Corona-Tagebuch 109
2. Juli 2020
2 Tage Erholung liegen hinter mir. Oder 3? Ich habe einen stinkenden Teich von seiner Stinke befreit. Dachte ich wenigstens, nachdem ich ungefähr 6 Tonnen Morast da raus schippte und kescherte. Scheinbar aber will dieser Teich stinken. Die Luft um ihn roch jedenfalls am nächsten Morgen eher noch etwas strenger, um nicht zu sagen pupsiger, als vorher, weshalb das Frühstück am Teich lediglich mit zugehaltener Nase eingenommen werden konnte. Käse, es gab Käse. Hier im Brandenburgischen ist Corona ebenfalls präsent. Im ‚Storchenblick‘, einer Gaststätte, die alle nur ‚Storch‘ nennen, liegen auf den Tischen weder Tischdecken, noch Speisekarten, es gibt auch keine Salzstreuer, Bierdeckel oder Aschenbecher. Man versucht das Risiko einer Ansteckung zu minimieren, jeder Gegenstand ein potentieller Infektionsherd. Ein Wunder, dass noch Stühle da sind und Tische. Das Essen aber schmeckte. Hering, es gab Hering. Wissenschaftler aus China warnen übrigens vor einem neuen Grippevirus bei Schweinen, welches für den Menschen zunehmend ansteckend sei und das Potenzial einer Pandemie berge. Sein Name: G4. Ein G4-Stamm zumindest des als Schweinegrippe bekannten Virus H1N1. Allerdings bestehe keine unmittelbare Gefahr. Beruhigend. Peking hat die Ausgangssperren in einigen Vierteln wieder aufgehoben. Spanien und Portugal öffnen ihre bilaterale Grenze. Die Dominikanische Republik, die Bahamas und der westindische Staat Goa öffneten bereits gestern ihre Grenzen für Touristen. Deutschland lockert die Einreisebeschränkungen für 11 Länder außerhalb der EU, unter anderem für Montenegro. Österreich hingegen warnt wegen steigender Infektionszahlen vor Reisen in Länder des Westbalkans, unter anderem nach Montenegro. Rekordanstiege bei Infektionszahlen der letzten 24 Stunden melden Israel (868), Südafrika (8.124) und die USA (52.898). Kalifornien schließt Innenbereiche von Gaststätten, Kinos, Weingüter, Museen und Zoos in 19 stark betroffenen Gebieten, darunter Los Angeles County für mindestens 3 Wochen, in Teilen Michigans müssen Innenbereiche von Bars wieder schließen, Pennsylvania führt die Maskenpflicht ein. Präsident Trump seinerseits plant zum Unabhängigkeitstag am Sonnabend „das größte Feuerwerk in der jüngsten Erinnerung“, mit 10.000 Raketen. Beim Thema Mund-Nasen-Schutz erfährt man Überraschendes vom Chef im Weißen Haus: „Ich bin ganz und gar für Masken. Ich denke, Masken sind gut.“ Meint er den Karneval? Über 2.000 Covid-19-Tote im Irak, über 3.000 in Ägypten, über 9.000 in Deutschland, über 60.000 in Brasilien. Während in den Niederlanden nach Wiedereröffnung der Rotlichtdistrikte keinerlei Empfehlungen für sichere Stellungen gegeben wurden, schlägt Österreich Sexarbeitern vor auf Speichelaustausch zu verzichten und beim Geschlechtsverkehr Positionen zu wählen, wo man Kunden nicht von Angesicht zu Angesicht begegne. Abstandsregeln müssen in beiden Ländern nicht beachtet werden.
Tipp für heute: Man kann ja auch einfach nur reden.
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