Corona-Tagebuch 53
5. Mai 2020
Die Vorgehensweise wegen der Corona-Pandemie spaltet immer mehr die deutsche Gesellschaft. Dabei werden die Beschränkungen Schritt für Schritt abgebaut. Niedersachsen will ab nächsten Montag Gaststätten wieder eröffnen, zunächst für maximal die Hälfte der möglichen Gäste und mit Reservierungspflicht. Mecklenburg/Vorpommern tut dies bereits ab Sonnabend, ab 11. Mai startet dort die reguläre Betreuung in Kindergärten, ab 18. Mai sollen Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen wieder zur Verfügung stehen und ab 25. Mai dürfen auch wieder auswärtige deutsche Touristen in Mecklenburg/Vorpommern übernachten. Je mehr gelockert wird, desto stärker jedoch wird auf weitere Lockerungen gedrängt und viele fühlen sich bemüßigt sämtliche Einschränkungen in Frage zu stellen. Normal, denke ich. Nun zeigt sich eben, wieviel in den letzten Wochen aufgestaut wurde. Theaterregisseur Frank Castorf fordert einen „republikanischen Widerstand“. Virologen werden beschimpft. Sie würden ständig neue wichtige Zahlen hervor zaubern, heißt es. Manche erhalten Morddrohungen. Im bayrischen Wilhermsdorf entriss ein 31-Jähriger während eines Streites über die Abstandsregeln der Kassiererin sogar eine Gurke und warf sie in deren Richtung. Ja, häufig liegen die Nerven blank. Gestern ist mir auf der Torstraße ein Mann entgegen gekommen, der ununterbrochen lauthals schimpfte. Üblich, in unserer Gegend. Nur ließ er seinen Zorn an einer Frau aus, die Mundnasenschutz trug. Verbal, zum Glück nur verbal. New York lockert schrittweise, nach lediglich 226 Toten am Sonntag, in der Türkei endete gestern das dreitägige Verbot des Reisens zwischen den Städten, nur in Istanbul, Ankara und Izmir bleibt das Verbot bestehen, Israel will ab 14. Juni sämtliche Versammlungsbeschränkungen aufheben, Südkorea öffnet schrittweise die Schulen, Fußball- und Baseball-Liga nehmen den Spielbetrieb, wenn auch ohne Zuschauer, wieder auf und Griechenland plant ab 1. Juli den Start der Tourismus-Saison. Weltweit über 250.000 Covid-19-Tote. Boris Johnson, britischer Premier und zunächst Verharmloser des Virus benennt seinen neugeborenen Sohn nach jenen beiden Ärzten, die ihm in der Klinik, wie er sagte, das Leben retteten und Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen/Anhalt, besuchte als einer der Ersten nach der Öffnung wieder einen Frisör. Details über seinen neuen Haarschnitt wurden allerdings nicht bekannt gegeben.
Tipp für heute: Mit Essen wirft man nicht.
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