Corona-Tagebuch 78

30. Mai 2020

Bin ganz alleine. Die Familie ist weg gefahren. Nach Thüringen. Weil man dort jetzt wieder alles darf. Selbst Fremde auf der Straße küssen. Falls man vorher fragt, natürlich nur. Und mit Mundschutz. In Berlin darf man noch gar nichts. Außer mit der Deutschland-Fahne vor dem Olympiastadion posieren (gute Symbolik für was mit Deutschland) und danach einen Auto-Korso gegen die Corona-Maßnahmen führen, wie der vegane Starkoch, Bürgerrechtler und Opfer von Polizei-Willkür Attila Hildmann (39) es gerade tut, am Sonnabendmittag. Vom Olympiastadion bis zum Bundeskanzleramt leitet er in seinem auffälligen Porsche den Konvoi dutzender PKW’s und Motorräder, die unter anderem einen Corona-Untersuchungsausschuss fordern. „Freiheit!“ 70 Demonstrationen sind heute zum Thema allein in Berlin angemeldet. Fast schon ein Pfingsttreffen, wie es früher die FDJ veranstaltete. Hat aber damit nichts zu tun, es ist ja gegen die Regierung gerichtet, die Regierung hier, in Berlin, und selbstverständlich auch gegen die Weltregierung, ist die eigentlich schon im Amt? In Berlin sind ab 2. Juni Open-Air-Veranstaltungen bis 200 Besucher wieder möglich, ab 16. Juni bis 500, ab 30. Juni bis 1.000. In geschlossenen Räumen dürfen von Dienstag an bestimmte (was sind bestimmte?) Veranstaltungen bis 150 und ab 30. Juni bis 300 Teilnehmer stattfinden. Ab 2. Juni dürfen auch Kneipen wieder aufmachen, Gäste müssen allerdings an Tischen bedient werden. Dänemark und Griechenland öffnen ab 15. Juni ihre Grenzen für Touristen. In Schleswig/Holstein sollen ab 8. Juni alle Grundschüler wieder eine tägliche Beschulung erhalten. In Nordrhein/Westfalen dürfen Kinos, Theater, Opern- und Konzerthäuser wieder öffnen, auch Busreisen sind unter den Bedingungen des Infektionsschutzes wieder gestattet. Flixbus nimmt den Betrieb wieder auf, Busse dürfen voll besetzt werden, Maskenpflicht gilt. Disneyworld strebt die Wiedereröffnung seiner Vergnügungsparks in Florida ab 11. Juli an. Höchster Anstieg von Neuinfektionen im Irak, 416 Fälle am Tag. Südkorea schränkt nach erneutem Anstieg von Neuinfektionen den Schulbetrieb wieder ein, Museen, Parks und Theater werden in Seoul geschlossen. Chile verteilt wegen katastrophaler Zustände infolge der Corona-Krise zehntausende Lebensmittelpakete an die Bevölkerung. Donald Trump verkündet das Ende der Zusammenarbeit der USA mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO), weil diese eine „Marionette“ Chinas sei. Sämtliche bisher zur Verfügung gestellten Finanzmittel würden künftig für andere globale Gesundheitsprojekte zur Verfügung gestellt, Projekte die dies verdienten, sagte der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Welche es wohl sein mögen? Die „Super-Duper-Rakete“ vielleicht?

Tipp für heute: „Die freie deutsche Jugend stürmt Berlin“, ein Lied zum Pfingsttreffen, in der Version von ‚Einsatz‘ mal wieder hören.

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