Corona-Tagebuch 43

25. April 2020

Wochenende. Aber kein Unterschied zu den anderen Tagen. Schulen sind ja weitgehend zu, die meisten müssen sowieso nicht zur Arbeit und Läden dürfen, wegen Corona, auch sonntags öffnen. Sehen die mal, wie das ist, die meisten. Als Künstler stehe ich seit 25 Jahren mittags auf und lege mich nachmittags wieder hin. Dazwischen wird ’ne blaue Sonne gemalt oder mir fällt ein Lied ein. „La, la, la.“ Kreativ sein, auch nicht gerade einfach. Heute zum Beispiel möchte ich eine Maske basteln. Aus zerschlissener Bettwäsche. Einem Kopfkissenbezug. Was raus schneiden, links und rechts zwei Gummis dran, fertig. So stelle ich mir das vor. Wie aber bekomme ich die Gummis an den Fetzen? Mit Alleskleber? Mal probieren. Und innen? Muss da was vor Mund und Nase? Ein Filter? Aus Watte? Krabbelt bestimmt. Außerdem wird es bald warm. Nee, lassen wir lieber. Das japanische Elektronik-Unternehmen Sharp verlost seine selbst produzierten Masken. Da die Nachfrage groß ist, werden sie per Lotterie, 30.000 Packungen mit je 50 Masken, angeboten, pro Person nur eine Packung. Anders als bei anderen Lotterien müssen die Gewinner allerdings ihren Gewinn bezahlen. Umgerechnet 26 Euro, pro Packung. In Belgien ist ab Montag eine solche Maske Pflicht, ab 12 Jahren, im ÖPNV. In der Slowakei herrscht seit heute ein Wochenendeinkaufsverbot für Menschen über 65 Jahre. Im US-Bundesstaat Georgia dürfen Bowling-Center wieder öffnen, in Indien freistehende Ladenlokale. Israel erlaubt mit Ausnahme der Einkaufszentren die Öffnung aller Läden und die niederländische Bahn prüft eine Reservierungspflicht in Zügen, damit das Abstandsgebot eingehalten werden kann. Laut der Zeitung ‚Corriere della Sera‘ dürfen in Italien Bars, Restaurants und Frisöre ab 18. Mai wieder Kunden bedienen, nur auf das Einschalten der Klimaanlage muss verzichtet werden. In Deutschland sind die Preise für Wildbret um die Hälfte bis ein Drittel gefallen und die EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) hat verfügt, dass in Gottesdiensten bis auf Weiteres nicht gesungen wird und die Nutzung von Blasinstrumenten untersagt. Donald Trump stellte übrigens klar, sein gestriges  lautes Nachdenken über das Einbringen von Licht in den Körper und das Injizieren von Desinfektionsmittel gegen Covid-19 wäre Sarkasmus gewesen. Tja. Wenn er zu so etwas tatsächlich in der Lage sein sollte, müsste es ihn eigentlich nachdenklich stimmen, dass dies niemandem aufgefallen zu sein scheint, ganz im Gegenteil, sein Lager sich eiligst bemühte Anhänger davon abzuhalten sich ihre Gesundheit komplett zu ruinieren. Neuester Trump-Spruch: „Ich bin kein Arzt“. Ha, ha, ha! Der ist echt gut! Trocken.

Tipp für heute: Vielleicht sollte die Bevölkerung häufiger mal annehmen, dass das, was die Regierenden verkünden, nicht ernst gemeint sei.

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