Corona-Tagebuch 79

31. Mai 2020

Das nervige Gebimmel der Kirchenglocken weckt mich um 8:45 Uhr. Es dauert zehn Minuten. Zu Ehren der Corona-Toten? Eine halbe Stunde später bimmeln sie noch mal, wieder zehn Minuten. Etwas übertrieben, oder? Gestern den Film ‚Paterson‘ von Jim Jarmousch gesehen. Ein wunderbar ruhiges Werk, welches ich bereits vor dem großen Finale beendet hätte. In den USA, in Minneapolis, kommt es seit Tagen, nach dem Mord eines weißen Polizisten an einem schwarzen Mann, zu schweren Ausschreitungen, die sich mittlerweile auf andere Städte ausbreiteten. Rassismus und die Reaktionen darauf, denkt man zunächst. Kann man aber durchaus auch anders sehen, wie User DB_EMD auf tagesschau.de beweist: „Ich denke Corona hat den Menschen, die sich immer mehr in Gesetzen und Verordnungen, vorgeplanten und durchorganisierten Gesellschaften unterordnen müssen, den letzten Rest gegeben! In einer Welt, in der Individualismus immer mehr durch staatliche Eingriffe reguliert und unterdrückt wird, müssen sich ja solche Bilder auftun.“ Staatliche Eingriffe in den Individualismus? Und das ausgerechnet in den USA? Unter Donald Trump? Diese Sicht der Dinge muss er sich patentieren lassen. Kaum Resonanz fanden an diesem Wochenende die Proteste gegen Corona-Maßnahmen in Deutschland, obwohl das Wetter perfekt war und fast überall wieder unbeschränkt demonstriert werden durfte. Oder gerade deshalb? In Spanien wird ab Juni ein Grundeinkommen eingeführt. Ein Erwachsener hat dann Anspruch auf 462 € im Monat. Familien erhalten zusätzlich 139 € pro Kopf, maximal 1.015 € pro Haushalt. Das hat natürlich nicht viel mit einem Grundeinkommen zu tun, von dem man wirklich leben kann, noch dazu kommen lediglich 2,3 Millionen von 50 Millionen Spanierinnen und Spanier in den Genuss. Saudi-Arabien will die Moschee des Propheten Mohammed in Medina ab heute schrittweise eröffnen, in Jerusalem wird der Tempelberg mit der Al-Aqusa-Moschee wieder zugänglich gemacht. Mehr als 30.000 Infizierte in Südafrika, mehr als 40.000 in Weißrussland, mehr als 400.000 in Russland, mehr als 6 Millionen weltweit. Der japanische Elektronikkonzern Yamaha hat eine App entwickelt, mit der Fußballfans, wenn sie die Spiele ihrer Mannschaften im Fernsehen, Radio oder Internet verfolgen, Anfeuerungsrufe, Jubelschreie oder Unmutsbekundungen auf ihren Smartphones ins coronabedingt leere Stadion schicken können, wo Lautsprecher zwischen den Stuhlreihen diese dann verstärken. Die Zukunft des Fußballs? Nie wieder Gewalt? Eine Herausforderung auf jeden Fall für Ultras so Schlachtgesänge zu intonieren. Die Reformbühne darf ab nächsten Sonntag das erste Mal wieder live vor anwesendem Publikum in der Baiz auftreten. Bin total aufgeregt. Heute nochmal Stream pur und Präsentation meiner ersten Amabie-Bilder, plus zweien von meiner Tochter.

Heute: Weltweites Internetz, Facebook-Kanal der Reformbühne Heim & Welt, 20 Uhr: 12. Quarantänebühne Heim & Welt mit Falko Hennig, Technik-Held Frank Sorge, Gott und mich, über Zoom aus Münster zugeschaltet Heiko Werning, einer Anneliese-Hülschrath-Gedächtniskolumne von Jürgen Witte aus Steglitz und live in den Waran-Werkstätten-Wedding Superstargast: Sedlmeir (Rock ’n Roll)

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