Corona-Tagebuch 90
11. Juni 2020
Meine Zahnarztpraxis hat angerufen und gefragt, ob ich den Termin in der kommenden Woche verschieben will. „Wegen Corona?“ habe ich gefragt und sie geantwortet, nein, nein, der Zahnarzt könne nur nicht an dem Termin. Sie hätten jetzt eine neue Kollegin eingestellt, die würde das übernehmen. Freue mich also auf die neue Kollegin und werde den Mund ganz weit aufmachen, versprochen. Gestern Zeuge geworden, wie die Polizei in Neukölln einige Jugendliche auf dem Spielplatz kontrollierte, die dort Bälle in einen Korb zu werfen versuchten. Weiß gar nicht mehr, ob das noch verboten ist. Oder lag es an der Hautfarbe von einigen der Spieler? Ein Würgegriff wurde jedenfalls nicht angesetzt. Die Polizei verließ den Spielplatz, die Jugendlichen verließen den Spielplatz, wir verließen den Spielplatz nicht, sondern tranken weiter dort unser Bier. Mitglieder der Washingtoner Nationalgarde, die während der Proteste gegen rassistische Polizeigewalt in der US-Hauptstadt im Einsatz waren, sind positiv auf das Coronavirus getestet worden. Eine genaue Zahl werde aus Gründen der „operativen Sicherheit“ nicht genannt, teilte eine Sprecherin Dienstagabend mit. Weil so viele zu den Demonstrationen wegen des Todes von George Floyd kamen, will nun auch Donald Trump wieder Massen zusammen bringen. Bereits ab nächsten Freitag plant er öffentliche Wahlkampfauftritte wahrzunehmen. „Laut und ungestüm und groß“ sollen sie seinem Kommunikationsdirektor Tim Murtaugh zufolge werden. Während im Nordosten der USA die Infektionszahlen deutlich sinken, steigen sie in den südlichen Bundesstaaten deutlich an. Zum ersten Mal seit zwei Monaten gab es gestern auch in Deutschland wieder mehr Neuinfektionen (555) als Covid-19-Patienten genesen sind (ca. 400). Zum neuen Hotspot könnte Indien werden, wo mittlerweile pro Tag etwa 10.000 Infektionen hinzukommen. Über 1.000 Tote in Bangladesch, über 8.000 Tote in Kanada, über 15.000 Tote in Mexiko. Die USA melden 2 Millionen Infizierte. Laut ‚Institute for Economics and Peace‘ (IEP) könnten die ökonomischen Folgen der Coronakrise dazu beitragen, bestehende Konflikte zu befeuern und neue zu schaffen. Ach nee. Ist ja mal ’ne Aussage, wo sich jemand ganz weit aus dem Fenster lehnt. „Könnten“. Solche Forschungsergebnisse möchte ich mal präsentieren dürfen. Ein Jahr im Bett liegen und dann hinaus posaunen, gestiegene Rüstungsexporte könnten dazu führen, dass diese Waffen auch eingesetzt werden. Im Ranking der friedlichsten Länder kletterte Deutschland um sechs Plätze nach oben und steht nun auf Platz 16. Die Schweiz kommt auf Platz 10, Österreich auf Platz 4, das friedlichste Land der Erde ist Island, auf dem letzten Platz befindet sich Afghanistan.
Tipp für heute: Nachteil für jemanden an der Spitze, verbessern kann man sich nun nicht mehr.
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