Corona-Tagebuch 199

7. Oktober 2020

Berlin hat, nach über 70 Jahren (Westberlin zumindest), seine Sperrstunde zurück. Hurra! Der Senat beschloss sie gestern, wegen gestiegener Infektionszahlen. Sie gilt ab Sonntag, zwischen 23 und 6 Uhr, vorerst bis zum 31. Oktober, für sämtliche Einrichtungen, die Alkohol verkaufen, also neben dem Gastgewerbe auch für Spätverkäufe. Ausnahmen gibt es lediglich für Apotheken, ja, in vielen Medizin-Fläschchen ist unter anderem Alkohol enthalten, und Tankstellen, wo aber zwischen 23 und 6 Uhr dann kein Alkohol verkauft werden darf. Berlin ist jetzt also Provinz. Die Reaktionen darauf sind gemischt, um es mal freundlich auszudrücken. Reichen von „Sehr gut! Hätte schon früher kommen können. Ich begrüße die Maßnahmen sehr!“ (Big Daddy) bis „Willkommen in der DDR 2.0!“ (Kurt Wilhelm). Und dann natürlich jene, die immer schon mal was sagen wollten, wie „Diese windelweichen Regelungen sind alles, nur nicht im Entferntesten ein Lockdown.“ (Bojo Herrmann), „Berlin benötigt eben Regeln und die müssen richtig weh tun, sonst klappt es dort NIE!“ (Heide) oder „Völlig sinnlos!!! Aber die BVG darf streiken.“ (Berlin). Sämtliche Zitate der Kommentarspalte des RBB (Rundfunk Berlin Brandenburg) entnommen. Der Ton wird rauher. Das Verständnis ist nicht mehr so vorhanden, wie im Frühling noch. Auch Frankfurt am Main führt eine Sperrstunde ein, von 22 bis 6 Uhr. Außerdem wird der Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum dort verboten und private Feiern auf 25 Personen beschränkt. In großen Einkaufsstraßen und Einkaufspassagen muss künftig Maske getragen werden. Belgien führt für das ganze Land eine Sperrstunde von 23 Uhr an ein. Außerdem sollen ab Freitag die Bürger da nur noch mit 3 Personen außerhalb der eigenen Familie engen Kontakt pflegen, pro Monat! Skurrile Anordnung. In Pariser Restaurants muss künftig auch am Tisch Maske getragen werden, vor dem Ersten Gang, zwischen Vorspeise und Hauptmahlzeit, zwischen Hauptmahlzeit und Dessert, sowie nach dem Essen. Warum nicht auch zwischen den Häppchen? Maske runter, Gabel rein, Maske wieder rauf? Hamburg erlaubt Heizpilze für die Außengastronomie. In Baden/Württemberg dürfen nach einem Gerichtsurteil ab kommenden Montag Prostitutionsstätten wieder eröffnen. 400.000 Seeleute sind weltweit seit 17 Monaten oder mehr auf See und dürfen wegen Corona-Reiserestriktionen noch immer nicht an Land kommen. Das verurteilte das UN-Büro für Menschenrechte und bezeichnete jenes Vorgehen als unmenschlich. Zu recht! Rekorde bei Neuinfektionen melden Bulgarien, 436 Fälle am Tag und Tschechien, 4.457 Fälle am Tag. Über 100 Covid-19-Tote auf den Bahamas, über 200 in Angola, über 600 in Aserbaidschan und in Libyen, über 900 in Bosnien/Herzegowina, über 1.000 in Costa Rica, über 6.000 in Ägypten. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD): „Die Zeit der Geselligkeit ist vorbei. Die Lage in Berlin ist ernst.“

Tipp für heute: Sich alleine zuhause die Hucke vollsaufen, vor 23 Uhr, der Volksgesundheit zuliebe.

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