Corona-Tagebuch 91

12. Juni 2020

Auf einer großen Wiese saß ich gestern, im Kreis, mit vielen anderen Eltern. Es wurde erzählt, wie es ihnen so erging, während des Lockdowns und ich war nicht überrascht, wie unterschiedlich die Erfahrungen ausfielen. Die meisten hätten sich einen längeren Lockdown gewünscht, empfanden es als angenehm für ihre Kinder, aber auch für die Beziehung zu ihren Kindern. Diejenigen, die sagten, es sei der reine Horror gewesen, waren eindeutig in der Minderheit. Irgendwie jedoch kamen sie mir ehrlicher vor. Ich könnte mich weder dem ersten noch dem zweiten Lager zuordnen. Es war schon immer mein tief gehegter Wunsch, mit wenigen Menschen in einer Extremsituation auf engstem Raum eingesperrt zu sein. In Krisensituationen lebe ich auf. Nur dauert die Krise nun schon länger und läppert mehr und mehr aus, man bemerkt sie kaum noch im Alltag, außer eben, dass die Tochter weiterhin nicht zur Schule gehen kann, man ihr jeden Tag ein Mittagessen kochen muss, was ist das noch für eine Extremsituation? Das sagte ich aber nicht, in der Runde. Ehrlich bin ich lediglich auf dem Papier, dem elektronischen Papier. Laut einer Studie der Harvard-Universität hat sich das Virus möglicherweise schon seit August 2019 in China ausgebreitet. Die Forscher werteten dazu Satellitenbilder und Suchbegriffe wie „Husten“ oder „Durchfall“ aus. Dabei habe sich heraus gestellt, dass bereits vor dem offiziell von den Behörden gemeldeten Ausbruch der Epidemie im Dezember 2019 mehr Menschen ins Krankenhaus gefahren seien. Hm. Der Erkenntnis der Forscherinnen und Forscher will ich ja nicht widersprechen, nur erscheinen mir die Forschungsmethoden fragwürdig. Mehr Menschen fuhren ins Krankenhaus? Mehr „Husten“? Mehr „Durchfall“? Könnte es da eventuell noch andere Erklärungen geben? In Großbritannien hat die Corona-Krise zum Einbruch des Bierkonsums geführt. Um 7,2% sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum der Verkauf im ersten Quartal. Grund seien die geschlossenen Pubs. Für Deutschland warnt die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) vor dem Benutzen abseitiger Badestellen. Sie befürchtet, dass die Schwimmfertigkeit durch die wegen Corona wochenlang geschlossenen Schwimmbäder und ausgefallenen Schwimmkurse gesunken ist. In Freibädern wäre aufgrund der vorhandenen Rettungsschwimmer die Gefahr zu ertrinken nicht so groß. Mit 8 lag die Zahl der gestern gemeldeten Corona-Toten in Deutschland einstellig. Das erste Mal, seit Monaten? Bulgarien vermeldet mit 104 Neuinfektionen am Tag einen Rekordanstieg. Schweden vermeldet mit 1.474 Neuinfektionen am Tag einen Rekordanstieg. Über 2.000 Covid-19-Tote in Indonesien, über 6.000 in Peru, über 8.000 in Indien, über 40.000 in Brasilien. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) äußerte sich am Rande einer Kabinettssitzung, auf der die Absenkung der Mehrwertsteuer und die Zahlung eines Kinderbonus in der BRD, 300 € pro Kind, beschlossen wurde, folgendermaßen: „Eine zweite Welle kann sehr wahrscheinlich vermieden werden.“ Interessant.

Tipp für heute: Voraussagen immer mit einem „möglicherweise“, „eventuell“, „wahrscheinlich“ oder „vielleicht“ garnieren.

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