Corona-Tagebuch 104

25. Juni 2020

Etwas Merkwürdiges ist passiert. Ich habe einen Text geschrieben und in diesem ging es kein einziges Mal um Corona. Auch nicht in einem Nebensatz. Auch nicht zwischen den Zeilen. Und das Komische, ich habe mir das überhaupt nicht vorgenommen, es ist von selbst geschehen. Damit ist die Pandemie nun also endgültig vorbei. Für mich. Leider geht es nicht nach mir. Nicht immer. Das ist zwar ultra-ungerecht, aber so ist das nun mal. Da kann ich gegen demonstrieren, Steine in die Schaufenster schmeißen oder den Alexanderplatz besetzen, es wird an diesem Umstand nichts ändern. Im Gran Teatre del Liceeu in Barcelona fand vorgestern das erste Konzert nach der corona-bedingten Zwangspause statt. Auf die Zuschauerränge hatte man statt Zuschauern Grünpflanzen gesetzt. Der Applaus dürfte ungewohnt ausgefallen sein. Sogar im doppelten Sinne. Belgien lockert weiter. Ab Juli dürfen sich Menschen im Land wöchentlich (!) mit bis zu 15 Personen treffen. Ganz ehrlich, selbst wenn ich mich an diese Vorschrift halten wollen würde, es täte mir schwer fallen. Strichliste führen? Wie will man die Einhaltung der Vorschrift erst von außen kontrollieren? Theater können nun auch in Belgien wieder öffnen, neben Wellnesscentern und Schwimmbädern, allerdings dürfen in diesen nur bis zu 50 Personen gemeinsam sich aufhalten. 50 Personen? In einem Theater? Mit den Schauspielerinnen? Mit den Technikerinnen? Mit der Intendantin? Und den Kartenverkäuferinnen und den Platzanweiserinnen? Darf dann überhaupt noch ein Zuschauer hinein? In den Niederlanden machen ab 1. Juli sogar Bordelle wieder auf. Endlich! Außerdem soll ab 1. September dort Profi-Fußball wieder vor Fans stattfinden. Bis zu 5.000 will man den Zutritt genehmigen. Sie sollen in den Stadien einen Mindestabstand von 1,5 m zueinander halten und müssen auf Gesänge und Sprechchöre verzichten. Was für die ganz Harten. Abgesagt wurden der Berlin-Marathon am 26. und 27.09. und der New-York-Marathon am 01.11.. Kroatien führt die Maskenpflicht im ÖPNV und eine 14-tägige Quarantänepflicht für Besucher aus Bosnien, dem Kosovo, Nordmazedonien und Serbien ein. Wegen Wiederanstieg der Infektionsfälle wird es in den Moscheen des Westjordanlandes ab Freitag keine öffentlichen Mittagsgebete mehr geben. Vorerst. Die australische Regierung entsendet rund 1.000 Soldaten in die Hauptstadt des Bundesstaates Victoria, nach Melbourne, wo 850 von ihnen die Einhaltung der 14-tägigen Quarantänepflicht bei eingetroffenen Reisenden kontrollieren sollen. 150 neue Infektionsfälle gab es da in den vergangenen Tagen. In Deutschland allein gestern 630.

Tipp für heute: Was sind schon Zahlen?

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