesehen. Kleiner grauer Piepmatz mit asiatisch anmutender Augenzeichnung. Abends in den Wedding kutschiert worden, wo im Echsenstudio die vierte Quarantänebühne Heim & Welt stattfand, die zweite mit mir. Eine gewisse Routine stellt sich ein. Die Queen hat im Fernsehen zu ihren britischen Untertanen gesprochen, was sie selten tut, doch Premierminister und Corona-Verharmloser Boris Johnson liegt mittlerweile infiziert im Krankenhaus, da muss die 93-jährige selber ran. Sie gab bekannt, dass wir, also das britische Empire, das Virus besiegen können. Stellte mir daraufhin ein gefesseltes und geknebeltes Modell vor, was um Gnade wimmert, aber, hilft nichts, wird rechtmäßig verurteilt und wandert in eine Einzelzelle, wo über 60°C herrschen. Ohne Fernseher! Draußen findet derweil die Siegesparade statt. Die Queen darf noch mal aus ihrer offenen Kutsche winken. In Deutschland sind über 100.000 Menschen positiv getestet und 1.600 an Covid-19 gestorben. Japan und Schweden überlegen nun ebenfalls Ausgehbeschränkungen. In Abidjan (Elfenbeinküste) haben Einwohner ein Zentrum für Coronavirus-Tests zerstört, weil sie Ansteckung durch Besucher der Einrichtung fürchteten und die vierjährige Nadia ist die erste infizierte Tigerin. Sie lebt im New Yorker Zoo und leidet an trockenem Husten. Österreich lockert ab 14. April die Maßnahmen gegen die Pandemie. Bau- und Gartenmärkte sollen wieder öffnen. Dagegen denkt der südafrikanische Polizeiminister Bheki Cele darüber nach, das landesweite Alkohol- und Tabakverbot nach der Corona-Krise beizubehalten. Es habe zu einem spürbaren Rückgang von Gewaltverbrechen geführt. Wenigstens stark reduzieren will er den Alkoholkonsum. Und Zucker, Computerspiele, Autofahren? Kann es nicht sogar sein, dass eine Beibehaltung der Ausgangssperre zu weniger Gewaltverbrechen führt?

Tipp für heute: Noch ein oder gar zwei Bier im Keller kühl stellen, für schlechte Zeiten.

Allgemein | Kommentare

Kommentar schreiben

  •  
  •  
  •  

Verfolge neue Kommentare zu diesem Beitrag mit diesem Kommentar-Feed.

Kategorien